Tausende Menschen haben am Sonntag in der ungarischen Hauptstadt Budapest gegen Antisemitismus demonstriert. Kirchliche Organisationen und jüdische Gemeinschaften hatten die Kundgebung unter dem Motto "Massenprotest gegen Nazismus" organisiert. Sie richtete sich gegen antisemitische Äußerungen eines Abgeordneten der rechtsextremen Jobbik-Partei.

Einige Demonstranten hatten sich gelbe Sterne an ihre Kleidung geheftet, in Erinnerung an die Judensterne aus der Nazizeit. An dem Protest auf dem Kossuth-Platz vor dem Parlament nahmen auch führende Politiker teil. Medienberichten zufolge waren etwa 10.000 Menschen versammelt.

Marton Gyöngyösi von der rechtsextremen Jobbik-Partei hatte am Montag im Parlament gefordert, jüdische Mitglieder der Regierung sowie des Parlaments, die eine "Gefahr für die nationale Sicherheit" darstellten, auf einer Liste zu erfassen. Er konnte seine Sätze ungehindert vorbringen. Niemand reagierte im Parlament öffentlich darauf. Am Dienstag entschuldigte sich Gyöngyösi bei seinen "jüdischen Landsleuten" und erklärte, falsch verstanden worden zu sein. So habe er lediglich eine Liste von Bürgern mit ungarisch-israelischer Staatsbürgerschaft gefordert.

Orbáns Parteichef distanziert sich

Die rechtskonservative Regierung von Ministerpräsident Viktor Orbán hatte Gyöngyösis Verhalten erst mit Verzögerung verurteilt. Der Parteichef der regierenden Fidesz-Partei, Antal Rogan, distanzierte sich während der Kundgebung jedoch nachdrücklich von sämtlichen "rassistischen Äußerungen" . Alle Völkermorde des 20. Jahrhunderts hätten mit Listen begonnen. "Niemandem sollte es erlaubt sein, die Würde anderer zu verletzten oder sie mit der Androhung von Listen zu stigmatisieren", sagte Rogan.

Während seiner Rede wandten zahlreiche Demonstranten Rogan aus Protest den Rücken zu. "Ihr habt Jobbik erschaffen", rief einer der Demonstranten. Der Fidesz unter Orbán wird von der Opposition Populismus und eine nationalistisch ausgerichtete Politik vorgeworfen. Auch antisemitische Zwischenfälle hatten sich in jüngster Zeit gehäuft.