Die Ministerpräsidenten-Frage wird auch das beherrschende Thema der nächsten Wochen sein. Laut Verfassung wäre Basescu verpflichtet, den Kandidaten der Parlamentsmehrheit zu nominieren, doch aus dem Wortlaut der entsprechenden Verfassungspassagen ergeben sich minimale Interpretationsspielräume, die Basescu wie seit jeher maximal ausschöpfen will. Wird Ponta nicht nominiert, wäre das für die Parlamentsmehrheit das Signal, erneut mit der quälenden Prozedur der Amtsenthebung zu beginnen.

Aber in der Sozialliberalen Union denkt man längst weiter: Zusammen mit der Partei der ungarischen Minderheit UDMR, die bei den gestrigen Wahlen gerade noch den Sprung über die Fünfprozenthürde schaffte, soll die Verfassung per Zweidrittelmehrheit erheblich geändert werden. Die USL möchte beispielsweise die Macht des Präsidenten deutlich beschneiden und die Rechte des Verfassungsgerichtes einschränken. Vor allem aber will die Ponta-Regierung den Kampf gegen die Korruption stark beschränken.

Gute Zeiten für Überläufer

Für den Fall, dass die Ungarn-Partei bei Zwei-Drittel-Projekten nicht mitmacht, hat der exzentrische Immobilienhai und Fußballklubbesitzer Gigi Becali bereits angekündigt, er werde einfach Abgeordnete der Opposition "mitbringen". Im Klartext: kaufen.

In der Bukarester Politik macht sich selten jemand die Mühe der Diskretion. Kein Wunder: Das Land wird von einer kleinen Schicht Reicher und Einflussreicher ohne besonders großes Feingefühl "verwertet", von Zeit zu Zeit wechseln sich die Parteien an der Macht ab, ein Gutteil der politischen Klasse besteht ohnehin aus Dauerüberläufern. Jetzt geht es für die Sozialliberale Union unter Victor Ponta darum, den eigenen Seilschaften längerfristig die Pfründe zu sichern , vor allem den Zugang der eigenen Parteigänger zu Abertausenden lukrativer Beamtenposten und der klienteleigenen Firmen zu üppig bezahlten Staatsaufträgen.

Von dieser Elite hat sich die Mehrheit der rumänischen Gesellschaft längst völlig verabschiedet, wie die aufschlussreichste Zahl der gestrigen Parlamentswahlen zeigt: Insgesamt beteiligten sich nur knapp 42 Prozent der Wahlberechtigten.