Regeneration von verseuchtem Boden nahe einer Metallhütte bei der Stadt Tianying in der chinesischen Provinz Anhui. © REUTERS/David Gray

Am 5. Dezember ist Weltbodentag – doch wen interessiert das? Erschließt sich der Sinn beispielsweise des gerade begangenen Welt-Aids-Tages von selbst, sorgt das inflationäre Ausrufen von Welttagen, internationalen Jahren und UN-Dekaden oft nur noch für Achselzucken. Das weiß auch die Welternährungsorganisation ( FAO ), die den bislang nur von Bodenwissenschaftlern begangenen Weltbodentag in diesem Jahr erstmals als offiziellen Welttag der Vereinten Nationen anerkennen lassen will.

Tatsächlich ist dieses Ansinnen aber weit weniger banal, als es zunächst den Anschein hat, denn anders als beispielsweise Agrarwirtschaft, Bergbauunternehmen oder Bauindustrie haben Böden keine nennenswerte Lobby in Politik und Wirtschaft. Im Gegenteil: Böden erscheinen uns so selbstverständlich wie die Luft, die wir atmen. Genau darin liegt das Problem, auf das der Weltbodentag aufmerksam machen will. Entgegen der landläufigen Wahrnehmung gibt es Böden nicht wie Sand am Meer – im Gegensatz zur Atemluft sind sie nicht nur endlich, sondern sogar knapp. Durch Verschmutzung, Erosion und Versiegelung werden sie täglich knapper.

Böden sind nur in der Theorie ein nachwachsender Rohstoff: der natürliche Aufwuchs von zwei Zentimetern guter Humuserde dauert rund 500 Jahre – der menschliche Bodenverbrauch ist ungleich rasanter. Nach Angaben der FAO gehen jährlich 24 Milliarden Tonnen fruchtbare Bodenkrume verloren. Das sind mehr als drei Tonnen pro Kopf der Weltbevölkerung! Die UN-Umweltbehörde (UNEP) schätzt, dass allein durch Bodenerosion jährlich bis zu fünf Millionen Hektar nutzbarer Landfläche verloren gehen, was etwa der Fläche Niedersachsens oder der Slowakei entspricht. Auch wenn die wissenschaftlichen Schätzungen über das Ausmaß der globalen Bodendegradation je nach Methode unterschiedlich ausfallen, besteht grundsätzliche Einigkeit darüber, dass die Bodendegradation weltweit rapide voranschreitet.

Agrarproduktion braucht zwingend fruchtbare Böden

Wir bebauen unsere Böden ganz selbstverständlich mit Häusern, Straßen, Fabriken und Shopping Malls; wir pflanzen und ernten darauf unsere Grundnahrungsmittel und weiden unser Vieh; wir legen sie trocken und belasten sie mit Düngemitteln, Pestiziden und giftigen Chemikalien nicht zuletzt durchwühlen wir sie nach kostbaren Bodenschätzen. Spätestens hierbei sollte auffallen, dass Böden weder beliebig austauschbarer Dreck noch im Überfluss vorhanden sind. Das Beispiel der sogenannten Seltenen Erden – hierzu zählen unter anderem die in der High-Tech-Industrie bedeutsamen Elemente Gallium, Indium, Germanium und Scandium – veranschaulicht dies deutlich. Die Nachfrage nach diesen Stoffen wird deren Produktion absehbar deutlich übersteigen. Im globalen Wettbewerb um diese Rohstoffe spielen umwelt- und entwicklungspolitische Erwägungen gegenüber wirtschaftlichen Interessen keine Rolle.

Die unmittelbar entwicklungspolitische Relevanz von Böden wird ohnehin ungleich augenfälliger, betrachtet man ihre Bedeutung für die Welternährung. Die Bekämpfung von Hunger und Unterernährung bedarf angesichts der weiter wachsenden Weltbevölkerung einer steigenden Agrarproduktion ; eine ertragreiche Agrarproduktion braucht wiederum zwingend fruchtbare Böden. Eine beliebige Ausdehnung landwirtschaftlicher Nutzflächen – wie sie durch die Umwandlung von Regenwäldern und Feuchtgebieten gegenwärtig dynamisch voranschreitet – verbietet sich aber schon aus Gründen des Klima- und des Naturschutzes. Der weltweit steigende Nahrungsmittelbedarf müsste demnach noch stärker als bisher durch eine intensivere Bewirtschaftung der bereits vorhandenen Produktionsflächen erfolgen.