SyrienRussland fällt von Assad ab

Die Regierung in Moskau war bislang der engste Verbündete des syrischen Regimes. Nun macht Russland eine Kehrtwende: Eine Niederlage Assads sei nicht mehr ausgeschlossen. von dpa und reuters

Russland hält eine Niederlage seines Verbündeten Baschar al-Assad im syrischen Bürgerkrieg nicht mehr für ausgeschlossen . "Wir müssen den Tatsachen ins Auge blicken", sagte Vize-Außenminister Michail Bogdanow. Die syrische Regierung verliere immer mehr Gebiete an die Aufständischen.

Russland treffe Vorbereitungen, um seine Bürger notfalls aus dem Land in Sicherheit bringen zu können, sagte Bogdanow, der auch Nahost-Beauftragter des russischen Präsidialamtes ist. "Bedauerlicherweise kann ein Sieg der syrischen Opposition nicht ausgeschlossen werden", sagte Bogdanow.

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Russland ist einer der letzten Verbündeten Assads. Im UN-Sicherheitsrat blockierte es gemeinsam mit China wiederholt mit seinem Veto ein härteres Eingreifen der internationalen Gemeinschaft. In dem seit März vergangenen Jahres anhaltenden Konflikt kamen bislang schätzungsweise mehr als 40.000 Menschen ums Leben.

Assad soll Kurzstreckenraketen eingesetzt haben

Bei einem Bombenanschlag südwestlich der Hauptstadt Damaskus wurden heute mindestens 16 Menschen getötet. Die Detonation ereignete sich in der 25 Kilometer von Damaskus entfernt gelegenen Stadt Katana, in der viele Soldaten leben. In der Gegend versuchen Assads Truppen derzeit, Rebellenkämpfer zurückzudrängen.

Nach Darstellung der oppositionsnahen Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte waren unter den 17 Getöteten sieben Kinder und zwei Frauen. Das staatliche Fernsehen gab die Zahl der Toten mit 16 an. Es machte Rebellen für die Tat verantwortlich und zeigte Bilder, auf denen Soldaten vor zum Teil eingestürzten Gebäuden zu sehen waren.

Am Mittwochabend explodierten am Innenministerium in der syrischen Hauptstadt drei Bomben. Dabei wurden fünf Menschen getötet, darunter auch ein Parlamentsabgeordneter.

Der Beobachtungsstelle für Menschenrechte zufolge beschossen Kampfflugzeuge Vororte im Osten der Hauptstadt, die von Rebellen kontrolliert werden. Im Südwesten lägen Daraja und Moadamije unter Artilleriebeschuss. Dort versuchten derzeit Aufständische Fuß zu fassen.

US- und Nato-Kreisen zufolge setzte Assad angesichts des militärischen Drucks in den vergangenen Tagen auch ballistische Kurzstreckenraketen ein, die dem russischen Scud-Typ ähnelten. Dies wäre eine erhebliche Eskalation in dem Bürgerkrieg. Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch warf Assad vor, auch Brandbomben über Wohngebieten abzuwerfen.
 

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Leserkommentare
  1. Das Unverständnis der meisten Kommentatoren liegt auch darin begründet, dass sie keine Ahnung von diplomatischen Gepflogenheiten, speziell der diplomatischen Sprache haben. Da bedeutet ein "eine Niederlage von Assad ist möglich" eben etwas gänzlich anderes als es umgangssprachlich bedeuten würde. Es bedeutet z.B., dass Rusland keine größeren Anstrengungen unternehmen wird, um das Regime zu stützen, was dann durchaus im Sinne der Überschrift zu deuten wäre.

    Antwort auf "Zusammenhang"
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    Das könnten doch die Medien auch genauso schreiben. Fände ich besser, als in dieser Form, in der man stillschweigend davon ausgeht, jeder verstünde die Diplomatensprache.
    Wobei die Diplomatensprache offenbar kein Klartext enthält und hier die Frage hochkommt, wieso Zeitungen dann nicht selbst zum Klartext übergehen, stattdessen den Diplomatensprech 1:1 übernehmen.

    Passt nicht so ganz.
    Denn trotzdem kann man es auch anders auslegen. Auch wenn ihre Interpretation die logischste ist.

    • msc35
    • 13. Dezember 2012 18:28 Uhr

    ...dieser Krieg war in dem Moment entschieden und das Ende des Assad-Regimes eingeläutet, als die Türkei sich auf die Seite der Rebellen gestellt hat. Russland, China, Iran....die können Sie alle vergessen. Libanon in allen belangen zu schwach, um Assad ernsthaft unterstützen zu können. Die "Großen Assad Freunde" haben keine direkte Grenze zu Syrien. Sämtliche Unterstützungsleistungen müssen aufwendig unter sehr sehr teuer finanziert werden. Selbst wenn der Iran über den (schiitischen) Irak interveniert, ist das auf die Dauer nicht ausreichend. Auf die Dauer ist das insbesondere finanziell gar nicht möglich. Die syrische Wirtschaft ist am Boden, der Iran kämpft selbst mit Hyper-Inflation. Russland und die Türkei sind wichtige Handelspartner, wegen Syrien werden die Russen es sich mit den Türken nicht verscherzen. China hat kein erkennbares Interesse an Syrien. Die Rebellen hingegen müssen nur über die Grenze in die Türkei. Dort erhalten sie medizinische, militärische, finanzielle und sonstige Unterstützung. Daher war es nur eine Frage der Zeit, wann das Assad-Regime zusammenbrechen würde. Wichtiger ist nun die Frage: Was kommt nach der Assad-Ära???

  2. aufmerksam macht, dass sie nichts mehr für ihn tun werden, falls er in diesem Konflikt nicht siegen wird. Ich würde vermuten, dass das die eigentliche Botschaft war.

    Es ist bemerkenswert, dass diese Botschaft erst jetzt verbreitet wird, weil seit mindestens einem halben Jahr absehbar war, dass Assad keine Chance hat, diesen Konflikt zu überstehen. Es wird interessant sein zu sehen, wie sich China aus der bisher bedingungslosen Unterstützug herauslavieren wird.

  3. 12. [...]

    Bitte verzichten Sie auf hetzerische Äußerungen. Danke, die Redaktion/fk.

  4. " they will control it all in a year and a half. ... you will lose dozens or many hundreds of thousands of people,"

    http://www.nytimes.com/20...

    Bogdanov sagt keineswegs einfach, dass es bald vorbei sei mit Assad; er sagt vielmehr, dass es in ca. 18 Monaten vorbei sein könnte mit Hunderttausenden von Toten. Dies sei der Preis für den Sturz von Assad - und wenn der einfach bezahlt werde: was könne Russland dann noch tun: "If you accept this price to topple the president, what can we do?"

    Die Wiedergabe der Russischen Position ist in der westlichen Presse doch von einem befremdlichen Wunschdenken durchzogen.

  5. Russland ist einer der letzten Verbündeten Assads.

    Ja, neben China, Iran, Indien, Pakistan, Irak, die ALBA Staaten...

    Die einzige Legitimation des in Doha, Katar gegründeten Oppositionsbündnissen ist doch die Untersützung vom Westen.

    In bescheidener Zurückhaltung überließ Washington Großbritannien und Frankreich bei der Anerkennung der Kollaborateure den Vortritt, bevor es dem von Clinton handverlesenen Klüngel bescheinigte, das syrische Volk zu repräsentieren. Der amerikanischen Entscheidung folgte ein Rattenschwanz von 127 Ländern – gemeinhin als »internationale Gemeinschaft« bekannt.

    Es ist somit weitgehender »internationaler Konsens«, daß das Anti-Assad-Lager als die legitime Führung des syrischen Volkes zu gelten habe – freilich ein vom Westen vorgeschriebener und mit allen Mittel ökonomischer Erpressung durchgesetzter »Konsens«. Daß die syrische Opposition demokratisch legitimiert sei, wird aus ihrer Kollaboration mit dem »demokratischen Westen« heraus begründet. Doch wie demokratisch legitimiert kann eine politische Kraft sein, die ihren Machtanspruch nicht aus freien Wahlen, sondern aus der politischen und militärischen Unterstützung durch die westlichen Hegemonialmächte bezieht?

    Quelle: Junge Welt, 13.12.2012

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    All die von Ihnen zitierten Staaten taugen einfach nicht als Kronzeugen für die Menschenrechte. Genauso wenig die Altkommunisten aus der Jungen Welt, die sich heute einen Sport daraus machen die Zustände in der DDR als die eines besseren Deutschlands zu verklären, das mit ihr unwiderruflich verloren gegangen sei.

    • msc35
    • 13. Dezember 2012 22:17 Uhr

    China ist zu weit weg und hat kein wirkliches Interesse, Indien interessiert das Geschehen meines Wissens auch nicht wirklich. Pakistan ist sunnitisch und ganz sicher nicht auf der Seite des Assad-Regimes...und die ALBA Staaten...mein Gott, Lateinamerika ist weit weg. Was den Irak angeht...Ja, allerdings nur vom schiitischen Teil wird Assad unterstützt. Die Sunniten unterstützen hingegen die Rebellen.

  6. Denn anders ist diese Überschrift wohl kaum zu bezeichnen.Es suggeriert ,daß nun auch Russland Syrien sozusagen -fallen- lässt,so ganz im Sinne unserer anscheinend immer kriegslüsternen Nato,obwohl die Aussage Russlands eine ganz andere ist.So werden wir von unseren -unabhängigen -Medien tagtäglich desinformiert und getäuscht,bis keiner mehr hinterfragt,warum gerade Syrien und nicht Saudi Arabien ,denn das dortige System ist weitaus -menschenverachtender- als das jetzt geschaßte Syrien.

  7. All die von Ihnen zitierten Staaten taugen einfach nicht als Kronzeugen für die Menschenrechte. Genauso wenig die Altkommunisten aus der Jungen Welt, die sich heute einen Sport daraus machen die Zustände in der DDR als die eines besseren Deutschlands zu verklären, das mit ihr unwiderruflich verloren gegangen sei.

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    Bitte äußern Sie sich differenziert. Danke, die Redaktion/fk.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, Reuters, dpa, zz
  • Schlagworte Innenministerium | UN-Sicherheitsrat | Bürgerkrieg | Fernsehen | Gebäude | Hauptstadt
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