Der Amoklauf von Newtown im US-Bundesstaat Connecticut hat aufgerüttelt, die Amerikaner diskutieren über mögliche Verschärfungen der Waffengesetze. Schon kurz nach der Tat am Freitag hatte Präsident Barack Obama Konsequenzen angedeutet. Nun beriet er mit Vize-Präsident Joe Biden , Justizminister Eric Holder , Bildungsminister Arne Duncan und Gesundheitsministerin Kathleen Sebelius die nächsten Schritte.

Doch schnell wird sich das liberale Waffenrecht nicht ändern. Ein Sprecher von Obama sagte, der Präsident werde sich in den kommenden Wochen näher zu seinen Plänen äußern. Erschwerend kommt hinzu, dass der Waffenbesitz in etwa 20.000 Gesetzen der einzelnen Bundesstaaten geregelt ist.

Generell befürwortet Obama ein Verbot von Sturmfeuerwaffen in Privateigentum. Die Gesetze für den Besitz dieser halbautomatischen Gewehre könnte am ehesten verschärft werden. Das Bushmaster .223, mit dem der 20-jährige Adam Lanza an einer Grundschule in Newtown 20 Kinder und sechs Erwachsene erschoss, ist die zivile Variante des M16 . Nato-Soldaten kämpfen damit seit dem Vietnamkrieg. Die Waffen, mit denen Lanza tötete, gehörten seiner Mutter Nancy. Sie war sein erstes Opfer.

Die US-Verfassung gibt den Bürgern grundsätzlich das Recht, Waffen zu besitzen und zu tragen. "Weil eine gut organisierte Miliz für die Sicherheit eines freien Staates erforderlich ist, darf das Recht des Volkes, Waffen zu besitzen und zu tragen, nicht beeinträchtigt werden", heißt es im Zweiten Zusatzartikel. Die Frage, wie weit dieses Recht reicht und welchen Beschränkungen es unterworfen werden darf, ist Gegenstand kontroverser Debatten.

Die demokratische Senatorin Dianne Feinstein veröffentlichte Details ihres Plans , das Waffenrecht zu ändern. Dem Entwurf zufolge sollen der Verkauf, der Transfer, die Herstellung sowie der Import von etwa 100 Modellen von Sturmgewehren verboten werden. Auf ihrer Liste stehen halbautomatische Gewehre und Pistolen sowie Magazine mit mehr als zehn Schüssen.

Mehreren Studien zufolge sind in den USA bis zu 300 Millionen Schusswaffen im Privatbesitz – das entspricht fast einer Waffe pro Einwohner. Die Zustimmung zu diesen Verhältnissen sinkt jedoch. Nach dem Amoklauf von Newtown befürworten einer Umfrage zufolge deutlich mehr Bürger schärfere Waffengesetze. Eine am Montag veröffentlichte Erhebung ergab, dass 50 Prozent der Befragten dafür plädierten, den Waffenbesitz strenger zu regeln. In einer Umfrage kurz vor der Tat befürworteten lediglich 42 Prozent einen solchen Schritt.

Das Ausmaß der Tragödie scheint auch einige bisherige Verfechter der Waffenfreiheit zum Umdenken zu bewegen: So schlossen sich die beiden ranghohen Demokraten Joe Manchin, Senator aus West Virginia , und Mark Warner, Senator aus Virginia, der wachsenden Zahl von Politikern an, die das Waffenrecht verschärfen wollen. Bisher waren sie vehemente Gegner von Änderungen.

In der Vergangenheit hatte die Waffenlobby, namentlich die National Rifle Association , eine strengere Regelung des Waffenbesitzes stets zu verhindern gewusst.