Die syrische Regierung will Kreisen zufolge mit Russland über Friedenspläne für den Bürgerkrieg im eigenen Land beraten. Präsident Baschar al-Assad habe dafür seinen Vize-Außenminister Faisal Makdad nach Moskau geschickt, sagte ein Vertreter syrischer Sicherheitskreise. Makdad solle dort über Assads jüngste Unterredung mit dem UN-Sondergesandten Lakhdar Brahimi sprechen. Die diplomatischen Bemühungen um ein Ende des Konflikts könnten damit eine neue Wendung nehmen.

Informationen darüber, ob ein konkreter Friedensplan geschmiedet wird, gab es von offizieller syrischer Seite nicht. Aus Syrien-nahen Kreisen im Libanon hieß es aber, der Vize-Außenminister solle in Moskau Rat zu einer möglichen Friedensvereinbarung einholen. Das Moskauer Außenministerium teilte mit, dass Makdad am Donnerstag mit Ressortchef Sergej Lawrow und dem russischen Sondergesandten für den Nahen Osten, Michail Bogdanow, zusammenkommen werde. Russland hat Assad diplomatisch und militärisch unterstützt. Bogdanow selbst hatte aber Mitte Dezember eine Niederlage Assads für möglich erklärt .

Die diplomatischen Verhandlungen im Syrien-Konflikt gibt es erst seit kurzem wieder: Der UN-Sondergesandte Brahimi war am Montag mit Assad zusammengetroffen . Brahimi hatte dabei nach eigenen Angaben dargelegt, wie der seit 21 Monaten andauernde Konflikt zwischen Aufständischen und Regierung aus seiner Sicht beigelegt werden könne. Zu konkreten Friedensplänen hielt sich Brahimi bedeckt. Aus Syrien-nahen Kreisen hieß es dazu: Nach dem Gespräch mit Brahimi habe in der syrischen Regierung Zuversicht geherrscht. Es gebe eine neue, positive Entwicklung.

Der Ausblick aus UN-Kreisen war verhaltener: Gespräche mit Vertretern beider Seiten hätten keinen Fortschritt gebracht. "Assad blockte Brahimi anscheinend erneut ab, der UN-Sicherheitsrat gibt ihm nicht einmal annähernd die Unterstützung, die er braucht, und die Rebellen wollen keinen Kompromiss eingehen", sagte ein UN-Vertreter.

Gefechte in Syrien gehen weiter

Trotz der diplomatischen Verhandlungen gingen die Kämpfe in Syrien über die Feiertage unvermindert weiter . Machthaber al-Assad musste einen Verlust in den eigenen Reihen hinnehmen. Der Chef der syrischen Militärpolizei ist zu den Rebellen übergelaufen . "Die Armee hat Städte und Dörfer zerstört sowie Massaker an der unbewaffneten Bevölkerung verübt, die auf der Straße Freiheit forderte", sagte General Abdelasis Dschassim al-Schalal in einem auf YouTube veröffentlichten Video. In Rebellenkreisen hieß es, Schalal sei in die Türkei geflohen.

Im Norden des Landes wurden nach Oppositionsangaben durch Armeebeschuss 20 Menschen getötet worden, darunter waren mindestens acht Kinder. Die Oppositionsgruppe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte veröffentlichte im Internet ein Video, in dem viele Leichen zu sehen waren. Im Hintergrund war das Wehklagen von Angehörigen zu hören. Beschossen wurde den Angaben zufolge das Dorf Al-Kahtania in der Provinz Rakka. Wann der Angriff geschah, blieb unklar. Landesweit sollen laut Oppositionsgruppe mehr als 58 Menschen am Mittwoch durch Angriffe und Gefechte getötet worden sein. Die Videos und weitere Informationen lassen sich nur schwer von unabhängigen Quellen verifizieren, weil in Syrien eine Medienblockade herrscht.