Der Abend hätte für alle bereichernd sein können. Hätte. Die Teilnahme von Rivka Feldhay, Leiterin des Minerva Humanities Center Tel Aviv , war aber offenbar politisch nicht erwünscht. Von einem Gespräch mit Bundeskanzlerin Angela Merkel und dem israelischen Premierminister Benjamin Netanjahu , das am Donnerstag im Rahmen ihres Kabinettstreffens in Berlin stattfand, wurde sie kurzerhand ausgeladen.

Der Vorfall ist ein Eingriff in die akademische Freiheit und passt zu den jüngsten Entwicklungen in und um Israel . Das Veto gegen Feldhay stammt von dem nationalen Sicherheitsberater Israels Yaakov Amidor. Seine Begründung: Sie übe unzulässige Kritik an der eigenen Regierung. Offizielle Reaktionen von deutscher Seite blieben aus. Die Professorin erfuhr davon ganz kurzfristig am Mittwoch, als sie schon in Berlin war. Sie wurde von der deutschen Botschaft in Israel informiert, der gleichen Stelle, die sie einige Wochen zuvor eingeladen hatte.

Man darf sich fragen, welche Befürchtung dahinter steht. Gegenüber ZEIT ONLINE schlägt Feldhay jedenfalls bescheidene Töne an: Zwar sei es ihr nach dem Vorfall wichtiger denn je, als Gegnerin der Besatzungspolitik gehört zu werden. Bei der Gesprächsrunde, zu der mehrere deutsche und israelische Wissenschaftler verschiedener Fachrichtungen geladen wurden, wollte sie aber lediglich ihr Forschungsthema vorstellen: Seit mehr als zehn Jahren beschäftigt sich Feldhay mit der gesellschaftlichen Tragweite der Geisteswissenschaften.

Das allein soll so streitbar sein? Ein Sprecher Netanjahus rechtfertigte den Schritt so: Der Premierminister wolle keine Wissenschaftler zu einem Gespräch laden, die das Bild israelischer Soldaten und Piloten vorsätzlich in den Dreck zögen. Der Vorwurf geht auf eine von Feldhay unterzeichnete Petition aus dem Jahr 2008 zurück. Sie unterstützt das Verweigerungsrecht israelischer Soldaten, insbesondere von Studenten, die zu Einsätzen in der Westbank eingezogen werden sollen.

In den jüngsten Gesprächen mit Merkel trat der israelische Premierminister selbst durch kreative Interpretationen hervor: Orte, die man sonst als Siedlungen bezeichnet, seien genau genommen Vororte, erklärte Netanjahu, von Tel Aviv und Jerusalem nämlich. So weit, so kategorisch. Alternativen Deutungen kritischer Wissenschaftler wie Feldhay begegnet Netanjahus Kabinett dagegen offenbar mit weniger geistiger Experimentierfreude.