Russland : Ex-Polizist muss für Mord an Politkowskaja elf Jahre in Haft

Dmitrij P. hatte gestanden, den Mord an der russischen Journalistin und die Tatwaffe organisiert zu haben. Das Gericht gewährte ihm deshalb Strafnachlass.

Wegen der Ermordung der russischen Journalistin Anna Politkowskaja ist ein ehemaliger Polizist zu elf Jahren Haft verurteilt worden. Der Angeklagte Dmitrij P. hatte gestanden, den Mord an Politkowskaja organisiert zu haben : Er habe die Journalistin überwacht, die Mordwaffe gekauft und dem Mörder übergeben. P. muss nun ins Straflager und zudem drei Millionen Rubel (rund 75.000 Euro) an die Familie Politkowskajas zahlen.

Der Prozess wurde allerdings vor der Urteilsverkündung von Politkowskajas Angehörigen kritisiert. Denn die russische Justiz hatte wegen seines Geständnisses die Vereinbarung mit dem Ex-Polizisten getroffen, dass der frühere Oberstleutnant mit einem deutlichen Strafnachlass rechnen könne, wenn der mit den Behörden zusammenarbeite. Die Hinterbliebenen kündigten als Nebenkläger Berufung an. Sie würden nur die Höchststrafe von 20 Jahren akzeptieren, teilten sie mit.

Die regierungskritische Journalistin war im Oktober 2006 im Treppenhaus ihres Moskauer Wohnhauses erschossen worden . Sie war eine scharfe Kritikerin von Präsident Wladimir Putin . In ihren Berichten prangerte sie insbesondere Menschenrechtsverletzungen während des Tschetschenien-Kriegs an. Ein aus Tschetschenien stammender Hintermann soll P. rund 115.000 Euro für den Mord gezahlt haben.

In wessen Interesse er den Mord an Politkowskaja in Auftrag gegeben hatte, ist bis heute unklar. Vertreter von Menschenrechtsorganisationen befürchten, dass die wahren Hintergründe nie offen gelegt werden. So sind die Auftraggeber nach wie vor offiziell unbekannt. Weitere Tatverdächtige sitzen in Untersuchungshaft.

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