Zehntausende US-Amerikaner wollen das vom russischen Parlament beschlossene Verbot von Adoptionen russischer Kinder durch US-Bürger nicht folgenlos hinnehmen. Bis Sonntag unterzeichneten mehr als 42.000 Amerikaner zwei im Internet veröffentlichte Petitionen, wonach die US-Politik gegen die Duma-Abgeordneten, die für das Adoptionsverbot stimmten, Sanktionen verhängen soll.

Die Petitionen wurden in dem dafür vorgesehen Internetforum We the People (Wir, das Volk) veröffentlicht, das vom Weißen Haus eingerichtet wurde. Die erste am Freitag publizierte Petition wurde bis Sonntag von mehr als 37.000 Menschen unterzeichnet. Damit übersprang sie bereits deutlich die Schwelle von 25.000 Unterschriften, ab der die US-Regierung eine Stellungnahme zu dem Anliegen abgeben muss. Die zweite Petition sammelte seit Samstag fast 5.500 Unterschriften.

In der ersten Petition äußerten sich die Unterzeichner "entrüstet über das Vorgehen der russischen Gesetzgeber, die alle vorstellbaren Grenzen von Menschlichkeit, Verantwortungsbewusstsein oder gutem Geschmack überschritten und beschlossen haben, das Leben und das Wohlergehen Tausender russischer Waisen in Gefahr zu bringen". Wenn das Adoptionsverbot tatsächlich in Kraft trete, hätten einige kranke oder behinderte Waisen in Russland "keinerlei Überlebenschance mehr".

Initiatoren fordern Einreiseverbot

Das russische Unterhaus hatte das Adoptionsverbot am Freitag verabschiedet. 420 Abgeordnete stimmten für die Vorlage, nur sieben Volksvertreter votierten dagegen, einer enthielt sich. Die Zustimmung der anderen Parlamentskammer und die Verkündung des Gesetzes durch Staatschef Wladimir Putin steht noch aus. Das Gesetz ist die Reaktion auf Strafmaßnahmen gegen Russland, die der US-Kongress unlängst wegen des Todes des inhaftierten russischen Anwalts Sergej Magnizki beschlossen hatte.

Die sogenannte Magnizki-Liste enthält die Namen russischer Beamter, die verantwortlich für Magnizkis Tod waren und daher mit US-Sanktionen belegt wurden. Der 37-Jährige hatte einen Korruptionsskandal bei der Polizei aufgedeckt und war 2009 in Untersuchungshaft gestorben.

Die Kritiker des Adoptionsverbots fordern von  Washington , Einreiseverbote gegen die Duma-Abgeordneten zu verhängen. Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses in der Duma, Alexej Puschkow, warnte die US-Regierung bereits, die bilateralen Beziehungen könnten Schaden nehmen, falls die USA "unter irgendeinem Vorwand" Einreiseverbote für russische Abgeordnete erlassen sollten.