Türkei : Erdoğan will populäre Sultan-Soap verbieten

Millionen Menschen in der Türkei schauen mittwochs die TV-Serie über Süleyman den Prächtigen. Nur für Premier Erdoğan ist der Sultan nicht heldenhaft genug dargestellt.
Eine Szene aus der türkischen Fernsehserie Muhteşem Yüzyıl mit Hauptdarstellerin Meryem Uzerli. Sie spielt in der Serie die Ehefrau des Sultans, Hürrem. © TIMS Productions/Reuters

Der Mittwochabend ist in den meisten türkischen Familien verplant: Um 20 Uhr läuft die beliebte TV-Serie Muhteşem Yüzyıl (Das prächtige Jahrhundert), die vom Leben des osmanischen Sultans Süleyman dem Prächtigen handelt.

Doch schon Anfang 2013 könnte die Serie aus dem Fernsehprogramm verbannt werden. Wie die Zeitung Hürriyet berichtete , will die Regierungspartei AKP die Serie verbieten, weil sie "historische Tatsachen verfälsche".

Der AKP-Abgeordnete Oktay Saral arbeite demnach an einem Gesetzesentwurf, der das Verspotten von "Ereignissen und Persönlichkeiten, die zu den nationalen Werten des Landes gehören" unter Strafe stellt. Schon Anfang 2013 soll im Parlament über das Gesetz entschieden werden.

Auslöser hierfür war eine Äußerung des Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdoğan Ende November. Wie die Zeitung Hürriyet berichtete, kritisierte er die Serie Muhteşem Yüzyıl scharf: Sultan Süleyman habe 30 Jahre seines Lebens auf dem Pferderücken verbracht und sich nicht, wie in der Serie dargestellt, die halbe Zeit im Sultanspalast und im Harem herumgetrieben. Einen solchen Sultan hätte es nicht gegeben.

Turkish Airlines wirft Soap aus ihrem Board-Programm

Der AKP-Abgeordnete Saral bestreitet, dass der Verbotsantrag etwas mit der Kritik Erdoğans an der Serie zu tun hat. "Das Ganze ist schon lange auf unserer Tagesordnung", sagte Saral laut einem Bericht der Zeitung Radikal im türkischen Fernsehen. Es hätte viele Beschwerden über die Serie gegeben. Teile der Opposition würden seinen Verbotsvorschlag unterstützen. Schließlich sei die Serie schuld daran, dass Kinder ein völlig falsches Bild ihrer Vorfahren hätten.

Die halbstaatliche Fluggesellschaft Turkish Airlines wartete erst gar nicht auf die Entscheidung des Parlaments und strich die umstrittene Soap kurzerhand aus ihrem Programm. Die Airline sagte der Zeitung Hürriyet , das Unternehmen wolle die Serie nach Erdoğans Kritik nicht mehr auf ihren Inlandsflügen ausstrahlen.

Sultan Süleyman der Prächtige herrschte von 1520 bis 1566 und gilt als der bedeutendste Sultan des Osmanischen Reiches. Die Serie Muhteşem Yüzyıl wird seit Januar 2011 im türkischen Fernsehen ausgestrahlt.

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Kommentare

74 Kommentare Seite 1 von 8 Kommentieren

Orianna Fallacci zu Suleiman 1

Gleich nach der Krönung stellte der Prächtige nämlich eine Armee von beinahe vierhunderttausend Mann auf, dazu dreißigtausend Kamele plus vierzigtausend Pferde und dreihundert Kanonen. Aus dem inzwischen islamisierten Rumänien zog er in das katholische Ungarn und zerschlug dessen Heer trotz des heroischen Widerstands der Verteidiger in weniger als achtundvierzig Stunden. Dann erreichte er Buda, heute Budapest. Er übergab es den Flammen, besetzte es, und rate nun, wie viele Ungarn (Männer, Frauen und Kinder) sofort auf den Sklavenmarkt kamen, der inzwischen typisch für Istanbul geworden war? Hunderttausend. Rate, wie viele im folgenden Jahr auf den Märkten landeten, die mit dem Istanbuler im Wettbewerb lagen, also auf den Basaren von Damaskus, Bagdad, Kairo und Algier? Drei Millionen.

Orianna Fallacci zu Suleiman 2

Doch auch damit gab er sich nicht zufrieden. Denn um den Islamischen Staat Europa zu realisieren, stattete er eine zweite Armee mit weiteren vierhundert Kanonen aus, und 1529 zog er von Ungarn nach Österreich. Ins erzkatholische Österreich, das damals als Bollwerk der Christenheit angesehen wurde. Es gelang ihm nicht, es zu erobern, einverstanden. Nach fünf Wochen voller vergeblicher Angriffe beschloss er, sich lieber zurückzuziehen. Doch auf dem Rückzug massakrierte er dreißigtausend Bauern – es hätte sich nicht mehr gelohnt, sie später in Istanbul oder Damaskus oder Bagdad oder Kairo oder Algier zu verkaufen, der Preis für Sklaven war wegen jener drei Millionen und einhunderttausend Ungarn stark gesunken; und gleich nach seiner Rückkehr betraute er den berüchtigten Seeräuber Khayr al-Din, genannt Rotbart, mit der Reform der Flotte.

Diese Reform ermöglichte es, das Mittelmeer in ein Lehensgewässer des Islam zu verwandeln, und nachdem er eine Palastverschwörung niedergeschlagen hatte – er ließ seinen ersten und seinen zweiten Sohn und deren sechs Kinder, also seine Enkel, erdrosseln -, stürzte er sich 1565 auf die christliche Hochburg Malta. Als er 1566 an einem Herzinfarkt starb, änderte sich nichts.

Was so prächtig an Suleiman war wird wohl immer der Osmanen ihr Geheimnis bleiben.

niemand

der seine nase schon mal in einem geschichtsbuch hatte in europa findet die kreuzritter noch toll
der 1 kreuzzug begann mit der brandschatzung des rheintals, und seit dem 20jh wird das auch nicht mehr verschwiegen.
danach kahmen noch ein paar mit steuerpressung finanzierte plünderurlaube von sich als hoch betrachtenden herren, das einzig positive was man über diese sagen kann ist das die gegenseite nicht besser war
alexander und napoleon waren oder beschäftigten propagandagenies
weshalb die gegenseite als noch schlechter betrachtet wird

Jo...

"...Was so prächtig an Suleiman war wird wohl immer der Osmanen ihr Geheimnis bleiben...."

... eine offen rassistische und islamophobe Italienerin ohne jeden Sachverstand ist natürlich die entscheidende Referenz um Süleyman historisch einzuordnen, den man in der türkischen Geschichtsschreibung übrigens nicht "den Prächtigen" sondern den "Gesetzgebenden" nennt. Das hat u.a. damit zu tun, dass das Osmanische Reich unter seiner Regentschaft zum fortschrittlichsten RECHTSSTAAT der Neuzeit avancierte und ganz nebenbei über den französischen Alliierten nicht gerade unbeträchtlichen Einfluss auf die administrative, staats- und rechtskulturelle Entwicklung Europas nahm.

Überschrift des Artikels verfehlt

Dem Artikel entnehme ich, dass Erdoğan lediglich kritisiert hat, dass die Serie nicht authentisch ist, bzw.nicht historischen Tatsachen entspricht.
Daraus eine Schlagzeile zu konstruieren, die doch im Grunde suggeriert Erdoğan würde mal wieder die Pressefreiheit einschränken wollen, halte ich für tendenziös.
Wen jede Initiative jedes CSU-Hinterbänklers in ausländischen Medien der Kanzlerin untergeschoben würde, wären wir hier auch nicht zufrieden damit.

Das verstehe ich nicht so ganz ...

Wen jede Initiative jedes CSU-Hinterbänklers in ausländischen Medien der Kanzlerin untergeschoben würde, wären wir hier auch nicht zufrieden damit.

Was hat ein CDS-Hinterbänkler mit Erdogan zu tun?

Dennoch finde ich es immer wieder bemerkenswert wie Herr Erdogan sich bemüht, seinem Wunsch (oder vllt. doch mehr Ironie) in die EU aufgenommen zu werden, Nachdruck verleiht.

Eine Demokratie sieht anders aus.

Wo ist die Künstlerische Freiheit, die Pressefreiheit? - wie kann es angehen, dass die Regierung, also die Exekutive, bestimmt, was in einem Land gesendet und was nicht gesendet wird. Das ist absolut inakzeptabel. Besonders für ein Land, das ernsthaft erwägt im EU-Club beitreten zu wollen.

Nach wie vor verklärt die türkische Elite ihre eigene Vergangenheit. Türkische Geschichte und Kultur muss schon fast auf groteske Weise positiv dargestellt werden. Kritische Stimmen werden sofort verklagt.

Nach wie vor ist es schwer türkische Geschichte im eigenen Land zu hinterfragen. Das Beispielt zeigt, es reicht schon aus, die türkische Vergangenheit nicht ausreichend zu glorifizieren, um in Misskredit zu geraten. Das Beispiel zeigt auch, wie schwer es erst für Menschen wie Hrant Dink oder Orhan Pamuk ist, die wirklich kritisieren und polarisieren.

Und bekannte Künstler äußern aus Angst vor negative Folgen wie Klagen vor Gericht nur verhalten Kritik "die Diskussion sei unnötig" oder "die Aussage Erdogans sei undemokratisch".