SüdkoreaFrau Park gegen Herrn Moon

Südkorea wählt: Erstmals könnte mit Park Geun Hye eine Frau in Seoul regieren. Die Tochter eines Exdiktators trifft auf den linksliberalen Moon Jae In. von 

Park Geun Hye

Wahlkampf im Zentrum von Seoul: Park Geun Hye  |  © REUTERS/Lee Jae-Won

Erstmals könnte eine Frau die Geschicke Südkoreas leiten. Am Mittwoch sind Präsidentenwahlen und die konservative Park Geun Hye ist eine aussichtsreiche Kandidatin. Die 60-Jährige lag in den letzten Umfragen nur noch ganz knapp vor dem Kandidaten der oppositionellen Demokratischen Einheitspartei (DUP), Moon Jae In. Moon, ein Jahr jünger als Park und dem Mitte-Links-Lager zuzuordnen, kennt das Regierungsgeschäft gut: Er war in der liberalen Regierung von Präsident Roh Moo Hyun (2003 bis 2008) dessen Stabschef.

Südkorea gehört neben Taiwan wirtschaftlich und besonders politisch zu den Erfolgsgeschichten Ostasiens . Beide wurden autoritär regiert – im Falle Südkoreas war es eine Militärjunta – und wandelten sich seit den achtziger Jahren zu Musterdemokratien ihrer Region. Zuletzt regierte unter Präsident Lee Myung Bak in Seoul eine konservative Regierung. Park Geun Hye, einst Vorsitzende der unter Lee regierenden konservativen Saenuri-Partei, ist die Tochter von General Park Chung Hee, der von 1961 bis 1979 in Südkorea eine Militärdiktatur anführte, was ihr in der Wählergunst aber nicht schadet.

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Im Gegenteil. Im Wahlkampfendspurt hat die Park jetzt die nationale Devises ihres Vaters wiederbelebt, "Lasst uns gut leben!". Südkorea hatte sich unter General Park von einem armen, durch den Koreakrieg gebeutelten Agrarstaat zu einer wettbewerbsstarken Exportnation hochgearbeitet, allerdings unter weitgehender Missachtung von Arbeitnehmerrechten. Selbst durch die Finanzkrise 2008/2009 ist Korea noch mit positiven Wachstumsraten gekommen. Park Geun Hye verspricht nun, Jahrzehnte später, das Wirtschaftswunder ihres Vaters zu wiederholen.

Nordkorea rückt in den Fokus

Ihren Landsleuten, die sich nach ihren Worten mit immensen privaten Schulden, hohen Bildungskosten für ihre Kinder und Altersarmut plagen, verspricht Park ein rasches Wirtschaftswachstum und neue Jobs. Besonders die Verschuldung der Privathaushalte ist zuletzt zu einem der großen Probleme Koreas geworden. Park setzt auf neue Märkte und Investitionen in Forschung und Wissenschaft. Und sie will den Anteil der Sozialausgaben erhöhen.

Moon verspricht gleichfalls soziale Wohltaten: ein 18 Milliarden Dollar schweres Paket für mehr Arbeitsplätze, durch das er mehr Wohlstand, Wachstum und wirtschaftliche Demokratie schaffen will. Moon will die Mindestlöhne anheben und die Hälfte der Zeitarbeiter in der Privatwirtschaft in feste, dauerhafte Beschäftigung bringen. Außerdem will er die Macht der Chaebols – von einer Familie kontrollierte Großkonglomerate wie Samsung oder LG – einschränken.

Diese ökonomischen Themen hatten den Wahlkampf wochenlang dominiert, doch ist inzwischen die Kim-Diktatur im Norden der Halbinsel in den Fokus gerückt. Nach dem erfolgreichen Start einer Langstreckenrakete am 10. Dezember und der weltweiten Sorge vor einem dritten Test einer Nuklearbombe geht es in der Diskussion um den Umgang mit dem verarmten Paria-Staat im Norden.

Leserkommentare
    • Wyt
    • 18. Dezember 2012 17:53 Uhr

    wurde vor wenigen Tagen auf ARTE ausgestrahlt:

    http://www.arte.tv/de/sue...

    Sie ist noch eine Woche in der Mediathek zu finden.

  1. Südkorea wird in Wirklichkeit regiert von 10 oder 12 Konzernen rund um Samsung & Co.

    Die Diktatorentochter Park wird die marktliberale und US-freundliche Politik fortsetzen, die z.B. hatz gegen die Bildung von Gewerkschaften vorgeht.

    Die Koreaner sind gut beraten, Park nicht zu wählen. Mir ihr - und da bin ich mir auf Grund des US-Einflusses ziemlich sicher - wird es keine Entspannung bezüglich des nördlichen Nachbarn geben.

    Sie behauptet zwar was anderes, aber glaubhaft ist das nicht. Sie wird weiterhin Militärübungen mit der USA vor der Küste durchführen und die militanten Nordnachbarn unnötig provozieren.

    Die Südkoreaner müssen endlich begreifen, dass ihnen der Konflikt mit dem Norden (und damit China) nur schadet.

    Eine versöhnlichere Regierung - die nicht bei jeder von den USA initiierten Provokation mitmacht, kann zur Entspannung beitragen.

    Das Wettrüsten muss endlich aufhören. Ansonsten darf Südkorea sich auf ein Wettrüsten seit an seit mit Japan und Taiwan gegen China einrichten. Nutzen tut dies nur den USA.

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    Wenn Südkorea überhaupt noch existiert, dann weil die Amerikaner bei Incheon gelandet sind, als die Truppen des "Grossen Führers" vor Busan standen. Sonst würde sich jetzt ganz Korea bei einem Löffel Reis über die jüngsten Erfolge des kleinen Runden freuen.

    Manöver in Internationalen Gewässern zur Verbesserung der Verteidigungsbereitschaft sind also eine Provokation!
    Es ist schon eine sehr große Doppelmoral im Spiel Südkorea wegen Provoation zu verurteilen und nordkoreanische Provokationen zu unterschlagen! Hier ein paar Beispiele

    - 1999 nach 52 Jahren verlegt Nordkorea einseitig die Seegrene nach Süden
    - Cheonan (PCC-772) wird versenkt (46 Tote)
    - Yeonpyeong (innerhalb der einseitig geänderten Seegrenze) wird angegriffen (4 Tote)
    - 2012 Test einer Trägerrakete die auch Atomwaffen transportieren kann

    Also was hat Nordkorea getan, um Frieden herzustellen bzw. beschweige den überhaupt ein vertrauenswürdiger Verhandlungspartner zu sein?

  2. Wenn Südkorea überhaupt noch existiert, dann weil die Amerikaner bei Incheon gelandet sind, als die Truppen des "Grossen Führers" vor Busan standen. Sonst würde sich jetzt ganz Korea bei einem Löffel Reis über die jüngsten Erfolge des kleinen Runden freuen.

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    Ja das ist aber die Vergangenheit. Diese Vergangenheit bedeutet aber nicht, bis auf immer und ewig jedes Spielchen der USA mitzumachen. Der Fokus auf Asien bedeutet für die USA ein ziemlich heikles Messen mit China. Südkorea spielt da nur die Figur des Bauern.

  3. Ja das ist aber die Vergangenheit. Diese Vergangenheit bedeutet aber nicht, bis auf immer und ewig jedes Spielchen der USA mitzumachen. Der Fokus auf Asien bedeutet für die USA ein ziemlich heikles Messen mit China. Südkorea spielt da nur die Figur des Bauern.

  4. Manöver in Internationalen Gewässern zur Verbesserung der Verteidigungsbereitschaft sind also eine Provokation!
    Es ist schon eine sehr große Doppelmoral im Spiel Südkorea wegen Provoation zu verurteilen und nordkoreanische Provokationen zu unterschlagen! Hier ein paar Beispiele

    - 1999 nach 52 Jahren verlegt Nordkorea einseitig die Seegrene nach Süden
    - Cheonan (PCC-772) wird versenkt (46 Tote)
    - Yeonpyeong (innerhalb der einseitig geänderten Seegrenze) wird angegriffen (4 Tote)
    - 2012 Test einer Trägerrakete die auch Atomwaffen transportieren kann

    Also was hat Nordkorea getan, um Frieden herzustellen bzw. beschweige den überhaupt ein vertrauenswürdiger Verhandlungspartner zu sein?

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