Wir Amis / Wir Amis : Und Gott liebt Amerika doch
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 Die Existenz der USA hing oft am seidenen Faden

Von Anfang an hing die Existenz der USA immer wieder am seidenen Faden: Beim Unabhängigkeitskrieg, im Bürgerkrieg, dann als England 1814 noch mal angriff, bis nach Washington marschierte und das Weiße Haus niederbrannte. Und überhaupt in all den Wirtschaftskrisen, die uns regelmäßig alle biblische sechs bis sieben Jahre heimsuchen. Immer wieder fragen wir uns – mit den ersten Puritanern – ob unser Land diesmal doch untergeht. Und regelmäßig kommt uns dann doch irgendein Zufall zugute. Diejenigen Amerikaner, die an Gott glauben, schauen sich diese Zufälle an und folgern messerscharf: " Someone is watching over us. "

Seit der Finanzkrise 2008/9 redet nun wieder alle Welt davon, dass es mit Amerika zu Ende geht. Viele befürchten, dass es diesmal ernst wird. Nur einige ungewaschene, gläubige Hinterwäldler beharren stur: Keine Sorge, Gott wird uns schon den Weg weisen.

Und siehe da: Im letzten Monat ist uns ein Bericht der Internationalen Energieagentur erschienen, der uns große Freude verkündet – nämlich, dass die USA vor allem dank der neuen, umstritten Technologe Fracking bis 2020 nicht mehr auf Ölimporte angewiesen sein wird, sondern auch noch zum wichtigsten Öl-Exporteur wird.

Verdammt viele Zufälle

Und schon ist der wirtschaftliche Abschwung gestoppt. Noch wichtiger: Unter dem Eindruck des 11. September hatte sich Präsident Barack Obama zum Ziel gesetzt, dass Amerika vom Öl unabhängig wird. Erst dann werden wir auch unsere vertrackte Beziehung zu den Ländern des Nahen Ostens überdenken können. Stimmt der Bericht, hat er das Ziel erreicht (auch wenn die Ökofraktion sich das anders vorgestellt hatte.) 

Eric T. Hansen

© [M] Ralf IlgenfritzEric T. Hansen ist Amerikaner, Buchautor (Planet Germany) und Satiriker, der sein halbes Leben in Deutschland lebte, heute in Berlin. Sein aktuelles Buch ist Die ängstliche Supermacht: Warum Deutschland endlich erwachsen werden muss. Auf ZEIT ONLINE erklärt er einmal in der Woche die Eigenheiten seiner Heimat – und der Deutschen.

Auch Deutschland wird – nach anfänglichen Scharmützeln mit Umweltschützern – vom Fracking profitieren und mindestens zeitweise von Ölimporten unabhängig werden. Vielleicht sogar lange genug, bis das deutsche Bemühen um alternative Energiequellen fruchtet.

Ich weiß noch, wie es in den Achtzigern und Neunzigern Mode war, mit einer gewissen Lust apokalyptische Zeiten vorherzusagen, wenn die weltweiten Ölquellen endlich ganz versiegen. Nach einigen Hochrechnungen sollte das schon jetzt sein, nach anderen haben wir noch ein paar Jahre. Mit Fracking aber wird es offenbar doch weitergehen. Wie wir Amis so schön sagen: "Wenn Gott eine Tür schließt, öffnet er ein Fenster."

Unsere Geschichte wartet in diesem Sinne wirklich mit verdammt vielen Zufällen auf. So viele, dass ich verstehen kann, wenn mancher Amerikaner sich als Gottesliebling begreift. Im Gegenteil: Ich wundere mich, warum nicht noch mehr Länder sich so sehen. Die Deutschen zum Beispiel.

Deutsche sind dankbar, wenn sie der Teufel verschont

Denn ist es nicht ein unglaublicher Zufall, dass Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg und dem Holocaust nicht dem Erdboden gleich gemacht wurde, wie mancher es gern gehabt hätte? Stattdessen wurde das Land durch den Marshall-Plan und durch seine Rolle im Kalten Krieg wiederaufgebaut, als ob nichts passiert sei. Und lässt es sich wirklich nur durch den sprichwörtlichen deutschen Fleiß erklären, dass es heute zu den reichsten und mächtigsten Ländern der Welt gehört, obwohl es von der Bevölkerung her gar nicht so groß ist? Und wie kommt es, dass Deutschland, das die Führungsrolle im Europa des 21. Jahrhunderts gar nicht angestrebt hat, diese dennoch gerade in den Schoß gelegt bekommt?

Ich fragte meine deutsche Co-Autorin Astrid Ule, warum das sein kann. "Es gäbe durchaus Gründe, zu behaupten, dass Deutschland von Gott gesegnet ist", sagte ich. "Doch die Deutschen geben ja nicht mal zu, dass es ihnen gut geht. Also wenn ich Gott wäre, würde mich das ein wenig stören."

Sie hatte offenbar auch schon darüber nachgedacht, denn sie meinte, ohne zu zögern: "Von Gott gesegnet? Wir sind bloß dankbar, dass wir vom Teufel verschont wurden."

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Kommentare

162 Kommentare Seite 1 von 19 Kommentieren

Schöne Kolumne,

die einige Aspekte der "amerikanischen Denkweise" (oder Mentalität oder was auch immer) näher bringt.

Inhaltlich reagiert jedoch der innere Zyniker, der bei der Aussage, die USA seien von Beginn an "God´s own country", mit Ekel und Abscheu. Sei es der Genozid an 10-20 Millionen indigener Menschen und deren Kulturen (hatte das Christentum nicht einiges zum Thema Mord zu sagen?), sei es die bis ins 20. Jahrhundert gehende Segregation, etc. pp.

Die Ansicht, Gott - welche(r) auch immer - wäre ein Fan eines Staates, wird immer wieder zu Gewalt und anderen Scheußlichkeiten führen und - welch Ironie - widerspricht auch noch eindeutig dem Christentum, auf das sich bezogen wird.

Unglaublich!

Jetzt machen sie aber mal halblang, werter Nlzfrsb. Wo haben sie denn die Geschichte her die Amis haetten 10-20 mil indignierter Menschen aufn Gewissen? Erstmal gibts das Wort indignierter gar nicht und wo sollen die den gewohnt haben? 20 mil in Dodge City und SantaFe? Wo sollen die da hin passen? Sehen sie denn gar nicht wie laecherlich ihre Behauptung ist.
Aber Hauptsache Amis baeschen. Die meisten Deutschen wissens ja eh nicht besser.

Woher diese Empörung?

Ich habe während meines Studiums in den USA gelernt dass die Anzahl der „native Americans“ auf dem Gebiet der heutigen USA im 15. Jahrhundert zwischen 10 und 18 Millionen betragen hat, von denen nach allen Kriegen, Epidemien und anderen Maßnahmen am Ende noch knapp 3 Millionen da waren.

Das wären dann 7 - 15 Millionen Opfer und überschneidet sich ausreichend mit der Aussage des ursprünglich Kommentierenden um diese nicht als unseriös erscheinen zu lassen. Wieso also dieser Ton?

Indigen,

nicht indigniert. Und die Quellen können Sie überall nachlesen; Wikipedia gibt da einen guten Ansatz.
Für Einzelfälle können Sie auch mal nach "Wounded Knee" recherchieren; einen "schönen" Überblick aus der Sicht der Betroffenen in Hinsicht auf die Internierung und "Umerziehung" gibt hingegen die lesenswerte Autobiographie von John Fire Lame Deer.

Was die Zahl der ermordeten Indianer insgesamt angeht, herrscht da Uneinigkeit, aber beläuft sich definitiv im (zweistelligen) Millionenbereich.

Und noch eine Kleinigkeit: bis ins 20. Jahrhundert hinein war die Ermordung von Indianern in den USA legal.

Verwundetes Knie

Mein lieber Nilsfrzbz. Jetzt mal im Ernst. Haben Sie noch nie Wildwestfilme gesehen? Ist ihnen da nicht aufgefallen dass es immer die Indignierten sind die die braven Siedler angreifen. Natuerlich mussten die sich waehren auch am wounded knee . Und wies ein Coforist schon voellig richtig angemerkt hat, sind viele der Indignierten an Grippe gestorben weils in ihren Tippies immer so kalt gewesen sein gemusst gehabt. Ausserdem kann man sehr gut im Wiki nachforschen dass die Indignierten einer hoeher bemessenen Rate von alkoholkrankheitsbedingten Situationen sich ausgesetzt gefuehlt glaubten gesetzt. Das sollte man natuerlich auch mit in Betracht ziehen. Anschliessend waehre zu vermerken dass ein Wunded Knie noch kein Beinbruch ist sozusagen.