US-Haushaltsstreit : Obama verliert Geduld mit Republikanern

Kurz vor Fristablauf wird der Ton im Etat-Streit harscher: Präsident Obama wirft den Republikanern vor, sie hätten mit ihrer Reichen-Politik jeden Kompromiss verhindert.

Präsident Obama hat den Kongress aufgerufen, innerhalb der nächsten 48 Stunden zu handeln, um im US-Etatstreit eine Einigung zu erzielen und die drohenden Steuererhöhungen und Leistungskürzungen abzuwenden. In einem Interview mit dem Fernsehsender NBC beschuldigte Obama die Republikaner, jeden Kompromissvorschlag zu blockieren, um auf diese Weise Steuererhöhungen für Reiche zu verhindern.

"Wir haben mit den Republikanern gesprochen, seit die Wahl vorüber ist", sagte Obama. "Sie hatten Probleme, zu einer Reihe wiederholter Angebote ja zu sagen. Gestern hatte ich ein weiteres Treffen mit der Parteiführung und ich habe ihnen ein umfangreiches Paket zur Defizitreduzierung vorgeschlagen: Lasst uns zumindest sicherstellen, dass die Steuern nicht hochgehen und dass nicht zwei Millionen Menschen ihre Arbeitslosenversicherung verlieren. Und ich war gestern verhalten optimistisch, aber es ist keine Einigung absehbar."

Bei einem Krisentreffen im Weißen Haus hatten sich Vertreter von Demokraten und Republikanern am Freitag nicht auf einen Kompromiss einigen können. Der Präsident hatte sich aber zuversichtlich gezeigt, dass noch vor Ablauf der Frist am 1. Januar eine Einigung in Senat und Repräsentantenhaus möglich sei.

"Ihre einzige Priorität besteht darin, Steuererleichterungen für die reichsten Amerikaner zu schützen"

Einen Tag vor Ablauf der Frist äußerte sich Obama nun deutlich pessimistischer. Es habe zu wenige Fortschritte gegeben , um sich noch Hoffnungen auf eine Lösung in letzter Minute zu machen. Der Präsident kritisierte die Blockadehaltung der Republikaner, die sich strikt gegen Steuererhöhungen richtet: "Sie sagen, ihre höchste Priorität bestehe darin, sicherzustellen, dass wir auf seriöse Weise mit dem Defizit umgehen. Aber nach der Art und Weise, wie sie sich verhalten, ist es ihre einzige Priorität, sicherzustellen, dass die Steuererleichterungen für die reichsten Amerikaner geschützt werden", sagte Obama. "Das scheint ihr einziges übergeordnetes Thema zu sein."

Demokraten und Republikaner müssen sich bis zum Silvesterabend auf einen Kompromiss zur Staatsfinanzierung einigen. Grund ist das Haushaltskontrollgesetz: Wird bis zum 1. Januar 2013 keine Einigung zur Reduzierung des jährlichen Defizits erreicht, treten automatisch Steuererhöhungen und Ausgabenkürzungen in Kraft. Mit ihnen soll das jährliche Defizit um mehr als 500 Milliarden Dollar reduziert werden. Ökonomen befürchten, dass die USA über diese sogenannte Fiskalklippe in eine Rezession stürzen könnten und sich das auf die gesamte Weltwirtschaft auswirken würde. "Jetzt liegt es am Kongress, Ergebnisse zu liefern", sagte Obama.

Die Führer der beiden Parteien im Senat wollten ihren Fraktionen noch am Sonntagabend die Verhandlungsergebnisse vorstellen und das Gesetzespaket bis zum Silvestermorgen in der Kongresskammer zur Abstimmung bringen. In den Stunden danach müsste der Kompromiss wortgleich vom Repräsentantenhaus gebilligt werden, damit das Gesetz von Obama in Kraft gesetzt werden kann. Noch immer ist völlig offen, ob die Zeit zumindest für eine eilige Zwischenlösung ausreicht. Manche Beobachter glauben, dass die Republikaner die Frist bewusst verstreichen lassen wollen, damit sie im kommenden Jahr für Steuersenkungen für alle Bürger stimmen könnten, statt vor dem Jahreswechsel Steuererhöhungen für die Reichen zulassen zu müssen.

Haushaltsstreit könnte auch nach Einigung weitergehen

Hauptstreitpunkt sind eben jene von Obama geforderten Steuererhöhungen für Großverdiener. Der Präsident beharrt darauf, dass Haushalte mit einem Jahreseinkommen von mehr als 250.000 Dollar künftig mehr an den Staat zahlen müssen. Die Republikaner, die im Repräsentantenhaus die Mehrheit haben, lehnen Steuererhöhungen seit Jahrzehnten kategorisch ab. Aber auch in anderen Fragen sind die Positionen ideologisch verhärtet. So wollen die Konservativen wesentlich mehr bei Sozialausgaben einsparen als Obamas Demokraten.

Obama warnte vor schlimmen ökonomischen Folgen, wenn die Verhandlungen scheitern sollten. Er fürchte, dass die US-Konjunktur nachlasse, sollten die Steuersätze wie vorgesehen steigen, sagte Obama. Einer durchschnittlichen Familie würden 2.000 Dollar im Jahr fehlen, was dem Konsum schade. "Unternehmen und Investoren würden im nächsten Jahr eine negativere Einstellung zur ökonomischen Lage haben."

Der Kampf über die Haushaltspolitik wird in Washington nach Expertenansicht auch bei einer Einigung am Silvestertag noch monatelang weitergehen. In Kürze muss der Kongress etwa die selbst gesteckte Schuldenobergrenze erhöhen, damit die USA zahlungsfähig bleiben. Vor der letzten Anhebung im August 2011 hatten Verhandlungen bis zur letzten Minute dazu geführt, dass die Amerikaner ihre Spitzenbewertung an den Kreditmärkten verloren. Auch diesmal zeigen sich die Märkte von dem politischen Gezerre in der weltgrößten Volkswirtschaft verunsichert.  

Verlagsangebot

Entdecken Sie mehr.

Lernen Sie DIE ZEIT 4 Wochen lang im Digital-Paket zum Probepreis kennen.

Hier testen

Kommentare

63 Kommentare Seite 1 von 7 Kommentieren

Verschuldungszwang

"Häufig wird die Volkswirtschaft mit einem verschuldeten Einzelhaushalt verglichen, der durch Sparmaßnahmen seine Kredite verringert. Dies ist zwar für Einzelelemente einer Volkswirtschaft möglich, jedoch nicht in der Gesamtbilanz aller Teilnehmer. In der gesamten Volkswirtschaft muss die Summe der Geldvermögen immer gleich groß sein wie die Gesamtverschuldung, da Vermögen auf der einen Seite Schulden auf der anderen Seite bedeuten. In unserem Geldsystem steigen die Geldvermögen durch die Verzinsung an, weshalb die Verschuldung um den gleichen Betrag wachsen muss. … Ein Rückgang der Kreditaufnahme würde zu einem fallenden Zinssatz führen, weil sich der Zins aus Angebot und Nachfrage nach Krediten bildet. Fällt nun der Zinssatz unter eine Mindesthöhe (Liquiditätsgrenze), kommt es zu einer Deflation, also einem Rückzug des Geldes, weil niemand bereit wäre, überhaupt noch Kapital ohne Mindestverzinsung zu verleihen. Die Folgen wären Massenarbeitslosigkeit, Verarmung der Bevölkerung, Hunger und Bürgerkrieg. Die Neuverschuldung dient letztlich dazu, den Zinssatz auf genügender Höhe zu halten, um ein Abgleiten der Volkswirtschaft in die Deflation zu verhindern."

Günter Hannich, 2006

Selbstverständlich ist (nicht nur) der Verschuldungszwang nur durch eine freiwirtschaftliche Geld- und Bodenreform zu beseitigen. Dem "Normalbürger" ist das nicht selbstverständlich, weil er eben nicht normal, sondern religiös ist: http://www.deweles.de/int...

Guter Kommentar (bis auf das Ende)

Interessanter Kommentar. Allerdings verstehe ich den letzten Absatz nicht. Ich bin wohl zu religiös?

Mich wundert an der 'Fiskalklippe' der USA nicht, wo hier das große Problem liegen soll.

1. Es muss doch für jeden Politiker wie ein Glücksfall erscheinen. Jeder kann die Schuld für diese Steuererhöhung auf den politischen Gegner schieben und trotzdem Milliarden einnehmen. Da kann man lautstark dagegen sein, aber insgeheim hoffen die Politiker wohl auf den Geldsegen.

2. Was soll an höheren Steuereinnahmen den so schlimm sein? Ist es denn besser immer mehr Schulden zu machen?

3. Falls es zu den Steuererhöhungen zum 1. Januar kommt, sehe ich keinen Hinderungsgrund für die amerikanische Politik diese noch nächstes Jahr rückwirkend zurückzunehmen. Der Tanz um den Zeitpunkt scheint mir doch nur Show.

.....

[Interessanter Kommentar. Allerdings verstehe ich den letzten Absatz nicht. Ich bin wohl zu religiös?]

Damit meint man den Glauben an ein bestimmtes System bzw. einzelner Funktionen. Glaube ersetzt nicht das Wissen. Die Analogie zur Religion ist die folgende: Man weiß es nicht, sondern glaubt nur dran.

Wenn Sie aber richtige Lösungsvorschläge brauchen, hilft ihnen der Glaube nicht (im Übrigem widerspricht man sich hier selbst, da man auf der Gewinnerseite stehen will, aber das Rudern den anderen überlässt, die selbst nach dem eigenem Vorteil trachten).

Zu 1:

Das Problem ist, wenn Sie das Geldvermögen auf der Seite des Konsums nehmen. Damit verringern man die Einnahmeseite der Unternehmen, die wiederrum sich diesen Gegebenheiten anpassen müssen (mit Entlassungen - > Entlassene konsumieren weniger - > Einnahmeeinbrüche bei Unternehmen).

Zu 2:

Hier wird nur der Finanzmarkt und andere Oligopole bzw. Monopole bedient. Die kleinen Unternehmen und der Mittelstand brechen dabei aber zusammen.

Zu 3:

Das ist leichter gesagt als getan. Oberflächlich betrachtet kann man es tun. Im Detail (den Rattenschwanz) aber ist es sehr aufwendig.

Die Luftgeld-Helden

Sie sind ein "Greenbacker" ("Freigeld" etc...)? Die Truppe, die behauptet, dass der Staat mehr Gewalt über Geld haben sollte als er jetzt schon besitzt und es einfach nach Bedarf drucken sollte? Die Truppe die behauptet, dass Kredit aus der Druckmachiene kommt? Die Truppe die behauptet, dass durch die Erwitschaftung einer Rente (Zinsen, Produktion etc.) alles Geld automatisch in die Hände der Sparer fließt bis nichts mehr für die anderen übrig ist?

Ihre Anschauungen setzen Keyenes die Krone auf. Logische Widersprüche nehmen sie entweder nicht wahr, oder übergehen sie duch einen "leap of faith". Wenn man im Glashaus sitzt, sollte man nicht mit Steinen werfen.

Mein Senf dazu.

Zu 1. Prinzipiell haben Sie ja recht, dass die höheren Steuern der Konjunktur schaden werden. Auf der anderen Seite aber muss der amerikanische Staat seinen Haushalt mittelfristig besser finanzieren. Man kann sich jetzt über den Zeitpunkt streiten, aber letztlich wird man beides machen müssen. Ausgaben kürzen (vor allem beim Militär) und Steuern erhöhen. Die Steuerquote in den USA ist deutlich geringer als in anderen entwickelten Ländern. Die Anpassung dürfte schwierig sein, wird aber unausweichlich sein.

zu 2. Wenn man jetzt ewig die Schulden nicht zurückzahlt, bauen sich die Zinsen immer weiter auf. Das heißt, dass man am Ende den Banken über Zins und Zinseszins noch mehr Geld in den Rachen werfen müsste.

zu 3. Wie gesagt, ein paar Steuern müssen sowieso erhöht werden. Dann werden sie die Steuern nur für die Gruppen senken wo es dann wirklich Sinn macht. Der generelle Punkt hier ist aber, dass die Welt und auch die USA nicht untergehen werden, wenn man die "Klippe" herunterstürzt. (Warum die Amis es nicht auch etwas bescheidener hätten ausdrücken können erschließt sich mir nicht.)

Anscheinend haben Sie das Schuldgeldsystem immer noch

nicht Verstanden?

Ein paar Links um die Probleme von Kreditgeld zu Verstehen:

http://commonman.de/wp/?p...

http://langweilerblog.wor...

http://www.steuerboykott....

Meine Ansichten finden Sie zusammengefasst in Kommentar 26:

http://www.zeit.de/2012/5...

Es ist Egal, ob die Umverteilung von Arm nach Reich über Zinsforderungen fürs Kreditgeld, oder realisierte Gewinne erfolgt.

Es Passiert nach einiger Zeit folgendes, die Nachfrager fallen wegen Überschuldung, oder fehlenden Einnahmen aus!

Und da ja alles so wunderbar Global vernetzt ist, erfolgt auch der Zusammenbruch Global.

Was Glauben Sie denn, was mit den dafür Verantwortlich gehaltenen passieren wird, wenn die Weltwirtschaftsleistung innerhalb weniger Wochen um 60 bis über 80% schrumpft.

Die Banken kaputt - das Geld kaputt - die Realwirtschaft kaputt!

Ausgaben kürzen (vor allem beim Militär) wäre fatal

@TheEconomistfromSomewhere, ich gebe ihnen in Grunde recht, doch leider verfallen sie in typische Europäisches Klischees wenn sie von “Ausgaben kürzen (vor allem beim Militär)“ sprechen. Das US Militär weiter zusammen zu streichen wäre nämlich fatal. Denn es ist eben dieses Militär das die USA erst zu einer “Supermacht“ und einen Stabilisierenden Faktor in der Welt macht. Den egal ob man die USA nun mag oder nicht, man muss doch anerkennen das sie notwendig ist um Weltweiter Anarchie und den Ambitionen Autoritärer Staaten wie Russland, China oder kleinerer Antagonisten wie den Iran entgegenzutreten.

Das weitere kürzen des Militärs würde daher das Kräfteverhältnis soweit verschieben als das die jetzige Westlich geprägte Weltordnung rapide zugunsten Rot Chinas und anderer Autoritärer Staaten kippen würde. Schon jetzt ist die Situation in Pazifischen Raum explosiv von Nahen Osten mahl ganz zu schweigen. Aber selbst von den verehrenden Geopolitischen Konsequenzen abgesehen ist die Realität nun mahl die, dass mehr als 2/3 aller US Ausgaben auf das marode Sozial und Gesundheitssystem entfallen, das restliche 1/3 teilt sich 50 zu 50 auf Militär und Zivilausgaben auf. Mit anderem Worten die gesamten Militärausgaben der USA machen weniger als 1/6 ihrer Bundesausgaben aus und mussten längst Schnitte von mehr als 1 Billion Dollar seit Obamas Amtsantritt 2009 hinnehmen. Sprich das Messer hat längst tief in den Knochen geschnitten um es mahl aus den Englischen zu übersetzen.

Quacksalber

"Als Anhänger der österreichischen Schule, die es generell ablehnt ihre Theorien mit Hilfe der Mathematik auf logische Konsistenz zu überprüfen..."

In wieweit soll dieser Satz irgendeinen Sinn ergeben? Logische Konsistenz ergibt sich durch die Anwendung der Gesetze der Logik. Mathematik ist nur ein Werkzeug um aus der Theorie herraus quantifizierbare Werte zu erhalten und sie mit der Realität zu vergleichen (Falsifikation). Sie sind ein Quacksalber und kein Ökonom.

Die österreichische Schule sagt nur, dass niemand quantifizierbare Werte erzeugen kann, da die Bestandteile dieser Wertung selbst subjektiver Natur sind: Weder kann ich den Nutzen eines knappen Guts zwischen zwei Personen vergleichen, noch kann ich den Nutzen zweier verschiedener Güter für eine Person quantifizieren. Sogar wenn ich die Ordinalskala der Preferenzen für jede Person wüsste, so würde sie keinerlei Aussagen über die Realität zulassen, da sich Preferenzen mit der Zeit ändern (Asymetrie des Wissens, wechsel der Lebensumstände, Gewohnheiten etc...).

Sie hingegen betrachten Menschen als Zahnräder einer großen Maschine und stellen sich die Frage, wie man diese Zahnräder so manipulieren kann, so dass es den größten Output ergibt. Die Realität widerlegt diese Modelle immer und immer wieder und sie wollen mir was von "logischer Konsistenz" schwafeln?

Einen Nerv getroffen?

Ach... Ich gebe ja zu, dass ich Sie ein wenig provoziert habe, aber mich gleich offen beleidigen ist schon ein starkes Stück.

Die Anwendung von logischen Gesetze ist bei komplizierten Sachverhalten schwierig bis unmöglich, weil der Mensch leider kein komplett logisches Wesen ist und muss daher überprüft werden. Zum Beispiel durch Mathematik. Mathematik ist Logik in Formeln gepresst. Wenn eine Theorie (welcher Art auch immer) in Mathematik auszudrücken ist, so ist sie zumindest innerlich logisch. Sie ist noch nicht korrekt, aber eine Mindestanforderung ist erfüllt. Eine ökonomische Richtung, die sich dem verschließt und einfach behauptet logisch zu sein ist unwissenschaftlich.

Sie scheinen der Meinung zu sein, dass klassische Ökonomen die Annahmen was Nutzenkurven und dergleichen angeht als real ansehen. Dem ist nicht so. Das sind Richtwerte und Vereinfachungen. Die Nutzenkurven müssen gewissen logischen Anforderungen (wie zb mehr von einem Gut ist besser etc.) gerecht werden. Alles was darüber hinausgeht sind im Allgemeinen Annahmen, die man verteidigen muss.

Und nein, ich sehe Menschen nicht als Zahnräder an und in der Ökonomie geht es auch nicht um "Output" sondern um "Nutzen"/"Utilität". Bevor Sie also Unsinn erzählen über die klassische Ökonomie, lesen Sie doch bitte erstmal ein Buch.

Einfach nur den Weltuntergang vorhersagen reicht nicht.

"Die Realität widerlegt diese Modelle immer und immer wieder und sie wollen mir was von "logischer Konsistenz" schwafeln?"

Es gibt durchaus Modelle, die widerlegt sind (CAPM zum Beispiel). Aber es gibt auch einige Modelle, die funktionieren und gute Vorhersagen treffen. Die Wachstumstheorie hat einige geliefert. RBC-Modelle werden laufend angewandt um immer bessere Vorhersagen zu treffen. Perfektion ist bei Weitem noch nicht erreicht, aber die österreichische Schule tritt auf der Stelle während die mathematische Ökonomie nach und nach besser wird.
Zur Falsifizierbarkeit reicht es nicht, wenn man "das Richtige" vorhergesagt hat. Neben der österreichischen Schule haben auch andere Ökonomen vor einem Crash gewarnt. Als die Krise 2008 anfing fühlten sie sich alle bestätigt. Wie unterscheide ich aber nun die echten Wissenschaftler, die einen Crash vorhergesagt haben von den Weltuntergangspropheten die aus Versehen mal Richtig lagen? Indem ich auf statistisch und mathematisch eindeutige Hinweise schaue, die die eine oder andere Theorie widerlegen. Nur leider bietet die österreichische Schule keine Hinweise, an der man das erkennen könnte.
Nur ein Modell, das falsifizierbar ist, kann auch widerlegt werden. Die österreichische Schule stellt laufend Theorien auf, die nicht widerlegt werden können(!) weil Hayek und seine Epigonen zu feige waren sich der Falsifizierbarkeit zu stellen.

Freigeldler: Etwas Analyse gepaart mit Dogmatismus

Ich versteh das System sehr gut. Es scheint mir nur, dass Ihnen nicht klar ist, dass Gold und Silber kein "Schuldgeld" ist sondern Geld. Es ist kein Verprechen auf Bezahlung, es ist Bezahlung. Es wird weder erschaffen noch zerstört. Es ist weder leistungslos noch ist es unverdient.

Beim überfliegen des ersten Links ist mir ins Auge gesprungen, dass festgestellt wird, dass fractional reserve banking ein "Buchungsfehler" sei. Es ist kein Fehler, es ist schlichtweg instutionalisierter Betrug. Die römischen Richter wussten das damals und haben diese Praktiken hart bestraft. ("Money, Bank Credit and Economic Cyles" von Jesus Huerta de Soto)

Ein jedes reguläre Unternehmen bekommt nur das, was ihnen die Menschen in freiwilligem Austausch geben. In wiefern ist das "leistungslos" und "unverdient"?

Hingegen stiehlt die Bank das Geld (leistungslos und unverdient), in der Hoffnung, dass nicht jeder gleichzeitig an sein Geld möchte. Damit steigt die größe des Kreditvolumens der Ökonomie. Der Kredit wird natürlich für Unternehmungen ausgegeben und treibt die Preise für Güter in die Höhe. Wenn die Unternehmungen fertig sind (Zeitfaktor), stellt man dann plötzlich fest, dass die Preise der Inputgüter den erhofften Gewinn übersteigen. Es kommt zu Kreditausfällen, das Eigenkapital der Bank verschwindet und sie gehen pleite.

Erkenntnistheorie

"Die Nutzenkurven müssen gewissen logischen Anforderungen (wie zb mehr von einem Gut ist besser etc.) gerecht werden."

Und wie kommen diese "logischen Anforderungen" zustande? Müssen diese Behauptungen nach Ihrer Auffassung nicht auch falsifizierbar sein? Handeln sie nicht "unwissenschaftlich", wenn sie einfach annehmen, dass diese Aussage richtig ist?

Was ist mit der Tatsache, dass die klassische Ökonomie automatisch annimmt, dass die Nutzenkurve immer stetig und in vielen Fällen sogar differenzierbar ist? Welche Wissenschaft hat sollche Standards?

Die Behauptung der klassichen Ökonomie, die Kurve sei nicht real, kenne ich. Nur zu dumm, dass alle so tun als ob...

Offensichtlich gibt es wahre Aussagen über die Realität, die wir nicht überprüfen müssen. Diese Aussagen sind entweder axiomatischer Natur (z.B. Menschen handeln, indem sie knappe Mittel verwenden um ein Ziel zu erreichen) oder sie folgen als logische Kolleration aus diesen Axiomen (und Kollerationen von logisch korrekten Aussagen). Sind alle Schritte die zu einer Aussage führen logisch korrekt gezogen, ist die Aussage wahr.

Von Mises hat auf diese Weise vom Handlungsaxiom ausgehend das ökonomische System aufgebaut. Um ihre logische Konsistenz zu überprüfen würde es helfen erst mal die Beweiskette zu überprüfen und nicht sich in Behauptungen zu versteigen. Um es in Ihrer Sprache zu sagen: Bevor Sie also Unsinn erzählen über die österreichische Schule, lesen Sie doch bitte erstmal ein Buch.

Ausgaben kürzen (vor allem beim Militär), Neuausrichtung nötig

@Araya32, ich vermute mal, Sie sind Deutsch-Amerikaner und leben in den USA. Wovon also wird in Zukunft die Führungs- und Gestaltungskraft von Staaten abhängen? Ich hoffe, dass dies nicht der militärische Sektor sein wird. Hier sind die USA bisher unumstritten die Nummer eins. Und sie werden es auf absehbare Zeit auch bleiben, selbst wenn im Rüstungsektor einiges gekürzt wird.

Heute las ich in der Süddeutschen Zeitung ein Interview mit Jorgen Randers, einem norwegischen Wirtschaftsprofessor und Co-Autor des Berichts „Die Grenzen des Wachstums“ von vor 40 Jahren. Er hat ein neues Buch geschrieben. Darin kommt er auch auf China zu sprechen. Er sagte in dem Interview: „Ich sage nur, dass China mittlerweile sehr viel mehr tut als der Westen. Der letzte Fünf-Jahres-Plan schreibt vor, dass die Energieeffizienz bis 2020 um 40 Prozent wachsen soll.“

Die Chinesen gehen voran! Ich glaube, dass die Entscheidungen darüber, wie unsere Zukunft aussehen soll, längst nicht mehr in den USA getroffen werden. Leider beschäftigen sich die USA viel zu sehr mit sich selbst und mit „gestrigen Technologien“.

Auferstehung

"Allerdings verstehe ich den letzten Absatz nicht. Ich bin wohl zu religiös?"

Bisher ist es nur einem einzigen Menschen gelungen, die Makroökonomie zu verstehen, ohne zuvor die Religion (Rückbindung auf den künstlichen Archetyp Jahwe) verstanden zu haben. Also machen Sie sich nichts daraus. Der Erkenntnisprozess der Auferstehung setzt eine erhebliche Willensstärke voraus und dauert eine gewisse Zeit, selbst wenn man alle dazu nötigen Informationen in voroptimierter Reihenfolge präsentiert bekommt:

http://www.juengstes-geri...

Sie verstehen mich nicht wirklich.

Annahmen, die Logik voraussetzen sind ihrer Natur nach nicht falsifizierbar, weil sonst ein logischer Widerspruch entstehen würde. Deswegen heißen sie auch "Axiome". Wenn Sie mal in Philosophie hinter der klassischen Ökonomie ein wenig Staub gewischt hätten, wüssten Sie, dass auch diese Axiome definitionsgemäß nicht widerlegt werden können. Ja, auch die klassische Ökonomie arbeitet mit Axiomen. Nur im Gegensatz zu Mises öffnet man sich auch der Möglichkeit der Falsifizierbarkeit indem man dem ganzen eine mathematische Form gitb.

Die Differenzierbarkeit der Nutzenkurve ist eine Annahme, die in der Regel gemacht wird um einen speziellen Fall mathematisch zu veranschaulichen. Niemand in der Ökonomie hat jemals behauptet, dass sie auch wirklich differenzierbar ist.
Niemand tut so als ob die Nutzenkurve "real" ist. Jeder ernstzunehmende Ökonom ist sich bewusst, dass sie nur eine Abstraktion ist.

Das Problem von Mises Handlungsaxiom ist keines der prinzipiellen Logik. Wie ich bereits sagte, der Mensch ist leider kein komplett logisches Wesen. Mit anderen Worten ist es extrem schwierig, auch für hochintelligente Menschen, in einer verbalen Beweiskette die oft über zig Seiten geht Fehler auszuschließen. Rein theoretisch ist es also durchaus möglich für einen Ökonomen der österreichischen Schule etwas sinnvolles zu sagen, nur leider sehr unwahrscheinlich, weil er sich (selten) der Hilfe der Mathematik bedient.

Wer den Cent nicht ehrt......

Es ist ja gute politische Kultur, harte Auseinandersetzungen um den richtigen Weg zu führen.

Bedrückend ist allerdings, dass es dabei in den großen Demokratien anscheinend nur noch um Geld geht.

Wenn das in dieser Verbissenheit so weiter geht, wenn das Alles ist, um was es sich augenscheinlich zu streiten lohnt, darf man sich nicht wundern, wenn sich die Menschen abwenden.