US-HaushaltsstreitWashington sucht die Exit-Strategie

Der Stillstand im Streit um den US-Haushalt lässt Schlimmes befürchten. Doch noch haben beide Seiten einige Optionen – auch Nichtstun gehört dazu. von afp und dpa

Ein US-Senator telefoniert auf einem Balkon des Kongresses in Washington.

Ein US-Senator telefoniert auf einem Balkon des Kongresses in Washington.  |  ©Joshua Roberts/Reuters

US-Präsident Barack Obama hat die Kongressabgeordneten aufgerufen, nach den Feiertagen nach Washington zurückzukehren und die notwendigen Entscheidungen zur Vermeidung der sogenannten Fiskalklippe zu treffen. Obama schlug vor, zwischen Weihnachten und Neujahr vorerst die zwischen beiden Parteien unumstrittenen Maßnahmen zu verabschieden, also ein abgespecktes Steuersenkungspaket zu schnüren. "Dies ist etwas, das innerhalb unserer Möglichkeiten liegt", sagte der Präsident. "Es macht nicht viel Arbeit, wir müssen nur das Richtige tun." Ein Plan, wie Steuererhöhungen für die Mittelklasse verhindert werden könnten, sei innerhalb von zehn Tagen machbar.

Der republikanische Mehrheitsführer im Repräsentantenhaus, John Boehner, zeigte sich angesichts der Unstimmigkeiten in seiner Partei weiterhin unnachgiebig. Der Vorschlag Obamas könne die Schwierigkeiten nicht beseitigen: "Was der Präsident bisher angeboten hat, wird nichts dazu beitragen, unser Ausgabenproblem zu lösen und sich der lähmenden Schulden unseres Landes anzunehmen", sagte Boehner.

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Bereits am kommenden Donnerstag wollen die Abgeordneten ihre Arbeit wiederaufnehmen, um in letzter Minute doch noch eine Lösung zu finden. Obama hatte sich am Freitag von den Washingtoner Journalisten mit den Worten "Wir sehen uns nächste Woche" in den Urlaub nach Hawaii verabschiedet. Damit deutete er an, dass er direkt nach den Feiertagen für die Verhandlungen nach Washington zurückkehren könnte.

Blamage für Boehner

Am Donnerstag hatten die Republikaner im Repräsentantenhaus eine Abstimmung über den Plan B genannten Gegenentwurf zu Obamas Vorschlägen kurzfristig abgesagt – sie blamierten damit ihren eigenen Verhandlungsführer . Boehner hatte in seinem jüngsten Angebot Haushaltskürzungen von etwa einer Billion Dollar gefordert. Der Präsident will jedoch nur 850 Milliarden Dollar kürzen, dafür aber 1,3 Billionen Dollar an Mehreinnahmen erzielen. Höhere Steuern verlangt er ab einer Einkommensschwelle von 400.000 Dollar jährlich.

Boehner gab zu, dass sein Vorschlag, Spitzenverdiener mit einem Jahreseinkommen von mehr als einer Million Dollar höher zu besteuern, im Repräsentantenhaus nicht genug Stimmen bekommen habe. Dort haben die Republikaner zwar die Mehrheit, doch ihre in Steuerfragen konservativen Parlamentarier lehnten den Plan ab. Boehners Niederlage zeigte, dass Teile seiner Partei sich komplett weigern, Steuererhöhungen – und sei es auch nur für die reichsten 0,18 Prozent der Bevölkerung – auf den Weg zu bringen.

Die Lagerkämpfe der Republikaner lassen die Zweifel wachsen, dass eine Lösung noch vor Fristablauf zum Jahreswechsel möglich ist. Gibt es keinen Fortschritt, treten automatische Kürzungen nach dem Rasenmäherprinzip und Steuererhöhungen für fast alle Haushalte in Kraft – die in den vergangenen Wochen vielfach erwähnte Fiskalklippe. Ökonomen befürchten, dass die USA dann in eine Rezession stürzen könnten und auch die Weltwirtschaft großen Schaden nehmen würde.

Leserkommentare
  1. Klar kann man ganz ruhig diskutieren, dass die Klippe ja vielleicht gar nicht so schlecht ist - ausser der Boden wird einem dabei unter den Fuessen weggezogen. Wie es z.B. mit fast allen Forschungsgeldern der Fall sein wird. Diese fallen naemlich beinahe alle unter die Rubrik "Entitlement", und wuerden dramatisch gekuerzt. Das ist so als ob man in Deutschland auf einen Schlag die Haelfte aller Max Planck Institute schliesst und das BUdget der DFG um 50% kuerzt. Damit wird nicht-industrielle Forschung ueber Jahrzehnte geschaedigt. Die Boerse wird sich viel schneller wieder erholen, Wisseschaftsnachwuchs brauch Jahrzente um nachzuwachsen. Dies ist nur ein Beispiel das kurzfristige drastische Kuerzungen oft langfristigen EInfluss haben, der weit ueber Boersendaten hinausgeht.

    5 Leserempfehlungen
  2. Ich gehe jede Wette ein, dass der Autor das deutsche Wort fuer "Exit-Strategie" nicht weiss. Aber denglische Schoepfungen erfinden, dafuer reicht es wohl. Dazu kommt eine weitere Feinheit, naemlich, dass es gar nicht um eine exit strategy geht, schliesslich ist das Thema nicht der Afghanistan-Krieg.

    4 Leserempfehlungen
    • em-y
    • 24. Dezember 2012 2:08 Uhr

    nach Kürzungen der Sozialabgaben gar nicht 'durchzusetzen' - die Kürzungen sind, was der gute Obama angeboten hat. Wieder mal versucht der Mann das Spiel zu verlieren, wenn er eine stärkere Hand hat. Was soll's... Wer bisher nicht erkannt hat, fuer wessen Interessen er eintritt, dem ist nicht zu helfen. Eins ist sicher: würde sich einer wie Bush erlauben, was Obama in den Leuten vier Jahren so angestellt hat, würde sich die ganze Welt empören (nicht, dass ich ein Bush Fan wäre), bei Obama sieht man nichts, hört man nichts, sagt man nichts...

    2 Leserempfehlungen
    • vonDü
    • 24. Dezember 2012 4:18 Uhr

    "You can always count on Americans to do the right thing – after they’ve tried everything else."

    Sind Sie sicher, dass wir schon "everything else" erlebt haben?

    2 Leserempfehlungen
    • em-y
    • 24. Dezember 2012 1:54 Uhr

    Seit Wochen diese Aufregung und Panikmache... Amerika geht über den 'cliff'. Wirklich? Schon möglich, aber wohl nicht aus gründen, die uns die Berichterstattung glauben machen will. Man sollte vielleicht ein paar Artikel wie diesen lesen: http://otherwords.org/the...

    Eine Leserempfehlung
    • mugu1
    • 24. Dezember 2012 8:13 Uhr

    >Alle Jahre wieder...<

    Ist es nicht erstaunlich, wie sehr sich die Nachrichten um Weihnachten herum in den letzten Jahren ähneln, wenn es um die USA geht? Mir ist fast, als erlebe ich ein déjà vu. Na ja, vielleicht bin ich ja in einer Zeitschleife gefangen.

    Der Starrsinn der Republikaner ist schon erstaunlich. Eher lassen sie den Karren (=die eigene Bevölkerung) verbrennen (=u.U. Millionen in den Ruin treiben), als dass sie ihr Gehirn dazu benutzen, etwas Sinnvolles und Richtiges zu tun. Und warum? Nicht, weil ein Demokrat Präsident ist.

    Nein: Vielmehr, weil ein demokratischer Schwarzer Präsident ist.

    Zudem: Die USA sollten schön leise sein, wenn es darum geht, Europa um seine eigene Finanzkrise anzumahnen und dabei den Finger zu heben. Im Moment sind die nicht einmal in der Lage, über einen Plan des kürzesten Weges zur nächsten Toilette zu entscheiden.

    Die USA...so schwach und korrumpiert wie nie zuvor, blockiert von Eliten, die sich im Grunde des Hochverrats am eigenen Volk schuldig machen.

    Traurig, aber leider wohl wahr.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, AFP, sc
  • Schlagworte Barack Obama | Washington D.C. | Sucht | Dow Jones | Finanzministerium | Dollar
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