Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hat Mazedonien wegen der Entführung des Deutsch-Libanesen Khaled al-Masri durch den US-Geheimdienst CIA zur Zahlung von Schmerzensgeld verurteilt. Die Straßburger Richter sahen es als erwiesen an, dass die mazedonischen Behörden den heute 49-Jährigen festgenommen und der CIA übergeben hatten.

Die Regierung in Skopje wurde angewiesen, al-Masri 60.000 Euro Schmerzensgeld zu zahlen. Mit der Auslieferung al-Masris an die CIA sei unter anderem gegen das Folterverbot und das Recht auf Schutz des Familienlebens verstoßen worden, befand der Straßburger Gerichtshof.

Al-Masri war 2003 in Skopje von der Polizei festgenommen worden. Nach wochenlangem Verhör wurde er dem US-Geheimdienst übergeben. Die CIA brachte al-Masri wegen mutmaßlicher Verbindungen zu Terrornetzwerken im Januar 2004 nach Afghanistan . Dort wurde er über vier Monate in einem Gefängnis festgehalten und misshandelt, bevor man ihn frei ließ. Im Gefängnis sei er auch von einem Deutschen verhört worden, hieß es zunächst. Später war sich al-Masri aber nicht mehr sicher, ob dieser "Sam" tatsächlich Deutscher war. Im Mai 2004 wurde al-Masri in Albanien wieder freigelassen.

Der damalige Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) wurde Ende Mai 2004 vom früheren US-Botschafter Daniel Coats über den Fall unterrichtet. Das gab Schilys Nachfolger Wolfgang Schäuble ( CDU ) später bekannt. Die Worte "Entführung" oder "Afghanistan" seien in dem Gespräch nicht gefallen. Schily soll keine Kabinettskollegen von der Unterredung informiert haben. Al-Masris Fall beschäftigte Gerichte in Deutschland, den USA und Mazedonien sowie einen Untersuchungsausschuss des Bundestages.