Syrische Truppen haben laut Aktivisten einen Großangriff auf einen Stadtteil von Damaskus begonnen. Elitesoldaten unterstützt von Panzer-Einheiten würden auf den strategisch wichtigen Vorort Daraja vorrücken, teilten Oppositionelle mit, die sich in der Stadt befinden. Bei einem Raketenangriff seien fünf Zivilisten, darunter ein Kind, gestorben.

Es sei eine der größten Militäroperationen dieses Monats in der Gegend. Daraja liegt nahe der strategisch wichtigen Autobahn nach Jordanien . Der Stadtteil gehört zu einer Reihe von überwiegend sunnitischen Vororten, die derzeit in Rebellenhand sind. In den letzten Wochen sind nach Schätzungen der Aktivisten Zehntausende Menschen aus Daraja geflohen. Noch immer sollen dort etwa 5.000 Zivilisten und Hunderte Rebellen ausharren. Bisher gelang es der Freien Syrischen Armee offenbar, den Angriff der Regierungstruppen aufzuhalten.

Auch Exilsyrer der in London ansässigen Beobachtungsstelle für Menschenrechte berichteten von Kämpfen in Daraja. Zudem seien Gebiete um Damaskus bombardiert worden.

Dutzende Leichen mit Folterspuren gefunden

In einem anderen Stadtteil, in Barse, seien 30 Leichen mit Folterspuren entdeckt worden, berichtete die Beobachtungsstelle. Eine andere Aktivistengruppe, die Generalkommission der syrischen Revolution, bezifferte die Zahl der Leichen sogar auf etwa 50. Die Köpfe seien abgetrennt und so verstümmelt worden, das eine Identifizierung nicht möglich sei.

In Syrien ist eine unabhängige Berichterstattung weitgehend unmöglich. Die Informationen aus dem Bürgerkriegsland stammen hauptsächlich von den Konfliktparteien selbst und lassen sich nicht überprüfen.

Opposition lehnt Brahimi-Vorschlag ab

Am Sonntag hatte der Syrien-Gesandte Lakhdar Brahimi mitgeteilt, er habe einen neuen Plan für eine politische Lösung des Konflikts. Dieser habe Chancen, von der internationalen Gemeinschaft angenommen zu werden.

Das Regime in Damaskus zeigte sich verhandlungsbereit. Die Regierung begrüße "jede regionale oder internationale Initiative für eine Lösung der Krise durch Dialog und mit friedlichen Mitteln ohne Einmischung von außen", sagte Ministerpräsident Wael al-Halaki.

Die Opposition dagegen kritisierte den Vorschlag Brahimis, eine Übergangsregierung unter Beteiligung von Funktionären des Regimes von Präsident Baschar al-Assad zu bilden. Der Syrische Nationalrat teilte mit: "Aus der Sicht von Assad sind Initiativen und Dialog ein Zeichen von Schwäche und ein Beweis für seine Legitimität." Deshalb folgten auf Friedensinitiativen immer nur neue Massaker .