Deutschland hat vier Mitarbeiter der syrischen Botschaft in Berlin ausgewiesen. Außenminister Guido Westerwelle ( FDP ) erklärte, damit gebe Deutschland "ein klares Zeichen, dass wir die Beziehungen zum Assad-Regime auf ein absolutes Minimum reduzieren". Er setze darauf, dass sich die Nationale Koalition der Oppositionsgruppen "weiter verfestigt" und so bald wie möglich "handlungsfähige Übergangsinstitutionen" für Syrien aufgebaut werden könnten.

Die Syrer haben laut Westerwelle bis Donnerstag Zeit, ihre Posten zu räumen. Offenbar geht die Bundesregierung davon aus, dass sich die Regierung in Damaskus nicht mehr lange an der Macht halten kann. "Anzeichen mehren sich, dass die Macht des Assad-Regimes weiter erodiert", sagte Westerwelle der Süddeutschen Zeitung . Er hoffe, dass bald eine politische Übergangslösung gefunden werde.

Die EU-Außenminister wollen am heutigen Montag bei einem Treffen erstmals offiziell mit dem Chef der Nationalen Koalition, Ahmed Moas al-Chatib, zusammenkommen. "Das ist ein klares Zeichen der Aufwertung der syrischen Koalition", sagte Westerwelle. Die Koalition vertrete "die legitimen Interessen des syrischen Volkes". "Wir wollen, dass dieses auch anerkannt wird seitens der Europäischen Union."

Opposition: Regierungstruppen zunehmend in Bedrängnis

Die syrischen Regierungstruppen verlieren nach Angaben von Assad-Gegner weiter an Boden. Aktivisten veröffentlichten Videoaufnahmen, die zeigen sollen, wie eine islamistische Brigade eine Kommandozentrale in Scheich Sleiman in der Provinz Aleppo einnimmt. Andere Aufnahmen zeigen Rebellen in einem erbeuteten Panzer.

Bei der Schlacht um den Stützpunkt sollen ein Soldat und zwei Rebellen getötet worden sein. Fünf Soldaten fielen angeblich den Angreifern in die Hände. 140 Soldaten seien geflohen, hieß es.

Bei Kämpfen in der Provinz Idlib sollen die Regierungstruppen am Montag sechs Mann verloren haben. Gefechte wurden auch aus Vierteln in der Innenstadt von Damaskus gemeldet. Bis zum Nachmittag zählten Aktivisten 29 Todesopfer, darunter sechs Kinder.

Der Konflikt zwischen der Regierung Assads und der Opposition dauert seit März vergangenen Jahres an. Mehr als 40.000 Menschen wurden nach Schätzungen seitdem getötet. Im November hatten sich weite Teile der syrischen Opposition im Kampf gegen Assad zur Nationalen Koalition zusammengeschlossen. Der Verband hatte am Samstag die Bildung eines Militärrats zur Koordinierung der Kampfeinheiten in Syrien angekündigt.