Wenige Stunden vor Jahresende ist im US-Haushaltsstreitkeine Einigung in Sicht. Der Verhandlungsmarathon in Washington hat das ganze Wochenende angedauert. Doch trotz aller Gespräche und Treffen vor und hinter den Kulissen waren sich Senatoren und Abgeordnete am späten Sonntagabend noch nicht einmal darüber einig, wie weit die Parteien noch auseinander liegen.

Jetzt bleibt die schwindende Hoffnung, dass am Montagnachmittag deutscher Zeit doch noch eine kurzfristige Lösung durch den amerikanischen Kongress gejagt wird. Sonst stürzt Amerika über das sogenannte Fiscal Cliff , eine nie dagewesene Kombination aus automatischen Steuererhöhungen und Budgetkürzungen, die die US-Wirtschaft beinahe über Nacht um bis zu 600 Milliarden Dollar schrumpfen lassen würde. So gut wie alle Volkswirte sind sich einig, dass der Fiscal Cliff die nach wie vor schwache Erholung abwürgen und mit hoher Wahrscheinlichkeit Amerika erneut in eine Rezession versenken würde. Mit bitteren Konsequenzen für Europa und den Rest der Welt .

Dass sich die Politiker trotz eines derartig bedrohlichen Szenarios buchstäblich bis zum letzten Tag und womöglich zur letzten Stunde vor Ablauf der selbstgesetzten Frist nicht zu einem Kompromiss durchringen können, zeigt wie tief der Riss ist, der inzwischen durch Washington und das ganze Land geht. Dahinter stehen fundamental unterschiedliche Überzeugungen, wie die Probleme Amerikas in den Griff zu bekommen sind.

Die Republikaner fordern soziale Einschnitte

Einig sind sich alle Parteien und Experten, dass Amerika sich nicht endlos weiter verschulden kann. Der Schuldenberg beträgt inzwischen 16 Billionen Dollar. Das entspricht einer Nettoverschuldung von 73 Prozent des Bruttoinlandsproduktes und erreicht damit selbst für eine Volkswirtschaft von der Größe der USA einen bedenklichen Bereich.

Die Republikaner wollen deshalb den Staat gesundschrumpfen. Sie fordern einen scharfen Sparkurs, der auch das öffentliche Rentensystem Social Security und Medicare , die staatliche Gesundheitsvorsorge für Rentner, umfassen soll. Die Demokraten dagegen wollen vor allem mehr Einnahmen, um das Haushaltsloch zu stopfen. Deshalb fordern sie, dass vor allem Besserverdiener und Wohlhabende mehr zahlen sollen. Keine Seite war bisher zu größeren Zugeständnissen bereit. Daran hat auch die Wiederwahl von Präsident Obama im vergangenen November nichts verändert.