Rebellen-Vormarsch : Rufe nach militärischer Hilfe in Zentralafrika

In der Zentralafrikanischen Republik rücken Rebellen auf die Hauptstadt Bangui vor. Der Präsident bittet Frankreich und die USA um Hilfe, doch diese lehnen ab.
Demonstranten nahe der französischen Botschaft in Bangui, der Hauptstadt der Zentralafrikanischen Republik © Stringer/Reuters

Angesichts des Vormarsches von Rebellen in der Zentralafrikanischen Republik hat Präsident François Bozizé die ehemalige Kolonialmacht Frankreich und die USA um militärische Hilfe gebeten. Frankreich werde sich jedoch "in keiner Weise in die inneren Angelegenheiten des Landes einmischen", sagte Präsident François Hollande . Die USA schließen unterdessen ihre Botschaft.

Tausende Menschen sind in der Zentralafrikanischen Republik derzeit auf der Flucht, nachdem ein Bündnis mehrerer bewaffneter Milizen strategisch wichtige Städte eingenommen hat. In der Hauptstadt Bangui war die Lage am Donnerstag angespannt, berichteten Augenzeugen. Die medizinische Versorgung der Bevölkerung werde immer schwieriger, sagte ein Mitarbeiter der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen am Telefon.

Nach Informationen von Radio France International sind die Rebellenverbände in den vergangenen Tagen bis auf 300 Kilometer Richtung Bangui vorgerückt. Die Rebellen wollen Präsident Bozizé stürzen, weil dieser eine Friedensvereinbarung aus dem Jahr 2007 gebrochen haben soll. Am vergangenen Sonntag waren sie in Bambari einmarschiert, der drittgrößten Stadt des Landes. Zuvor hatten sie bereits wichtige Bergbaugebiete im Westen unter ihre Kontrolle gebracht.

Die militärische Präsenz Frankreichs in der Zentralafrikanischen Republik solle nicht "ein Regime beschützen", sagte Präsident Hollande. Ziel sei es, französische Staatsangehörige in dem Land zu schützen. Nach Angriffen von Demonstranten hatte Frankreich am Mittwoch seine Botschaft bereits mit Soldaten gesichert. Die Demonstranten sollen gegen Frankreichs Passivität in dem Konflikt protestiert haben.

USA und Vereinte Nationenziehen Mitarbeiter ab

Die USA haben wegen des Vormarsches ihre Botschaft in Bangui vorübergehend geschlossen. Wie das US-Außenministerium auf seiner Internetseite mitteilte, verließen der US-Botschafter und seine Diplomaten die Stadt. Die Entscheidung sei allein aus Sorge über die Sicherheit der Botschaftsmitarbeiter getroffen worden. Sie habe keinen Einfluss auf die diplomatischen Beziehungen zum Land selbst, teilte das US-Außenministerium mit.

Auch die Vereinten Nationen ziehen alle nicht unbedingt vor Ort benötigten Mitarbeiter aus dem Land ab. Die ersten von ihnen hätten das Land bereits verlassen, teilte die Leiterin des UN-Entwicklungsprogramms, Helen Clark , per Kurznachrichtendienst Twitter mit.

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Kommentare

13 Kommentare Seite 1 von 2 Kommentieren

Fehleinschätzung

Wenn Hollande sagt: "Ziel sei es, französische Staatsangehörige in dem Land zu schützen." dann spiegelt er damit die Haltung vieler Europäer gegenüber dem afrikanischen Kontinent. Dabei wird außer Acht gelassen, dass uns der gesamte Kontinent interessieren muss, und nicht nur die Rohstoffe (s. z. B. Kongo) oder Wirtschaftswege (s. z. B. Somalia). Wenn wir so weiter vorgehen, und beispielsweise einfach ganze Staaten zerfallen lassen, dann fällt uns das irgendwann auf die Füße. Es fehlt an koordiniertem und durchsetzungsstarkem Einsatz – und leider auch am Willen vieler afrikanischer Politiker, um das zu ändern. So wird es wohl bei diesen und anderen schrecklichen Meldungen bleiben, s.http://www.zeit.de/politi... http://www.zeit.de/politi... http://www.zeit.de/politi... usw.

Opfer wohlmeinender Ideologie

Die Unabhängigkeitsideologie besagt, daß einheimische Despotie oder Anarchie der Fremdbestimmung stets vorzuziehen seien. Die jetzigen Generationen baden nun aus, was unter Federführung der Vereinten Nationen in Allianz mit lokalen "Befreiungsbewegungen" seit Mitte des vorigen Jahrhunderts herrschende Doktrin geworden war: Die Imperialisten rauswerfen, und alles werde gut. Woher dieser Optimismus kam, erscheint im Rückblick schleierhaft.

Da ändert sich gar nichts

Solange die Grenzen in dem Kontinent so bleiben, solange verfeindete Stämme in ein Staatswesen gepresst werden, solange die Korruption existiert,.... wird sich da nichts ändern. Leider. Die alten Kolonialmächte haben absichtlich einen Scherbenhaufen hinterlassen. Aufräume müssend die Afrikaner aber selbst, wenn sie endlich selbstbestimmt leben wollen.

Mir fehlt in dem Artikel ein wenig Hintergrundinfo. Wer steht denn da für was? Zu wem hält welcher Bevölkerungsteil? Etc.etc...

"Mir fehlt in dem Artikel ein wenig die Hintergrundinfo.."

Sehr schön formuliert, mir auch. Wahrscheinlich geht ZON davon aus, dass jeder sofort weiss, dass die Zentralafrikanische Republik an den vor kurzem neu geschaffenen Staat "Südsudan" grenzt, und zwar konkret an die dortige Region Bahr al-Ghazal (http://de.wikipedia.org/w...), in dessen westlichem Teil Wau (also genau an der Grenze) seit ein paar Wochen "Unruhen" herrschen (http://reliefweb.int/repo...)

Überschrift

Da ging was schief, falsche Taste gedrückt ;) Ich warte immer noch auf die Editierfunktion, mit der man sowas wieder bereinigen kann.

Zum Thema: Ihre (y5rx) Sicht ist recht eigenartig. Ich gehe mal grundsätzlich davon aus, dass Sie Rassismus und Xenophobie ablehnen und hier in Deutschland auch dagegen argumentieren. In Afrika ist das dann aber völlig in Ordnung? Nichts anderes heißt es nämlich den ehemaligen Kolonialmächten aufgrund willkürlicher Grenzen die Schuld an heutigen Unruhen zu geben. Die Schuld liegt zum größten Teil bei denen, die sich gegenseitig die Köpfe einschlagen, warum schaffen DIE es nicht unabhängig von ihrer ethnischen Zugehörigkeit friedlich miteinander zu leben? Das ist rückständig und viele andere afrikanische Staaten zeigen, wie es doch geht: Ghana, Sierra Leone (mittlerweile) etc.

Dann will man von den ehem. Kolonialmächten nichts mehr wissen, also auch keinerlei Einmischung, selbst bei Bürgerkriegen - aber in Ruanda und Sierra Leone dann doch. Wie man's macht, macht man's falsch ...

Das mit dem Scherbenhaufen ist auch nicht generell richtig. Viele Länder wurden mit einer funktionierenden Verwaltung und für die damalige Zeit guten Transportnetzwerken etc. hinterlassen, Rhodesien (heute Zimbabwe) war nach dem Ende des dortigen Regimes eines der modernsten Länder, bis es von seinen neuen Herren heruntergewirtschaftet wurde. Natürlich gibt es auch Gegenbeispiele, z.B. das Verhalten der Belgier im post-kolonialen Kongo.

Devide&Conquer

Ich denke nicht, dass man diese Kritik an den Europäern als Xenophob abtun kann. Europäer haben diese Länder lange Zeit beherrscht, was nicht immer zum Vorteil der Bevölkerung war. In ähnlicher weise gibt es in ehmaligen Ostblockstaaten Antipatien gegen Russen, in Armeinien gegen Türken usw... Das geht auf die blutige Geschichte zurück, das kann man mit Rassismus gegen Schwarze und Sinti&Roma (was sie andeuten, zumindestens klingt ihre Formulierung so) nicht vergleichen.

Was die willkürlichen Grenzen angeht: Selbst wenn es keine Absicht, nach dem Motto "Teile und Herrsche", war, so war ein solches vorgehen doch ziemlich fahrlässig! So legten sie Zündstoff für spätere Konflikte.

Und naja, diese Betrachtungsweise "Europäer sind an allem schuld" ist vielleicht auch etwas zu primitiv: Kolonien, wo Europäer verblieben sind (Austrlien, Neuseeland, Südkorea), haben sich ja gut entwickelt. Allerdings war es ja auch eher das Prinzip: "Unseren Freunden helfen wir, den Rest überlassen wir dem Schicksal"