Regierung und Opposition in Washington haben sich im Streit über einen Plan für den Abbau des riesigen US-Defizits etwas angenähert. Medienberichten zufolge kam Präsident Barack Obama den Republikanern beim umstrittensten Punkt, einer Steuererhöhung für Reiche , ein Stück entgegen. Demnach präsentierte er einen neuen Vorschlag, der höhere Steuern nur noch für Bürger mit einem Einkommen von mehr als 400.000 Dollar im Jahr (rund 300.000 Euro) vorsieht. Zuvor hatte Obama die Grenze schon bei 250.000 Dollar gezogen.

Die Republikaner hatten Steuererhöhungen lange Zeit gänzlich abgelehnt. Laut einem jüngsten Angebot würden sie nun aber Steuererhöhungen für Bürger mit einem Jahreseinkommen von mehr als einer Million Dollar zustimmen. Sowohl das Weiße Haus als auch der republikanische Präsident des Abgeordnetenhauses, John Boehner, sagten, sie hielten den Vorschlag der Gegenseite für unzureichend, würden aber weiterverhandeln.

Einigt sich der Kongress nicht bis zum Jahresende über ein Programm zur Verringerung des Defizits, steuern die USA im neuen Jahr auf die sogenannte Fiskalklippe zu. Das ist eine Kombination aus Steuererhöhungen und drastischen Ausgabenkürzungen, die dann automatisch wirksam werden. Experten warnen seit Monaten, dies könnte die US-Wirtschaft in eine Rezession stürzen – mit schweren Folgen für die globale Konjunktur.

"Plan B" verlangt den Reichen nicht genug ab

Boehner teilte mit, dass er trotz Obamas neuem Vorschlag und andauernden Verhandlungen sein eigenes Angebot als Gesetzesvorlage ins Abgeordnetenhaus einbringen werde. Die Gesetzesinitiative soll höhere Steuern für Einkommen unter einer Million Dollar jährlich verhindern. Das Weiße Haus wies Boehners Vorschlag umgehend zurück. Boehners "Plan B" verlange den Reichen laut Regierungssprecher Jay Carney nicht genug ab.

Der republikanische Fraktionschef Eric Cantor kündigte eine Abstimmung bis zum Wochenende an. Viele Experten werteten das als taktischen Schritt, um den Druck auf Obama zu mehr Steuerkonzessionen zu erhöhen. Im Abgeordnetenhaus haben die Republikaner die Mehrheit, im Senat die Demokraten. Um ein Gesetz zu verabschieden, müssen beide Kammern zustimmen.

Auch im Streit darüber, ob der Haushalt eher mit Steuereinnahmen oder Ausgabenkürzungen saniert werden soll, näherten sich die Parteien Kreisen zufolge an. Im Zeitraum von zehn Jahren befürworte Obama um 1,2 Billionen Dollar höhere Einnahmen. Bislang waren es 1,4 Billionen. Die Republikaner wollen traditionell eher Ausgaben streichen .