Jahresrückblick 2012Als Sandy den Wahlkampf beendete

November 2012, New Jersey: Häuser sind zerstört, der Strom ist weg, niemand interessiert sich mehr für die Wahl. Der verhinderte Wahlkämpfer Bob Manduca erinnert sich. von 

Union Beach, New Jersey, im November 2012

Union Beach, New Jersey, im November 2012  |  © Eric Thayer/Reuters

Dass das Städtchen, wo Bob Manduca wohnt, von Hurrikan Sandy lahmgelegt wurde, kam überraschend . Manduca, der Vizepräsident einer Technologiefirma, lebt in Fanwood, New Jersey, 50 Kilometer von der Küste entfernt. "Aber unser Umspannwerk liegt direkt am Meer", sagt der 56-Jährige. Eine Woche hatte Fanwood keinen Strom. Und dann tauchte auch noch überraschend Manducas Tochter mit ein paar Freunden auf, weil ihr College überschwemmt worden war. "Dabei hatten wir eigentlich nur Lebensmittel für zwei gebunkert."

Bob Manduca
Bob Manduca

lebt in Fanwood, New Jersey. Er ist ehrenamtlicher Stadtrat und Republikaner.

Manduca, Italo-Amerikaner, in New York geboren und in New Jersey aufgewachsen, ist ehrenamtlicher Stadtrat in der 8.000-Seelen-Suburb bei Newark . Und er ist Republikaner. Eigentlich sollte er beim Wahlkampf seiner Partei für die Präsidentschaftswahl am 6. November mitmachen. Zwar ist New Jersey demokratisch, nicht aber die Suburbs. "Die Demokraten sind in den Städten stark, wo sie von den Gewerkschaften des öffentlichen Dienstes unterstützt werden, Lehrer, Rathausangestellte, Hafenarbeiter", sagt der Adenauer-Fan Manduca.

Anzeige

Doch Sandy bereitete dem Wahlkampf in der Küstenregion ein rasches Ende. "Wir Republikaner haben sowieso weniger Geld als die Demokraten", sagt Manduca. "Wir konnten uns nur eine einzige Rundbriefsendung leisten. Und die blieb dann liegen." Drei Wochen lang wurde die Post nicht zugestellt. Es gebe zwar eine kleine E-Mail-Liste, "aber viele unserer Wähler sind Rentner, die sind nicht im Internet."

Jahresrückblick 2012

Zwölf Monate, zwölf Protagonisten: ZEIT ONLINE erzählt das Jahr 2012 aus der Sicht von Beobachtern und Menschen, die dabei waren, ohne im Scheinwerferlicht zu stehen. Jeden Tag veröffentlichen wir zwei neue Folgen.

Alle Geschichten im Überblick:

Was im November noch geschah

Amtsinhaber Barack Obama gewinnt die US-Präsidentschaftswahl gegen den republikanischen Herausforderer Mitt Romney.

Israel reagiert auf den verstärkten Beschuss des Landes aus dem Gazastreifen mit einer Militäroperation gegen die Hamas-Miliz und andere Gruppen.

Rosnet wird der größte Ölkonzern der Welt.

Auch eine Wahlparty musste abgesagt werden: Kein Strom. Also blieb nur, von Tür zu Tür zu gehen. Abends, nach der Arbeit. "Alle Republikaner haben Jobs, während die Demokraten Vollzeit-Politiker sind", sagt Manduca. Und die Botschaft zu vermitteln, sei auch nicht so einfach. "Unsere Krankenhausbediensteten glauben, die Regierung ist nicht das Problem, weil die großzügig vom Staat bezahlt werden." Vor allem aber habe sich nach Sandy keiner mehr für die Wahl interessiert. "Die Leute, bei denen wir an die Tür geklopft haben, hatten andere Probleme."

Haben sich durch den Sturm seine Ansichten über globale Erwärmung geändert? "Das Problem ist nicht globale Erwärmung, sondern die Idioten in der Verwaltung", sagt Manduca. Der Eisenbahn-Verantwortliche etwa habe alle Züge in einem Areal abstellen lassen, das überflutet wurde. Bei der Debatte gehe es sowieso nur darum, den Steuerzahler abzuzocken. Deswegen hält er auch nichts davon, Geld in die Infrastruktur zu investieren. "Die Umspannstation, die überflutet wurde, war fast neu. Und die lag nur deshalb am Meer, weil das der Wahlkreis von Jim McGreevey war, des früheren Gouverneurs."

Zur Startseite
 
Leserkommentare
    • timonb
    • 30. Dezember 2012 12:49 Uhr
    1. Hä..?

    Kann sein, dass ich gerade total falsch denke, aber mir kommt folgender Satz recht seltsam vor: "Eigentlich sollte beim Wahlkampf seiner Partei für die Präsidentschaftswahl am 6. November machen".

    Sonst erscheint mir der Artikel sehr kurz, worunter der Inhalt leiden musste, der doch sehr einseitig ist und nur einen äußerst kleinen Ausschnitt zeigt.

    Ihre Anmerkung wurde weitergeleitet. Danke, die Redaktion/mak

    • TomFynn
    • 30. Dezember 2012 14:00 Uhr

    nicht, dass ein Republikaner nichts davon hält Geld in die Infrastruktur zu stecken. Ironisch finde ich, dass unter seinem Verein die Lage der Umspannstation *genauso* nach Wahlkreisen vergeben würde.

    Und was die "Idioten in der Verwaltung" angeht, sollte man dem guten Mann mal einen Trip nach New Orleans spendieren...

    • sfi63
    • 30. Dezember 2012 16:35 Uhr

    Ist ja sehr sympathisch, dass der Held der Geschichte, der sich eine Partei mit der Teaparty teilt (die gerade die Wirtschaft der USA gegen die Fiscal Cliff-Wand fährt), ausgerechnet Adenauer-Fan ist! Aber wir alle wissen, was die Adenauer-Ära, die bedrückende Post-Nazi-Ära in den 50ern in Deutschland, kulturell und sozial in Deutschland war. Autoritätsfixierte, bleierne Zeit! Ob die Autoren des Artikels wissen, worüber sie schreiben, wenn sie über die US-Republikaner schreiben? Nein, dieser subtil den rechten Ideologen zuarbeitende Artikel gehört eher in die Junge Welt oder sonstwohin nach rechts als in die unideologische ZEIT. Aber wirklich.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Serie Jahresrückblick 2012
  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte College | Hurrikan | Botschaft | Debatte | Internet | Lehrer
Service