Die Enthüllungsplattform WikiLeaks will nach Aussage ihres Mitgründers Julian Assange im kommenden Jahr eine Million Dokumente veröffentlichen. Die Veröffentlichungen würden "alle Länder der Welt betreffen", sagte Assange in einer etwa zehnminütigen "Weihnachtsansprache" vom Balkon der ecuadorianischen Botschaft in London aus. Rund hundert Anhänger applaudierten dem Australier zu, der seit Juni in dem Gebäude festsitzt. Zudem sagte Assange, er sei bereit, jeden zu empfangen, der mit ihm über die Lösung der Situation sprechen wolle. "Die Tür ist offen und sie war immer offen, für alle, die mit mir unter normalen Umständen sprechen wollen und die mir freies Geleit geben wollen", sagte er.

2012 bezeichnete Assange als "großes Jahr", in dem WikiLeaks Dokumente über Syrien und zu anderen Themen veröffentlicht habe. Zudem kritisierte er die Regierung der USA und anderer westlicher Länder. "Wahre Demokratie gibt es nicht im Weißen Haus", sagte er. Wahre Demokratie sei vielmehr der "Widerstand von Menschen, die mit der Wahrheit gegen Lügen vom Tahrir bis London bewaffnet sind". Der Tahrir-Platz in Kairo gilt als einer der Schlüsselorte des Aufstands in Ägypten .

Der ecuadorianische Botschafter erklärte seine Solidarität mit Assange und sagte, Assange werde "verfolgt, weil er frei denkt und sich frei ausdrückt". Assange sei zu einem geschätzten Gast in der Botschaft geworden. Sollte er das Gebäude verlassen, droht ihm die Festnahme durch die britische Polizei. Gegen Assange liegt ein Auslieferungsbefehl an Schweden vor, wo ihm Sexualdelikte vorgeworfen werden. Er fürchtet vor allem eine Auslieferung an die USA , weil er fürchtet, es könne ihm die Todesstrafe drohen.


Ecuadors Außenminister Ricardo Patiño bekräftige in einem Fernsehgespräch, seine Regierung werde weiterhin auf einer diplomatischen Lösung bestehen . Juristische Maßnahmen seien möglich, aber sehr langwierig. Patiño forderte Großbritannien auf, Bedingungen für eine Ausweisung Assanges nach Schweden aufzustellen, damit er dort unter gewissen Garantien aussagen könne. "Dies könnte den Fall erleichtern", sagte er.

Durch die Veröffentlichung geheimer Informationen zu den Kriegen im Irak und in Afghanistan sowie von rund 250.000 vertraulichen Diplomatendepeschen hat WikiLeaks den Zorn der US-Regierung auf sich gezogen.