50 Jahre Élysée-VertragDeutschland und Frankreich müssen auf Augenhöhe sein
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Bereitschaft zu Kompromissen gehört dazu

Berlin muss deutlich machen, dass es ihm ernst ist mit der grenzüberschreitenden Partnerschaft. Dies kann nur gelingen, wenn es weitreichende Initiativen für den Europäischen Rat im Dezember 2013 formuliert. Berlin und Paris könnten die Einführung eines Europäischen Verteidigungssemesters vorschlagen. Analog zum Europäischen Semester für die Koordinierung der Wirtschaftspolitik könnte dieses Instrument die Haushaltsdisziplin im Verteidigungsbereich sicherstellen. Zudem könnte es frühzeitig Überschneidungen der Mitgliedstaaten identifizieren und diese sinnvoll zusammenführen. Ein weiterer Meilenstein könnte ein gemeinsamer Vorschlag zur Ernennung eines EU-Kommissars für Verteidigungspolitik sein.

Zudem sollten Berlin und Paris konkrete Initiativen zur "Ständigen Strukturierten Zusammenarbeit" in der Sicherheits- und Verteidigungspolitik formulieren. Sie sollten Schritte bestimmen, die den Weg zu einer europäischen Armee öffnen und damit der zuletzt von Bundeskanzlerin Angela Merkel formulierten Vision sicherheits- und verteidigungspolitischer Integration Glaubwürdigkeit verleihen.

Die Machtposition, die Deutschland innerhalb der EU durch die Verschuldungskrise gewonnen hat, kann schnell unbequem werden – auch für Deutschland selbst. Dass die Deutschen bei ihren europäischen Partnern Überzeugungsarbeit leisten wollen, ist legitim und wünschenswert. Dabei dürfen sie aber nicht vernachlässigen, ihnen auch zuzuhören und sie einzubeziehen. Dies gilt insbesondere für den alten Partner Frankreich. Zu einer Zusammenarbeit auf Augenhöhe gehört die Bereitschaft zu Kompromissen und auch ein gewisses Maß an Demut.

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Leserkommentare
  1. Der gegenwärtige Militäreinsatz in Mali dürfte für viele Franzosen auch eine psychologische Dimension haben, in dem Sinne, dass damit von der betrüblichen Wirtschafts- und Finanzschwäche Frankreichs abgelenkt wird.

    Für Deutschland gilt, dass sich die BRD mal langsam ein richtiges außen- und sicherheitspolitisches Konzept zulegen sollte. Darüber hinaus muss D sich auch stärker engagieren, zwei Transportmaschinen sind da nicht ausreichend. Eine richtige europäische Armee wäre zu begrüßen, ein solches "pooling" von Kräften wäre nicht nur aus sicherheitspolitischen, sondern auch aus finanziellen Gründen sinnvoll.

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    das aussenpolitische Konzept von D zu definieren, wage ich zu bezweifeln. Man könnte es angehen, aber dann müssten ganz viele seit den 70ern ungelöste Konflikte mit aufgearbeitet werden. Ich sage nicht, dass das nicht geht, aber es wäre schwierig: nachdem gewisse Kräfte ja offenbar daran arbeiten, den Konflikt auf Algerien auszuweiten, müssten wir Deutschen uns z.Bsp. mal wieder das alte Doku-Drama "Algier" anschauen (Lieblingsfilm von Andreas Baader)

  2. aber das kann man ja kaum mal eben herbeideklarieren, wenn die (wirtschaftliche) Realität eine andere ist.
    Eine ambitionierte Außenpolitik ist übrigens nicht unbedingt ein Attribut der Macht.

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  3. ... steht außer Frage und wird sicherlich von beiden Ländern weitestgehend geteilt - doch wie?

    Die Koordinatensysteme sind nicht die gleichen, z.B. gibt es in Deutschland große Bedenken bis weit ins konservative Lager gegen die Militäraktionen Frankreichs in Afrika (Lybien, Mali,usw.), während in Frankreich selbst Konservative die Arbeitsmarktreformen - wie die Agenda 2010 - durchaus kritisch sehen.

    Ferner leidet das französische Ego schon sehr unter den wirtschaftlichen Erfolgen Deutschlands - wenn es umgekehrt wäre, wäre es sicherlich nicht anders. Aber das sind nur einige Klippen auf dem Weg zu einer besseren und intensiveren Zusammenarbeit, die unbedingt notwendig ist.

    Nur eine einseitige Rolle Deutschlands als Zahlmeister für Wohltaten der französischen Regierung wird nur zu einen Konflikten und zu einer zunehmenden Entfremdung führen.

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  4. Dieser Artikel bringt es auf den Punkt, woran das Verhältnis gestört ist. Leider ist es nun mal so, dass Deutschland wirtschaftlich stärker ist als Frankreich - und dass das Militärische immer weniger wichtig wird.

    Hier ist offensichtlich der Wunsch (nach "Augenhöhe") stärker als die Realität, und das kann nicht gutgehen... Dies wissen (im Hinterkopf und im Unterbewusstsein) alle, besonders die Franzosen.

    Um es im Fussball auszudrücken: Jedesmal wenn ein deutscher Bundesliga-Verein in den letzten vierzig Jahren meinte, er sei "auf Augenhöhe" mit den Bayern, folgte kurz darauf der Abstieg, sei es Gladbach, HSV, Köln, Werder, Dortmund (90er Jahre), Leverkusen etc... Die Liste ist lang!

    Frankreich sollte es machen wie Dortmund (jetzt) - sich auf sich selber konzentrieren und Vergleiche unterlassen. Das wäre für alle besser.

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    • dacapo
    • 22. Januar 2013 16:21 Uhr

    Entfernt. Bitte bleiben Sie beim Artikelthema. Danke, die Redaktion/jz

  5. ist eine systemrelevante, aufgezwungene Pseudo-Freundschaft, basierend auf der Staatsdoktrin Deutschlands als dem ewig Schuldigen.

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    auch immer noch.

    Gott sei Dank nur noch wenige, den meisten ist, wie mir, ein freundschaftlicher Umgang mit unserem "Erbfeind" sehr wichtig.

    • Pangea
    • 22. Januar 2013 12:07 Uhr

    Bitte verzichten Sie auf persönliche Angriffe. Danke, die Redaktion/mo.

    Oder wie mein ziemlich deutscher Urgrossvater gesagt hätte: à la bonne heure! So verkürzt kann man 12 Jahrhunderte gemeinsamer Geschichte also auch darstellen

    • mcking
    • 22. Januar 2013 12:53 Uhr

    was sie da schreiben. Ich wollte heute nicht in Karlsruhe am Rhein wohnen und wissen, dass jederzeit eine französische Rakete in mein Haus einschlagen kann.
    Danke, dass wir Freunde sind und gezwungen wurde ich dazu ganz sicher nicht. In KA arbeiten in fast jeder Firma auch Franzosen, dort entwickeln sich über die Jahre sehr gute Freundschaften auch bei Daimler (LKW) in Wörth kenne ich viele Franzosen. Da passt schon!

    ...ist Programm. 'Nuff said.

    • Acaloth
    • 22. Januar 2013 11:25 Uhr

    Deutschland hat 20 MILLIONEN Einwohner mehr....schon allein vom demokratischen Gewicht her ist man NICHT auf Augenhöhe.

    Weder Frankreich noch Grossbritannien haben dies Komrpomissbereitschaft oder dieses "gewisse MAß an Demut" man fordert von Deutschland de facto die eigenen Interessen hint an zu stellen während die anderen beiden ihre eigenen Interessen dann auf Kosten Deutschlands durchsetzen.

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  6. Das wäre nur allzu konsequent. Durch den ESM haben wir ja schon einen gesamteuropäischen Schuldensozialismus geschaffen. Da ist es doch nur allzu folgerichtig, das deutsche Gold nach den Prinzipien des Sozialismus zu verteilen. Die Fleissigen geben alles den Faulen, die Reichen geben alles den Armen.

    Nur die "Elite" bleibt bei diesem sozialistischen Spiel mit der "Normalbevölkerung" aussen vor.

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    • Bashu
    • 22. Januar 2013 14:40 Uhr

    Die ja in dieser Krise so viel leiden mussten.

    Ich wüsste nicht, dass in Europa weniger Porsches und Lamborghinis verkauft werden. Was ich aber weiß, ist dass seit Hartz IV viele Menschen in Deutschland kein menschenwürdiges Leben mehr führen können.

    Völlig realitätsfern ihr Beitrag.

    • Marula
    • 22. Januar 2013 11:28 Uhr

    Das ist sehr voreilig, eine europäische Verteidiungs- und Sicherheitspolitik zu fordern, nur um der französischen vermeintlichen "Stärke", dem Willen und der Fähigkeit z schnellen Kampfeinsätzen mehr Geltung zu verschaffen. Dazu liegen die europäischen Regierungen in dieser Frage auch zu weit auseinander.
    Man sollte sich doch zunächst auf das unbedingt Erforderliche konzentrieren und das ist nun mal die problematische Währungsunion. Ob das nun das französische Selbstbild ankratzt oder nicht, kann nicht ausschlaggebend sein. Es muss nun mal gemacht werden und damit sind alle schon genug beschäftigt.
    Der umstrittene Parlamentssitz in Straßburg wäre ein Zeichen Frankreichs, auch mal verzichten zu können auf große Selbstdarstellung zu Gunsten der Bürger.
    Nicht umsonst ist die deutsche Regierung so bemüht um Großbritannien, weil sie sich in einem Europa "alleine" mit Frankreich und anderen größeren Ländern aus Südeuropa - Italien und Spanien - nicht heimisch fühlen kann. So viele Gemeinsamkeiten gibt es eben doch nicht.
    Probleme anpacken statt gegenseitig Eitelkeiten befriedigen - das wäre die größte Motivation für die Bürger, sich mit Europa zu identifizieren.

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