Kommende Woche wird die Gruppe der "Friends of Syria" im marokkanischen Marrakesch zu ihrer vierten Tagung zusammenkommen und die Oppositionskoalition hat dann Gelegenheit, sich auf internationalem Parkett als überzeugende Alternative zum Regime Assad zu präsentieren. Die Konferenz ist ein Zusammenschluss von fast 70 Nationen, deren Ziel es ist, den internationalen Druck auf Assad zu erhöhen. Mit am Tisch saß bislang immer auch der Bundesaußenminister.

Sollte es der Koalition in Marrakesch gelingen, tatsächlich als geschlossene Opposition mit einer überzeugenden Führungsriege in Erscheinung zu treten, wäre der Westen am Zug. Dessen Entscheidungsträger könnten in Marrakesch zum nachhaltigen Erfolg der Opposition beitragen: Zunächst wäre eine gezielte finanzielle Förderung durch Bereitstellung von konkreten Finanzmitteln erforderlich. Darüber hinaus jedoch ist die Tagung nicht zuletzt für die Bundesregierung der geeignete Zeitpunkt, der Oppositionsbewegung auch förmlich ihre Anerkennung auszusprechen.

Eine solche Anerkennung als legitime Nachfolgeregierung des Assad-Regimes wäre eine tatkräftige Unterstützung der Opposition, deren Erfolgsaussichten durch diesen Schritt erheblich steigen würden. Und die breite internationale Unterstützung für die Koalition, moralisch, politisch, diplomatisch und finanziell, kann den Rebellen vor dem Hintergrund aktueller militärischer Fortschritte im Kampf gegen Assad einen möglicherweise entscheidenden Schub geben.

Sicher, angesichts der anhaltenden Unwägbarkeiten ist eine solche offizielle Aufwertung nicht ohne Risiko. Dies auch angesichts der Tatsache, dass in der ersten Sitzung der Nationalen Koalition in Kairo am vergangenen Freitag nicht zuletzt die Muslimbrüder eine tragende Rolle spielten. Verglichen jedoch mit den Risiken, die mit dem wachsenden Einfluss weit radikalerer islamistischer Bewegungen außerhalb der Koalition verbunden sind, ist dies eine fast zu vernachlässigende Größe. Das ist der Preis, der auch in Berlin für ein Syrien ohne Assad zu zahlen ist.