DesertionÜbergelaufener Chef der Militärpolizei klagt Syriens Armee an

Der Chef der syrischen Militärpolizei ist zu den Rebellen übergelaufen. In einem Video beschimpft Abdelasis al-Schalal die Soldaten als marodierende und mordende Banden. von afp, dpa und reuters

Abdelasis al-Schalal bei seiner Videobotschaft, die der Sender Al-Arabija ausstrahlte.

Abdelasis al-Schalal bei seiner Videobotschaft, die der Sender Al-Arabija ausstrahlte.  |  ©Reuters TV

Der Chef der syrischen Militärpolizei ist zu den Gegnern von Präsident Baschar al-Assad übergelaufen und hat die Armee als "Mörderbande" angeklagt. Der Nachrichtensender Al-Arabija strahlte eine Videobotschaft aus, in der Abdelasis Dschassim al-Schalal seine Desertion erklärte.

"Die Armee hat Städte und Dörfer zerstört sowie Massaker an der unbewaffneten Bevölkerung verübt, die auf der Straße Freiheit forderte", sagte al-Schalal. Das Militär sei von seiner fundamentalen Mission, das Volk zu schützen, abgekommen und zu zerstörerischen, mordenden Banden geworden.

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In Rebellenkreisen hieß es, al-Schalal sei in die Türkei geflohen. Wann er die Seiten gewechselt hat, war zunächst unklar. Laut Al-Arabija entstand die Videoaufnahme an der türkisch-syrischen Grenze. Al-Schalal sagte, er habe eine Weile auf die richtige Gelegenheit zum Überlaufen gewartet.

Aus syrischen Sicherheitskreisen verlautete, al-Schalal hätte ohnehin in einem Monat in den Ruhestand treten sollen: "Er ist nur übergelaufen, um den Helden zu spielen."

Al-Schalal sagte, dass noch weitere hochrangige Offiziere sich "ganz gewiss" vom Regime lossagen wollten. Die gegenwärtige Situation sei für sie aber nicht geeignet, ein Überlaufen zu wagen. Assads Regime beobachte jede ihrer Bewegungen.

Assad hat im vergangenen halben Jahr bereits mehrere wichtige Mitstreiter verloren. Im August setzte sich sein Ministerpräsident Riad Hidschab nach nur zweimonatiger Amtszeit ab und schloss sich der Opposition an. Im Juli desertierte der Brigadegeneral Manaf Tlass mithilfe des französischen Geheimdienstes; Tlass war lange ein Vertrauter Assads gewesen.

Flüchtiger Sprecher soll nur Urlaub haben

Verwirrung gab es um den Aufenthaltsort des flüchtigen Sprechers des syrischen Außenministeriums, Dschihad Makdissi. Der Guardian berichtete, Makdissi sei nach Washington geflohen und habe dort Asyl erhalten, nachdem er dem US-Geheimdienst Informationen über Assads Machtapparat übermittelt habe. Syrische Behörden bestritten, dass Makdissi desertiert sei, er habe lediglich drei Monate Urlaub genommen.

Nach Angaben von Aktivisten vertrieben oppositionelle Kämpfer die Soldaten des Regimes am Dienstag von einem strategisch wichtigen Stützpunkt an der türkischen Grenze. In Damaskus sei ein hochrangiger Geheimdienstoffizier erschossen worden.

Einem unbestätigten Bericht der syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte zufolge sollen die Oppositionskämpfer die historische Festungsanlage von Harim in der Provinz Idlib erobert haben. Dort hatte das Regime einen wichtigen Standort.

Israel hegt Zweifel an der Darstellung syrischer Aufständischer, dass Assad Chemiewaffen einsetzen lasse. Die Opposition habe ein Interesse an einem internationalen Militäreinsatz, sagte der stellvertretende Ministerpräsident Mosche Jaalon dem Armee-Rundfunk. Derzeit gebe es keine Bestätigung oder Beweise, dass die Führung in Damaskus auf die Chemiewaffen zurückgreife.

Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte hatte mitgeteilt, ihr lägen Berichte über einen Giftgas-Einsatz in Homs vor. Dabei sollen sechs Rebellen ums Leben gekommen sein.

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Leserkommentare
  1. Soso, er wartete also kanppe zwei Jahre auf eine "günstige Gelegenheit"? Da hat er wohl die diversen Ultimaten der demokratischen Opposition überhört. Währenddessen war er sicherlich auch federführend an der Planung der angeprangerten Menschenrechtsverbrechen beteiligt. Dieser Mann müsste sofort an die Wand gestellt werden, wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Feigheit. Kein Wunder, dass Assad bei solchen Waffenbrüdern aus dem letzten Loch pfeift.

    4 Leserempfehlungen
    • va
    • 26. Dezember 2012 15:39 Uhr

    wieder ein weiterer Schritt zu einem unkontrollierbaren Zustand. Beunruhigend ist, dass die Russen im Mittelmeer ein größeres See-Manöver abhalten. Diese Desertion zeigt nur, dass Syriens Staatsmacht weiter zerfällt. Angesichts der Vielzahl untereinander teilweise verfeindeten Oppositionsgruppen bleibt die Angst vor Ausdehnung des Bürgerkrieges auf die umliegenden Nachbarländer. Deeskalation ist angesagt.

    3 Leserempfehlungen
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    • i2
    • 26. Dezember 2012 15:43 Uhr

    Die "Rebellen" haben bereits angekündigt, dass diese nach einem möglichen Sturz von Assad ein Gottesstaat errichten wollen und das Oppositionsbündnis erkennen sie nicht an.

    • i2
    • 26. Dezember 2012 15:39 Uhr

    Einem unbestätigten Bericht der syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte...

    Was für einen Umschreibung, wieso schreiben Sie nicht dass es sich um einen Londoner Gemüsehändler handelt der mehrere "Beobachtungsstellen" unter verschiedenen Namen betreibt!?

    Was den Überläufer betrifft, es schon länger bekannt, dass die Saudis Millionen Dollar an hohe Militärs und Politiker zahlen, wenn diese "überlaufen".

    17 Leserempfehlungen
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    Entfernt. Kein konstruktiver Kommentar. Die Redaktion/kvk

    • SonDing
    • 26. Dezember 2012 15:41 Uhr

    wäre hier wohl der richtige Ausdruck. Das Gewissen dieser Volksverräter, falls überhaupt vorhanden, ist genauso schmutzig, wie das Geld das Sie vom Westen und den Saudis bekommen.

    http://online.wsj.com/art...

    15 Leserempfehlungen
    • gooder
    • 26. Dezember 2012 15:42 Uhr

    Bevor Abdul Aziz Jassem al-Shallal in die Hände von marodierende und mordende Banden fällt, läuft er ganz zum Eigenschutz zu diesen über,menschlich ist das nachzuvollziehen. Wenn das finannzielle Angebot, sowie das sichere Geleit nach Katar,oder Saudi-Arabien vertraglich festgehalten ist,werden sich in der Tat noch weitere hochrangige Offiziere "ganz gewiss" vom Regime lossagen.

    3 Leserempfehlungen
    • i2
    • 26. Dezember 2012 15:43 Uhr

    Die "Rebellen" haben bereits angekündigt, dass diese nach einem möglichen Sturz von Assad ein Gottesstaat errichten wollen und das Oppositionsbündnis erkennen sie nicht an.

    4 Leserempfehlungen
  2. Es mag ja ein ermutigendes Zeichen sein, wenn hochrangige Militärs desertieren. Trotzdem geht aber zunächst dieses Blutvergiessen weiter. Der leidenden Zivilbevölkerung ist nicht viel geholfen, wenn nur ein einzelner General davon läuft.

    Es bedarf für ein schnelles Ende des Blutvergiessens aber mutigerer Offiziere, solche die sich gegen das Regime erheben, die Kraft haben den Diktator und seine Helfer festsetzen und UN-Truppen ins Land holen, damit mit deren Hilfe und durch Zusammenarbeit mit der Opposition die staatliche Ordnung rasch wieder hergestellt werden kann.

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  3. Dollars mag er erhalten haben? Es hat schon riessen Vorteile ,,Chef" zu sein.

    4 Leserempfehlungen

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, AFP, Reuters, sc
  • Schlagworte Asyl | Mosche Jaalon | US-Geheimdienst | Urlaub | Videobotschaft | Israel
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