PräsidentschaftswahlDiktatorentochter Park gewinnt Wahl in Südkorea

Die konservative Politikerin und Diktatorentochter Park Geun Hye ist zur Präsidentin Südkoreas gewählt worden. Ihr Herausforderer Moon räumte seine Niederlage ein. von afp

Südkorea wird erstmals von einer Präsidentin geführt. Die 60-jährige Kandidatin der regierenden Saenuri-Partei, Park Geun Hye, setzte sich bei der Präsidentenwahl gegen den linksliberalen Oppositionspolitiker Moon Jae In durch.

Nach Auszählung von 80 Prozent der Stimmen war ihr der Sieg sicher, berichtete der Fernsehsender KBS. Auf die Tochter des früheren Militärdiktators Park Chung Hee entfielen danach 51,5 Prozent der Stimmen. Der ehemalige Menschenrechtsanwalt Moon von der Demokratischen Einheitspartei (DUP) käme danach auf 48 Prozent.

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Park ist die Tochter von Diktator Park Chung Hee, der Südkorea in den Jahren 1961 bis 1979 regierte. Kritiker werfen ihr vor, autoritär zu sein und ihre politische Legitimität allein von ihrem Vater zu beziehen. Dieser wird zwar in Südkorea wegen seines diktatorischen Führungsstils sehr kritisch gesehen, zugleich aber als Architekt des Aufstiegs Südkoreas zur asiatischen Wirtschaftsmacht verehrt.

Nie wirklich distanziert vom Vater

Die unverheiratet und kinderlos gebliebene Park gilt als distanziert und weniger charismatisch als ihr Vater, aber klug und prinzipienstreng. Einer ihrer Beinamen lautet auch "Prinzessin der Merkbücher", da sie ihre Antworten häufig auf vorbereiteten Zetteln sucht und Reden abliest.

Die Wahlbeteiligung war trotz eisiger Temperaturen mit 75 Prozent sehr hoch. 2007 hatten nur 63 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme abgegeben. Als Präsidentin warten auf Park Probleme wie ein verlangsamtes Wirtschaftswachstum, steigende Sozialkosten in einer der am schnellsten alternden Gesellschaften der Welt sowie die anhaltenden Spannungen mit Nordkorea .

Park wird vorgeworfen, sich von ihrem Vater nie wirklich distanziert zu haben, auch wenn sie sich für Menschenrechtsverletzungen während der Herrschaft ihres Vaters entschuldigt hatte. Im Juli dieses Jahres hatte sie noch gesagt, der Militärputsch 1961 sei damals die bestmögliche Wahl gewesen.

Park wirbt für eine neue konservative Politik. Auch hat sie wie die sozialliberale Opposition den Ausbau der sozialen Fürsorge angekündigt. Zum kommunistischen Nordkorea will sie eine Politik des gegenseitigen Vertrauens aufbauen.

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Leserkommentare
  1. Eine neoliberale Diktatorentochter in Südkorea. Ein nationalistischer Hardliner in Japan.

    Obacht liebe Chinesen, die Bauern auf dem "Great Chessboard" nehmen ihre Positionen ein.

    Hier mal ein sehr guter Artikel zum neuen Drehpunkt des Kräftemessens - dem asiatisch-pazifischen Raum:

    http://www.heise.de/tp/bl...

  2. Park wirbt für eine neue konservative Politik. Auch hat sie wie die sozialliberale Opposition den Ausbau der sozialen Fürsorge angekündigt.

    Haha, "konservative Politik" und "Ausbau der sozialen Fürsorge", ich werf mich weg!

    Die Koreaner haben zumindest noch vor 15 Jahren gerne nach Deutschland geschaut, weil sie unsere Wiedervereinigung als Vorbild sahen für eine mögliche Wiedervereinigung mit Nord-Korea. Das ist inzwischen vom Tisch, weil die letzten familiären Bande wegsterben, und weder die Chinesen noch die Süd-Koreaner 25 Millionen gebrainwashte, ausgemergelte aufpeppeln wollen.

    Auch wenn die Wahl von Frau Park denkbar knapp ausfiel: hätten sich die Koreaner von Deutschland (und dem Rest der Welt) besser auch mal die Früchte jahrzehntelanger neoliberaler Politik angeschaut.

    Eine konservative Diktatorentochter ist auch sicher nicht das geeignete Mittel, um mit einem der größten Probleme dieses Landes, der allgegenwärtigen Korruption, aufzuräumen.

    Naja, warum auch sollte es 10.000km richtung Osten besser laufen als bei uns, oder 10.000km richtung Westen .......

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    "Haha, "konservative Politik" und "Ausbau der sozialen Fürsorge", ich werf mich weg!"

    Sofern konservative Politik ehrlich gemeint ist, passt das durchaus. Man darf nichts durcheinander bringen, nur weil unser Parteiensystem von Neoliberalen infiltriert und verfälscht wurde.

  3. "Haha, "konservative Politik" und "Ausbau der sozialen Fürsorge", ich werf mich weg!"

    Sofern konservative Politik ehrlich gemeint ist, passt das durchaus. Man darf nichts durcheinander bringen, nur weil unser Parteiensystem von Neoliberalen infiltriert und verfälscht wurde.

    Antwort auf "Au weia ..."

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  • Quelle ZEIT ONLINE, AFP, zz
  • Schlagworte Wahl | Park Chung Hee | Südkorea | Architekt | Menschenrechtsverletzung | Opposition
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