Wir AmisUnd Gott liebt Amerika doch

Schon für die ersten Siedler war Amerika ein verheißenes Land. Die Geschichte zeigt: Da könnte durchaus etwas dran sein, schreibt Eric T. Hansen in seiner US-Kolumne. von 

An uns Amerikanern ärgert den gemeinen Deutschen nichts mehr als unsere ausufernde Arroganz. Und es stimmt, wir sind eingebildet. Vielleicht nicht so sehr wie die Chinesen, Franzosen oder Berliner, aber wir sind es. So arrogant, dass wir glauben, Gott selbst sei "auf unserer Seite".

Dabei ist Amerika nicht das einzige Land, das sich als Gottes Liebling sieht. All die adeligen Regenten der europäischen Feudalstaaten wähnten sich als von Gott erwählt. Großbritannien singt noch heute " God save the Queen ". Und Neuseeland zum Beispiel nennt sich seit 100 Jahren " God's own country ". Die Juden sehen sich selbst seit biblischen Zeiten als das auserwählte Volk und haben ein Teil dieses Selbstbildes zum Missvergnügen ihrer Nachbarn in den Staat Israel hinübergerettet.

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Bei uns Amis begann es mit den ersten Kolonisten aus England : Puritaner, die der Verfolgung entkommen waren und in Amerika ein "verheißenes Land" sahen. Das war keine Metapher: Sie hielten sich wirklich für Gottes Volk. Wenn wir heute zurückschauen, wundern wir uns immer wieder: Wie haben wir es überhaupt so weit gebracht, wenn nicht durch Gottes Segen? Wir sind ja nicht unbedingt die hellsten Köpfe, und doch wurde was aus uns.

Die Demokratie wurde uns geschenkt

Zum Beispiel das mit der Demokratie: Alle anderen Länder, die es versuchten, fielen damit erst mal auf die Nase. Die Franzosen brauchten weitere 70 Jahre nach ihrer Revolution, um eine funktionierende Republik aufzubauen. Die Deutschen haben es erst im zweiten Anlauf geschafft, und das nur, weil die Alliierten ihnen noch mal nachdrücklich zeigten, wie es geht.

Dass es in Amerika auf Anhieb gelang, verdanken wir einem glücklichen Zufall: Die adelige Obrigkeit, derer man sich entledigte, wohnte nicht nebenan, sondern daheim in England. Die Franzosen, Deutschen und Engländer mussten gegen ihre Fürsten daheim kämpfen, und in der Regel ging das schief. Wir mussten das nicht: Im Grunde wurde uns die Utopie "Demokratie" geschenkt.

Hätte Napoleon später nicht gerade im Krieg mit England gestanden, er hätte seine amerikanischen Besitzungen – fast ein Viertel der heutigen USA – wohl nicht in dem sogenannten Louisiana Purchase für einen Appel und ein Ei an uns abgetreten. Heute würden die USA am Fluss Mississippi aufhören; alles von da an westwärts wäre französisch.

Der Zweite Weltkrieg war ein Segen

Bis Präsident Thomas Jefferson das Land kaufte, war Amerika eine Handvoll unwichtiger Kolonien an der Ostküste. Er konnte eigentlich nichts mit dem neuen Land anfangen und glaubte, es würde noch 1.000 Jahre dauern, bis es durchgehend besiedelt wäre. Erst dann könnte aus den USA vielleicht was werden.

Doch nur ein paar Jahre später wurde die Eisenbahn gebaut; zugleich ging die europäische Wirtschaft den Bach herunter, was zu einer starken Migration aus der Alten Welt in den amerikanischen Westen führte, und bis zum Ende des 19. Jahrhunderts war Amerika eine Weltmacht. Wenn Sie jetzt (zu Recht) an die Indianer denken, muss ich leider noch einen draufsetzen:

Selbst der Zweite Weltkrieg, so pervers es sich anhört, war für uns ein Segen. Genau wie Deutschland litten auch wir unter der Weltwirtschaftskrise, und es ist zweifelhaft, ob die sozialen Maßnahmen, die Franklin D. Roosevelt einführte, allein genug bewirkt hätten. Doch dann kam der Krieg, und als er vorbei war, war Amerika, oh Wunder, die führende Wirtschaftsmacht der westlichen Welt. Ganz zu schweigen davon, dass wir von den vielen jüdischen Künstlern, Wissenschaftlern und Intellektuellen profitierten, die die Nazis aus Deutschland verjagt hatten.

Leserkommentare
  1. in die us-amerikanische Mentalität und in das dort massiv verbreitete geschichtliche Unwissen.

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    Mentalität sollte nicht gegen Wissen in Stellung gebracht werden. Menschen mit hoher Bildung können durchaus unterschiedliche Mentalitäten besitzen.

    Schade auch, dass ein weitgehend inhaltsfreier und pauschal abschätziger Kommentar die meiste Zustimmung erfährt .. ist das etwa Ausdruck der "höheren Bildung" von uns Deutschen?

  2. die einige Aspekte der "amerikanischen Denkweise" (oder Mentalität oder was auch immer) näher bringt.

    Inhaltlich reagiert jedoch der innere Zyniker, der bei der Aussage, die USA seien von Beginn an "God´s own country", mit Ekel und Abscheu. Sei es der Genozid an 10-20 Millionen indigener Menschen und deren Kulturen (hatte das Christentum nicht einiges zum Thema Mord zu sagen?), sei es die bis ins 20. Jahrhundert gehende Segregation, etc. pp.

    Die Ansicht, Gott - welche(r) auch immer - wäre ein Fan eines Staates, wird immer wieder zu Gewalt und anderen Scheußlichkeiten führen und - welch Ironie - widerspricht auch noch eindeutig dem Christentum, auf das sich bezogen wird.

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    Jetzt machen sie aber mal halblang, werter Nlzfrsb. Wo haben sie denn die Geschichte her die Amis haetten 10-20 mil indignierter Menschen aufn Gewissen? Erstmal gibts das Wort indignierter gar nicht und wo sollen die den gewohnt haben? 20 mil in Dodge City und SantaFe? Wo sollen die da hin passen? Sehen sie denn gar nicht wie laecherlich ihre Behauptung ist.
    Aber Hauptsache Amis baeschen. Die meisten Deutschen wissens ja eh nicht besser.

    • brchak
    • 04. Dezember 2012 15:52 Uhr

    Ich habe während meines Studiums in den USA gelernt dass die Anzahl der „native Americans“ auf dem Gebiet der heutigen USA im 15. Jahrhundert zwischen 10 und 18 Millionen betragen hat, von denen nach allen Kriegen, Epidemien und anderen Maßnahmen am Ende noch knapp 3 Millionen da waren.

    Das wären dann 7 - 15 Millionen Opfer und überschneidet sich ausreichend mit der Aussage des ursprünglich Kommentierenden um diese nicht als unseriös erscheinen zu lassen. Wieso also dieser Ton?

  3. Siedler kamen doch wohl über die Beringstraße aus Asien. Die völkermordenden, ausrottenden Eroberer aus Europa waren mitnichten die ersten 'Siedler'. Auch wenn sie sich so sahen/sehen. Vgl. die heutigen 'Siedler' in Palästina...

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  4. "durch den Marshall-Plan und durch seine Rolle im Kalten Krieg wiederaufgebaut, als ob nichts passiert sei"

    Ein ziemlich falsches Bild, das bestenfalls einen Teil Deutschlands trifft.

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    • Legatus
    • 04. Dezember 2012 14:09 Uhr

    "Denn ist es nicht ein unglaublicher Zufall, dass Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg und dem Holocaust nicht dem Erdboden gleich gemacht wurde, wie mancher es gern gehabt hätte? Stattdessen wurde das Land durch den Marshall-Plan und durch seine Rolle im Kalten Krieg wiederaufgebaut, als ob nichts passiert sei."

    Vielen Dank, den Wiederaufbau hätte man auch ohne Hilfe geschafft, mal abgesehen davon, dass Deutschland tatsächlich dem Erdboden gleichgemacht war. Wenn man amerikanische Banker nach dem Marshall-Plan fragt ist das keine humanitäre Hilfsmaßnahme der ach so edlen Amerikaner sondern das beste Geschäft in der Geschichte der Menschheit.
    Und ein praktischer Schild gegen den "Osten" waren wir auch noch.

    Kein Wunder, dass mein (indianischstämmiger) Großvater vor über 50 Jahren seine amerikanische Staatsbürgerschaft loswerden wollte. Ich würde auch nicht Teil dieser Nation sein wollen, die nur auf Kosten anderer lebt.

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    • Suryo
    • 04. Dezember 2012 14:52 Uhr

    "...Vielen Dank, den Wiederaufbau hätte man auch ohne Hilfe geschafft"

    Klar, sicher. Und Westberlin hätte man auch alleine gehalten, wie auch die Grenze zur DDR, und überhaupt wäre die Bundesrepublik wunderbar ganz ohne Westbindung zu Freiheit und Wohlstand gekommen. Natürlich auch dann, wenn die Opfer Deutschlands alle realistische Reparationen erhalten hätten.

    "...mal abgesehen davon, dass Deutschland tatsächlich dem Erdboden gleichgemacht war."

    Und wessen Schuld war das?

  5. Das einzige was ich Ihren Artikeln entnehmen kann ist Ihre Sehnsucht, Amerika möge doch so sein, wie Sie es gerne sehen möchten. Das passt auch wunderbar zu der Tatsache, dass Sie ja in Deutschland leben. Ich kenne die USA sehr gut ... und habe mich nach fast 10 Jahren entschieden wieder in Deutschland zu leben, weil es mir so ging wie Ihnen hier, allerdings kann mein Bild von Deutschland und den USA hier und dort jeder nachvollziehen, im Gegensatz zu Ihren romantischen Vorstellungen.

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  6. es gibt doch auch originelle amerikanische Autoren.

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  7. 24. Traurig

    Dass die ZO-Leser trotz der inzwischen zahlreichen Beiträge die äußerst feine Ironie in Hansens Kommentaren immer noch nicht verstehen, ist traurig und in gewisser Weise für mich als "Passdeutschen" auch beschämend.
    Aber vielleicht sollte ich nicht so hart über meine Mitbürger urteilen, eventuell fehlt den meisten Deutschen tatsächlich ein sensitivies Ironieorgan. Daher: Ich vergebe ihnen allen, sie können offensichtlich nicht anders...

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    Äußerst feine Ironie? Nein! der Artikel ist plump!
    Ironie ist nachzulesen bei Thomas Mann und anderen, die in Deutschland nicht verstanden wurden. Aber das hat nichts mit Ironie zu tun.

    aber Ihr Versuch diesen Artikel mit eingebildeter Ironie sauber zu waschen funktioniert nicht! Wer nur diesen Artikel vom Verfasser gelesen hat, der könnte das vielleicht auch noch glauben - wer vom Artikelschreiber mehr gelesen hat, der weiss, das er es genau so sieht! (Peinlicherweise...)

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte USA | Barack Obama | Fracking | USA | Country | Demokratie
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