Walid Dschumblat"Assad ist mir egal, soll er zur Hölle gehen"

Im Libanon kann sich Drusenführer Walid Dschumblat mit der Assad-treuen Hisbollah arrangieren. Das Regime in Syrien aber will er stürzen sehen, erklärt er im Interview. von 

Walid Dschumblat

Walid Dschumblat  |  © Anwar Amro/AFP/Getty Images

Seit jeher ist die Stabilität im Libanon eng mit der Entwicklung im benachbarten Syrien verbunden. Der syrische Krieg dort wirkt sich längst auf den Libanon aus, wie zuletzt im Oktober das Attentat auf den Assad-kritischen libanesischen Geheimdienstchef Wissam al-Hassan gezeigt hat. Hisbollah , die im Libanon an der Regierung beteiligt ist, unterstützt weiterhin mehr oder weniger offen das Assad-Regime, sunnitische Kräfte aus dem Libanon schlagen sich derweil auf die Seite der Rebellen. Auch an der fragilen libanesischen Regierungskoalition beteiligt ist der einflussreiche Drusenführer und Chef der Progressiven Sozialistischen Partei Walid Dschumblat. Er versucht in dieser Situation, das zerbrechliche Machtgleichgewicht aufrecht zu erhalten und die Auswirkungen der Kämpfe einzugrenzen. ZEIT ONLINE traf ihn, als er auf Einladung der Friedrich-Ebert-Stiftung in Berlin zu Gast war.

ZEIT ONLINE: Wann ist Ihnen klar geworden, dass der syrische Krieg im Libanon angekommen ist?

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Walid Dschumblat: Er ist noch nicht angekommen, aber natürlich haben wir Spannungen . Zu den Auswirkungen des syrischen Bürgerkriegs gehören die Zusammenstöße in Tripoli, weil wir dort eine kleine Gemeinschaft von Alawiten haben. Und es gibt einige radikale muslimische Gruppen, die sich dort an den Alawiten rächen wollen. Aber das ist ein altes Problem , das zurückgeht auf Jahrzehnte der Unterdrückung zu der Zeit, als die Syrer im Libanon waren.

ZEIT ONLINE: Also sind die aktuellen Spannungen keine neue Entwicklung.

Dschumblat: Nein. Dazu kommt, dass – wie soll man sie nennen? – Freiheitskämpfer vom Libanon aus nach Syrien gehen, um in der Region von Homs zu kämpfen. Und dann ist da Hisbollah , die ebenfalls in die Kämpfe in Syrien eingreift. Und die unter dem Einfluss der Iraner das Regime stützt. Als Regierung versuchen wir, die Auswirkungen der syrischen Krise auf libanesischen Boden so weit es geht einzudämmen. Aber es gibt Gruppen in der Bevölkerung und in der Regierung, die in Syrien kämpfen. Und die in Tripoli kämpfen.

ZEIT ONLINE: Sie sind angesichts der vielen ethnischen und religiösen Konfliktlinien beinahe gezwungen, Partei zu ergreifen.

Dschumblat: Die Regierung, der ich angehöre, ist getragen von einer bizarren Koalition, mit Hisbollah , Aounisten, Zentristen... Aber wir haben es geschafft, mit Hisbollah einen Dialog zu führen. Ihnen zu sagen, dass wir unterschiedlicher Meinung über die Krise in Syrien sind: Ihr unterstützt das Regime, wir unterstützen das Volk; aber lasst uns die Differenzen politisch betrachten. Wir reden miteinander.

ZEIT ONLINE: Das klingt alles sehr vernünftig: politischer Dialog, Differenzen… Lässt sich Hisbollah darauf ein?

Dschumblat: Ja, wir sind in regelmäßigem Kontakt. Sehen Sie, ich repräsentiere eine Partei, aber zugleich auch eine sehr kleine Gemeinschaft, die sechs Prozent der Bevölkerung ausmacht. Ich kann mir mit niemandem einen Konflikt erlauben. Wir müssen zusammenleben im Libanon, anders geht es nicht.

ZEIT ONLINE: Ist das auch der Grund, warum Sie so oft ihre Verbündeten wechseln? Auch mit Hisbollah hielten Sie es mal so, mal so.

Dschumblat: Die Umstände zwingen mich dazu, ja. Es ist eben nicht so, als könnte der Libanon sein Schicksal selbst entscheiden.

ZEIT ONLINE: Sie sprechen vom Einfluss aus dem Ausland.

Dschumblat: Ja, das ist der Fluch der Geographie: Auf der einen Seite die Israelis, auf der anderen Seite die Syrer und dann die Iraner. Einige arabische Staaten versuchen inzwischen, den iranischen Einfluss im Libanon zu verringern.

ZEIT ONLINE: Wie lassen sich diese Mächte ausbalancieren?

Dschumblat: Das geht nicht, diese Aufgabe ist einfach zu groß für uns. Sie ist wirklich zu groß.

ZEIT ONLINE: Das klingt resigniert.

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    • Schlagworte Hisbollah | Bevölkerung | IRA | Libanon | Syrien | Regierung
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