Tschetschenien : Nach Putins Pressekonferenz lässt Kadyrow Zeitung schließen

Sie lobte ihr Land und stellte Putin ein paar harmlose Fragen. Nun muss die Chefredakteurin einer tschetschenischen Zeitung das Ende ihres Blattes erleben.
Der tschetschenische Präsident Ramzan Kadyrow im April 2012 © STR/AFP/GettyImages

Der tschetschenische Präsident Ramsan Kadyrow , ein Vertrauter des russischen Präsidenten, hat die nach seinem Vater benannte Zeitung Put Kadyrow ( Kadyrows Weg) verboten. Offiziell begründete Kadyrow das Verbot damit, das Blatt trage illegal den Namen seines 2004 ermordeten Vaters Achmat Kadyrow. Nach diesem sind in Tschetschenien zahlreiche Gebäude und Einrichtungen benannt.

Chefredakteurin Belkis Dudajewa war von der Entscheidung überrascht. Der Agentur Itar-Tass sagte sie, die Witwe von Achmat Kadyrow sei sogar zur Feier gekommen, als die Zeitung vor eineinhalb Jahren zum ersten Mal erschien.

Die Chefredakteurin hatte sich auf der Pressekonferenz mit Wladimir Putin am Donnerstag als Redakteurin der Zeitung Put Kadyrow vorgestellt. Dafür erntete sie Gelächter von einigen Kollegen, wie der britische Guardian berichtet.

Putin fand das nicht witzig und wies die Journalisten zurecht. Das Gelächter sei unangemessen, man spreche von dem Kadyrow, der im Interesse seines Volkes gestorben sei. Achmat Kadyrow starb im Mai 2004 bei einem Bombenanschlag. Kritiker werfen ihm – wie seinem Sohn – Menschenrechtsverletzungen vor.

Nachdem Putin für Ruhe gesorgt hatte, lobte Journalistin Dudajewa den Frieden und die Lebensbedingungen in Tschetschenien. "Heute, Gott sei's gedankt, ist Tschetschenien zu einem Ort des Friedens und des Wohlstandes geworden", sagte sie. Dann aber fragte sie, warum die Gewalt, die einst in Tschetschenien herrschte, nun auf die Nachbarländer übergegriffen habe. Außerdem erkundigte sie sich über das Schicksal eines örtlichen Radiosenders.

Dem tschetschenischen Präsidenten Kadyrow gefielen die letzten Äußerungen Dudajewas gar nicht. Nur wenige Stunden nach der Pressekonferenz ließ er verkünden, dass die Redaktion der Zeitung Put Kadyrow geschlossen sei.

Dudajewa versteht die Welt nicht mehr: Sie habe auf Putins Pressekonferenz nicht provozieren wollen. Durch die Schließung verlören nun zwölf Angestellte in dem von hoher Arbeitslosigkeit betroffenen Exbürgerkriegsgebiet ihren Job.

Verlagsangebot

Entdecken Sie mehr.

Lernen Sie DIE ZEIT 4 Wochen lang im Digital-Paket zum Probepreis kennen.

Hier testen

Kommentare

15 Kommentare Seite 1 von 3 Kommentieren

......

Seltsam, dass dieser Mann mit Gewalt Terror besiegen konnte. Nach Meinung vieler Kommentatoren auf Zeitonline, ist sowas gar nicht möglich. Wie hat Kadyrow dann geschafft mit reiner Gewalt Tschetschenien zur sichersten Republik im ganzen Kaukasus zu machen?

Natürlich muss man sich dort jetzt vor Kadyrov fürchten. Aber der kommt trotzdem nicht mal annäherend der Gefahr nahe, die früher von Islamisten ausging, die aus dem arabischen Raum finanziert wurden und täglich bis zu 80 Anschläge verübt haben.

Natürlich muss man abwarten, was passiert, wenn man Kadyrow absetzt. Und ich hoffe Putin hat auch vor, den irgendwann abzusetzen. So ein Diktator hat in Russland auf lange Sicht eigentlich nichts zu suchen.

Gewagte Unterstellung...

Sie unterstellem hier einem Kommentatorr, dass er in besoffenem Zustand blödsinnige Kommentare einstellt. Als Begründung dafür führen Sie an, dass Gewalt eben stets nur Gegengewalt erzeuge.

Damit gehen Sie aber überhaupt nicht auf das ein, was der besagte Kommentator geschrieben hat. Erst recht widerlegen Sie es nicht.

Wenn es stimmt was der Nutzer sibeur schreibt (ich kann das mangels entsprechender Kenntnisse nicht beurteilen), dann musste man ehedem in Tschetschenien permanent Angst haben, Opfer islamistischer Terroranschläge zu haben, während man heute "nur" aufpassen muss, nicht politisch aufzubegehren.

Dies ist erst einmal eine Tatsachenbehauptung, die sie gerne widerlegen dürfen. Sie dürfen Sie sogar ohne nähere Begründung anzweifeln. Wenn Sie aber den Urheber dieser besagten Tatsachenbehauptung so derb angreifen, würde ein konkretes Argument ihrer Attacke schon ganz gut tun, finde ich.

Was suggeriert die Headline?

Die Chefredakteurin einer tschetschenischen Zeitung stellt Putin ein paar harmlose Fragen und darf darauf hin das Ende ihres Blattes erleben. Also ist Putin Schuld!
Dass Putin allerdings nicht derjenige ist der die Zeitung einstellen lässt, sondern der tschetschenischen Präsidenten Kadyrow, erfährt man erst ganz zum Schluss.
Eventuell ist Kadyrow doch ein netter Kerl,denn selbst Shakira trällerte und Vanessa Mae fidelten schon auf einer seiner Geburtstagsfeiern.
Wäre Kadyrow ein Vertrauter des ehem. US-Präsidenten J.W.Bush, wie sein georgischer Amtskollege Saakaschwilli und eben nicht ein Vertrauter Wladimir Putins, wäre das Image Kadyrows womöglich viel positiver.