US-HaushaltsstreitNoch vier Tage bis zur Klippe

Die Zeit drängt, US-Finanzminister Geithner schlägt im Haushaltsstreit Alarm: Es seien jetzt "außergewöhnliche Maßnahmen" erforderlich, um eine Staatspleite abzuwenden. von afp und dpa

US-Finanzminister Timothy Geithner (Archiv)

US-Finanzminister Timothy Geithner (Archiv)  |  © Alex Wong/GettyImages

Die USA erreichen nach Angaben von Finanzminister Timothy Geithner am 31. Dezember ihr derzeitiges Schuldenlimit von 16,4 Billionen Dollar (12,4 Billionen Euro). Dies mache bald "außergewöhnliche Maßnahmen" zwingend, um eine Staatspleite zu verhindern. Sein Ministerium werde in Kürze Schritte ergreifen, um sich einen Manövrierraum im Umfang von 200 Milliarden Dollar zu schaffen, schrieb Geithner an den Kongress. Damit könnten die USA noch etwas länger ihre Rechnungen bezahlen.

Aber während normalerweise solche Maßnahmen – gemeint sind damit finanzielle Umschichtungen im Rahmen des Etats – ungefähr zwei Monate Aufschub gewährten, sei das diesmal nicht sicher, schrieb der Finanzminister. Er verwies auf die Unsicherheit, die der derzeitige ungelöste Haushaltsstreit im Kongress für die Finanzplanung bringe. Das gelte etwa für Steuereinnahmen.

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In einer Vereinbarung von Demokraten und Republikanern wurde die Schuldenobergrenze Mitte 2011 festgelegt. Steigen die Gesamtschulden der USA über diese Marke, darf die Regierung im Prinzip keine weiteren Schulden auf den Märkten mehr aufnehmen, um den Staat zu finanzieren oder um Gläubiger zu bedienen.

IWF warnt vor Scheitern der Verhandlungen

Geithner bezog sich in seinem Schreiben auf den Streit zwischen Präsident Barack Obama und den oppositionellen Republikanern über ein Programm zum Defizitabbau. Wird bis zum Jahresende kein Kompromiss erreicht , droht die sogenannte Fiskalklippe . Das heißt, ab 1. Januar käme es automatisch zu Steuererhöhungen und massiven Ausgabenkürzungen. Obama drängt auf eine auf zwei Jahre angelegte Anhebung der Schuldenobergrenze. Er lehnt es strikt ab, die Festlegung des Limits zu einem Teil der Verhandlungen im Haushaltsstreit zu machen.

Fiskalklippe

Der Begriff Fiskalklippe (Englisch: fiscal cliff) steht für automatische Steuererhöhungen und Ausgabenkürzungen, die in den USA automatisch in Kraft treten, falls Senat und Repräsentantenhaus Gesetze dagegen beschließen. Der demokratisch dominierte Senat hat ein entsprechendes Paket inzwischen gebilligt.

Durch die Kombination aus höheren Steuern und Sparmaßnahmen würden der Wirtschaft auf einen Schlag mehr als 500 Milliarden Dollar entzogen, das Bruttoinlandsprodukt der USA könnte um rund fünf Prozent schrumpfen. Das hätte "dramatische Konsequenzen" für die Weltwirtschaft, warnt der Internationale Währungsfonds.

Haushaltsstreit

Die Demokraten wünschen sich höhere Steuern für Reiche. Auch wollen sie die Kürzung bei den Ausgaben begrenzen. Die Republikaner wollen den Haushalt vor allem durch Ausgabenkürzungen sanieren und höhere Einnahmen nur auf durch Wachstum sowie Streichung einiger Abschreibungsmöglichkeiten zulassen. Der Verhandlungsführer der Republikaner, John Boehner, hatte in seinem jüngsten Angebot Haushaltskürzungen von etwa einer Billion Dollar gefordert. Barack Obama will jedoch nur 850 Milliarden Dollar kürzen, dafür aber 1,3 Billionen Dollar an Mehreinnahmen erzielen.

Schuldenabbau

Demokraten und Republikaner haben sich im US-Kongress bisher nicht auf ein umfassendes Sparprogramm zum Schuldenabbau einigen können. Sollte bis zum Jahresende kein Kompromiss gefunden werden, laufen die Steuervergünstigungen der früheren Regierung von George W. Bush sowie die Hilfen der Regierung von Barack Obama für Arbeitslose und sozial Schwache aus. Auch geplante Etatkürzungen treten dann automatisch in Kraft. Obama zeigte sich zuletzt offen für eine Anhebung der derzeitigen Schuldengrenze von 16,4 Billionen Dollar.

Reichensteuer

Die Reichensteuer ist der umstrittenste Punkt bei den Verhandlungen zwischen Demokraten und Republikanern. Obama will Einkommen, die 400.000 Dollar im Jahr überschreiten, stärker besteuern als bisher. Im Wahlkampf hatte er noch versprochen, den Höchststeuersatz für Einkommen von mehr als 250.000 Dollar im Jahr von 35 wieder auf 39,6 Prozent zu erhöhen.

Viele Republikaner lehnen Steuererhöhungen aber grundsätzlich ab. Verhandlungsführer John Boehner brachte zuletzt einen Plan B genannten Kompromissvorschlag ein, der eine höhere Steuer für Einkommen ab einer Million Dollar vorsah. Der Plan scheiterte am Widerstand der radikal-konservativen Tea Party.

Der Internationale Währungsfonds ( IWF ) warnte vor den Folgen eines Scheiterns der US-Haushaltsverhandlungen. "Fallen die USA von der Fiskalklippe, hätte dies dramatische Konsequenzen. Für die USA, für die Weltwirtschaft und für die Finanzmärkte, wo die Nervosität wieder deutlich zunehmen dürfte", sagte der Chef der IWF-Geldmarkt- und Finanzabteilung, José Vinals, der Zeitung Die Welt . Bislang hätten die Märkte ein Scheitern der Verhandlungen bei ihren Anlageentscheidungen nicht berücksichtigt.

Hauptstreitpunkt sind Steuererhöhungen für die Reicheren. Obama will, dass Haushalte mit einem Jahreseinkommen ab 250.000 Dollar (knapp 190.000 Euro), zumindest aber ab 400.000 Dollar, künftig stärker zur Kasse gebeten werden. Steuererleichterungen für die Mittelschicht will er dagegen beibehalten.

Tea Party widersetzt sich republikanischem Kompromiss

Der republikanische Verhandlungsführer John Boehner hatte zuletzt eine Grenze von einer Million Dollar Jahreseinkommen für Erhöhungen angeboten. Er war dann aber auf massiven Widerstand radikal-konservativer Abgeordneter der Tea-Party-Bewegung gestoßen , die jegliche Steuererhöhungen ablehnen. Das hat die Verhandlungen zusätzlich erschwert. Über Weihnachten fanden überhaupt keine Gespräche statt.

Weil der Zeitdruck so groß ist, wird vor Jahresende nun allenfalls noch eine "kleine" Lösung erwartet. Obama selbst hatte am vergangenen Freitag seine Bereitschaft zu einem Kompromiss in mehreren Schritten bekundet . Demnach ist es sein Hauptziel, noch vor Silvester Steuererleichterungen für die Mittelschicht sowie Arbeitslosenleistungen zu verlängern, die sonst zum Jahresende auslaufen würden. Die drohenden automatischen Ausgabenkürzungen ab kommendem Jahr könnten in einer Art Rahmenvereinbarung erst einmal ausgesetzt und dann im Januar Einzelheiten eines Kompromiss-Sparplans ausgearbeitet werden.

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Leserkommentare
    • jugen
    • 27. Dezember 2012 15:02 Uhr

    kann keine Besserung bringen.

    Der Markt schreit förmlich nach Bereinigung und so lange das nicht passiert werden die Schulden überall weiterhin exponentiell steigen.

    Eine Bereinigung des Marktes traut sich aber keine Regierung zu inszenieren, da dann das ganze Lügen- und Betrugsgebilde auffliegen und die Protagonisten unter sich begraben würde...

    und so wird weiterhin Zeit geschunden - bis, ja bis sich das Kartenhaus nicht mehr stützen lässt.

    Dann wird's allerdings richtig eckelig.

    • gast007
    • 27. Dezember 2012 15:14 Uhr

    - und die Medien täten gut daran, nicht ständig auf dieses ständig verblödende Hahnenkampfgetue abzufahren. Selbstverständlich wird die Verschuldung weiter heraufgefahren - das hat man schon um die 70 mal so gemacht und dieser bequeme Weg wird auch weiter beschritten werden. Was gibt es Herrlicheres als Geld zu drucken, das nicht erwirtschaftet wurde ?

  1. Kommentar 18, bevor die Wettbewerbsdebatte wieder los geht. Oder erklären sie mir, warum das Elterngeld gestrichen wird für H4-Empfänger, um den Haushalt zu entlasten, sprich: die Schulden der Banken so beglichen werden. Ach so: Schulden werden sozial verteilt, Gewinne allein eingenommen...is klar.

  2. dass auch Sie ein Kostenfaktor für die Gesellschaft sind, oder? Oder fahren Sie nicht Bus, Bahn, gehen ins Kino, benutzen Strassen und Gehwege? Und das wird auch von meinen Steuern bezahlt. Sie wissen schon wie eine Gesellschaft funktioniert, oder?

    • Xdenker
    • 27. Dezember 2012 17:37 Uhr

    Deutschland ist eine der führenden Industrieländer dieser Erde. Das hat bestimmte strukturelle Implikationen. Es mit der Schweiz, Irland, Norwegen et. al. zu vergleichen, macht wenig Sinn. Deshalb bezog ich mich auf die G8.
    http://www.google.com/pub...

    • trik
    • 27. Dezember 2012 17:48 Uhr

    problem, wenn der staat usa bankrott ist?

  3. wer was genau in einer Gesellschaft geleistet hat?
    Ist ein Drogenbaron gesellschaftsfähiger, weil er mehr Geld verdient, als jemand, der auf dieses asoziale Geschäft verzichtet und stattdessen lieber arm ist, dafür aber durch miese Geschäfte nicht Kosten anderweitig hochtreibt?

  4. Mich stören Ihre Vergleiche mit Ratten („Flugratten“) oder Parasiten. Ich finde es unangemessen, Menschen oder das Verhalten von Menschen mittels solcher Ausdrücke zu beschreiben.

    Sie meinen wohl Menschen, die sich bewusst auf Kosten der Allgemeinheit bereichern, ohne dass sie dafür etwas geleistet haben. Oh ja, solche Menschen gibt es. Aber: Wie viele von diesen Menschen haben bewusst und absichtlich ihren Weg gewählt? Was glauben Sie?

    Auf der anderen Seite gibt es Leute, die nicht durch ihre Leistung, sondern allein durch ihren Reichtum immer reicher werden. Wer reich genug ist, wird aus eigener Klugheit oder dadurch, dass er sich entsprechende Berater leisten kann, auch in Krisenzeiten immer reicher werden. Wie sind solche Leute Ihrer Meinung nach moralisch zu bewerten? Sind sie auch „Ratten“ oder „Parasiten“?

    Gerechtigkeit ist das Thema!

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