Die syrische Luftwaffe hat nach Angaben von Aktivisten erstmals ein palästinensisches Flüchtlingslager unter Beschuss genommen. Eine Granate sei in einer Moschee des Flüchtlingslagers Jarmuk im Süden der Hauptstadt Damaskus eingeschlagen, berichteten auch Bewohner. Nach Angaben von Oppositionellen habe es dabei viele Tote gegeben. Videoaufnahmen des Angriffs, die von Regimegegnern ins Internet gestellt wurden, zeigen verletzte Menschen. Die Videos konnten allerdings nicht auf Echtheit überprüft werden.

Fast 600 Vertriebene aus benachbarten Stadtteilen seien in der Moschee untergebracht gewesen. Wegen des Konflikts in Syrien suchten in dem Palästinenserlager auch viele Binnenflüchtlinge Zuflucht. Ein palästinensischer Flüchtling sagte, die Bewohner hätten sich im Zentrum des Camps versammelt, weil die Ränder unter Beschuss und Schauplatz von Kämpfen seien.

Die Palästinenser seien gespalten zwischen Anhängern und Gegnern der Rebellion, sagte der Leiter der in London ansässigen Beobachterstelle für Menschenrechte, Rami Abdel Rahman. Sie geraten zunehmend zwischen die Fronten. Augenzeugen schildern, dass es im Flüchtlingslager Gefechte zwischen Aufständischen und der Assad-freundlichen Volksfront zur Befreiung Palästinas Generalkommando von Ahmed Dschibril gegeben habe. Weil die Aufständischen vorgerückt seien, habe die syrische Luftwaffe eingegriffen .

Abbas fordert Schutz der Palästinenser

Palästinenserpräsident Mahmud Abbas sagte dagegen, die Palästinenser hätten mit dem Konflikt in Syrien nichts zu tun. Er fordere daher von allen Konfliktparteien, "die Palästinenser und ihre Lager in Syrien zu verschonen". Die Angriffe müssten "sofort aufhören". "Wir ermahnen die internationale Gemeinschaft außerdem dazu, Maßnahmen zum Schutz unseres Volkes in Syrien zu ergreifen", sagte Abbas.

Der Angriff auf das Flüchtlingslager war einer von vielen Luftangriffen am Sonntag auf Orte und Vororte im Süden von Damaskus . Laut Beobachtungsstelle wurden in den Vierteln Assali und Hadschar al-Aswad Häuser zerstört. Auch die Vororte Harasta, Erbin, Naschabije und Otaja seien unter Beschuss gewesen. Vielerorts habe es Kämpfe zwischen Soldaten und Aufständischen gegeben. Südwestlich von Damaskus beschossen Panzereinheiten nach Rebellenangaben den seit Wochen von Rebellen gehaltenen Vorort Daraja. Kampfjets überflogen mehrmals den Ort.