Zweistaatenlösung Israel hat den Nahostkonflikt entpolitisiert

Echte Verhandlungen mit den Palästinensern sind unter einer rechten Netanjahu-Regierung unwahrscheinlich. Die Linke will das zwar, weiß aber nicht wie.

Apartements der Siedlung Maale Adumim im Westjordanland nahe Jerusalem

Apartements der Siedlung Maale Adumim im Westjordanland nahe Jerusalem

Knapp vier Jahre war die letzte Regierung Netanjahu im Amt. In dieser Zeit hatte sie es geschafft, Israel durch ihre Haltung zu Nahost-Verhandlungen international zunehmend zu isolieren. Nun steht eine weitere Amtszeit Netanjahus an und eine Lösung der Palästinenser-Frage scheint in weite Ferne gerückt. Sie ist aber bis heute eines der Grundprobleme des Staates Israel und hängt stark mit der Staatsräson der zionistischen Parteien zusammen, links wie rechts.

Tamar Amar-Dahl

ist eine israelisch-deutsche Zeithistorikerin. Zurzeit arbeitet sie als Junior Fellow am Alfried Krupp Wissenschaftskolleg Greifswald. Ihr jüngstes Buch "Das zionistische Israel. Jüdischer Nationalismus und die Geschichte des Nahostkonflikts" erschien kürzlich im Schöningh-Verlag.
 

Es wird immer offensichtlicher, dass Israel das Konzept der Zweistaatenlösung grundsätzlich – sprich aus ideologischen und sicherheitspolitischen Gründen – ablehnt. Die Regierung Netanjahu machte sich nicht einmal mehr die Mühe, dies zu verbergen. Und vor allem wird auch deutlich, dass die Ablehnung der Zweistaatenlösung längerfristig das zionistische Konzept gefährdet – da es als jüdischer Staat zu den vorherrschenden bi-nationalen Verhältnissen in Palästina nicht aufrechtzuerhalten wäre.

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Zionistisch sind jene Parteien, welche die zionistische Staatsräson "Ein jüdischer Staat für das jüdische Volk in Erez Israel" ihrer politischen Arbeit zugrunde legen. Die Linken unter ihnen haben trotz dieses Verständnisses eine sogenannte Friedensideologie. Das heißt, der Linkszionismus will angesichts der bi-nationalen Demografie Palästinas die Option einer Verständigung mit dem Nachbarvolk nicht ganz ausschließen, er ist bereit einen beschränkten territorialen Kompromiss in den palästinensischen Gebieten zu machen, sollte ein Gesprächspartner auf der anderen Seite zu finden sein. Doch ist er keineswegs bereit, auf die zionistische Staatsräson zu verzichten. Dies macht die Friedensideologie aus.

Rechtszionisten lehnen die Friedensideologie von vornherein ab

Zu den linkszionistischen Gruppierungen gehören im heutigen Politspektrum Israels traditionell die Arbeiterpartei unter der Führung Shelly Yachimovich sowie die bei dieser Wahl triumphierende Jesh Atid ("Es gibt eine Zukunft") des Journalisten Yair Lapid. Dazu kommen noch Meretz, die die Trennung von Staat und Religion anstrebt, sowie die zwei neu gegründeten Parteien "Die Bewegung" unter Tzipi Livni und Kadima unter Ex-General Shaul Mofaz.

Die rechtzionistischen Parteien dagegen – am bekanntesten sind die Listenverbindung "Likud Israel Beitenu" von Netanjahu und seinem ehemaligen Außenminister Avigdor Liebermann, sowie die religiösen Zionisten "Das jüdische Haus" des Aufsteigers Naftali Benett – teilen mit den Linkszionisten das Staatsverständnis, lehnen aber die Friedensideologie von vornherein ab. Sie halten sie für eine Illusion: Eine Normalisierung der Verhältnisse zwischen Juden und Arabern sei nicht umsetzbar, daher nicht anstrebenswert. Zumal diese mit einem territorialen Preis eingehen muss, was für sie ohnehin ein Verrat an ihrem Staatsverständnis ist. Kurzum: Während die Rechtszionisten sich nicht leisten können, an den Frieden zu glauben, wollen die Linkszionisten auf die ursprüngliche Idee des Zionismus vom Ende des 19. Jahrhunderts nicht verzichten – die Normalisierung der Verhältnisse zu den Nichtjuden.

Leser-Kommentare
    • Bashu
    • 01.02.2013 um 17:58 Uhr

    Frau Amar-Dahl schreibt, es werde keine Kompromisse geben, die den Zionismus - ein jüdischen Staat in einem jüdischen Land - gefährden.
    Ebensowenig werde der Rechts-zionismus auf besetzte Gebiete verzichten.
    Derweil werden unter dem Schutz der Armee weiter Siedlungen gebaut.

    Warum wird nicht offen ausgesprochen, was das bedeutet?
    Ich lese aus diesem Text, dass Israel durch die Siedlungen schlicht eine neue Realität schafft: Wenn es überall im Land jüdische Siedlungen gibt und die Palästinenser überall zu einer Randerscheinung geworden sind, wird es gar keinen Nahostkonflikt mehr geben.

    Deshalb: keine Politik, keine Angebote, keine Gespräche. Die Zwei-Staatenlösung ist tot, aber in Europa scheint's noch niemand gemerkt zu haben...

    8 Leser-Empfehlungen
    • antlew
    • 02.02.2013 um 16:25 Uhr

    gegen seine Kompetenz?
    Wie üblich versuchen Sie es mit Quellendiffamierung, anstelle von sachlicher Rhetorik.

    7 Leser-Empfehlungen
    Antwort auf "Nicht nur,"
  1. Die Tatsache, dass nicht alle Kurden offen dafür plädieren, hat mit dem türkischen Staatsterror zu tun.

    7 Leser-Empfehlungen
    Antwort auf
    • antlew
    • 02.02.2013 um 20:02 Uhr

    "Ahnen aus Judäa
    Neue genetische Analysen deuten auf eine gemeinsame Abstammung aller Juden hin, obwohl viele seit langer Zeit auf unterschiedlichen Kontinenten leben....
    Zuletzt löste der Neuhistoriker Shlomo Sand von der Universität Tel Aviv heftige Kontroversen aus: In seinem Buch "Die Erfindung des jüdischen Volkes", das vor kurzem auch in Deutschland erschienen ist, behauptet er, dass es das Exil nach der Zerstörung des Ersten und Zweiten Tempels in Judäa gar nicht gegeben hätte. Die Idee eines jüdischen Volkes mit gemeinsamen Wurzeln sei eine Erfindung deutsch-jüdischer Historiker des 19.Jahrhunderts.

    Tatsächlich hätten sich nicht die Nachfahren der jüdischen Exilanten und Vertriebenen über die Welt ausgebreitet, sondern nur deren Religion als Folge jüdischer Missionstätigkeit in der Antike und im Mittelalter. So seien etwa die Jiddisch sprechenden Juden in Osteuropa die Nachfahren von bekehrten Chasaren, einem Turkvolk aus Zentralasien. Abraham sei so wenig der Stammvater der Juden wie Hermann der Cheruskerfürst der Urahn der Deutschen. Tatsächlich seien am ehesten noch die heutigen Palästinenser die biologischen Nachfahren der antiken Juden. Allerdings erfuhr Sand bereits viel Kritik aus der Zunft der Althistoriker.

    Nun widersprechen auch die neuen Genanalysen Sands Thesen mit großer Deutlichkeit."

    http://www.sueddeutsche.d...

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    Antwort auf "also..."
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    • antlew
    • 03.02.2013 um 12:18 Uhr

    hier der richtige Link zu den Genanalysen, welche u.a. die Thesen Shlomo Sands, von der "Erfindung des jüdischen Volkes" als Topos des widerlegen

    http://www.sueddeutsche.d...

    • antlew
    • 03.02.2013 um 12:18 Uhr

    hier der richtige Link zu den Genanalysen, welche u.a. die Thesen Shlomo Sands, von der "Erfindung des jüdischen Volkes" als Topos des widerlegen

    http://www.sueddeutsche.d...

  2. 5. Danke

    für diesen sachlichen Abriss über den Zustand des Zionismus und seine Ausrichtung im Hier und Jetzt. Danke, Tamar Amar-Dahl, dass Sie dem Zionismus etwas Farbe gegönnt haben. Er ist nicht so monolithisch, wie die erklärten "Antizionisten" hier im Forum immer "vermitteln" wollen. Zionismus ist vielfältig, demokratisch und moderner, als es die meisten "Israelkritiker" wahrhaben wollen. Nochmals ein Dank für diesen Artikel.

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    • 50AE
    • 01.02.2013 um 22:34 Uhr

    Wofür? Das Amar-Dahl ihre Staatsbürgerschaft wegen Israels "Kriegspolitik" weggeworfen hat und nun "Deutsche" sein will?
    Das glaub ich Ihnen nicht.

    Das Apartheidsregime in Südafrika war eine Demokratie.
    Die USA waren zur Zeit der Sklaverei und Seggregation eine Demokratie.
    Die Kolonialmächte England, Frankreich und die Niederlande waren Demokratien. Yugoslavien und Ruanda waren ebenfalls Demokratien.
    Also eine Demokratie ist nicht unbedingt besser geeignet, um solche Probleme zu lösen.

    Für Israel gilt sogar: Rund ~1/3 der Bevölkerung profitiert direkt von der Vertreibung/Ermordung der Palästinenser. Mit jeder neuen Siedlung wird dieser Anteil größer. Ein weiterer Teil profitiert von den billigen Arbeitskräften.

    Wenn man dazu noch die ideologisch Verblendeten hinzunimmt, dürfte es unmöglich sein, gegen so eine starke Masse eine erfolgreiche Politik machen zu wollen. Die Ermordung Rabins ist genau diesem Kontext zuzuordnen. Da mögen ja einige Linke immernoch vom Frieden und Ausgleich mit den Palästinensern und Nachbarn träumen, die notwendigen Konsequenzen zu diskutieren, trauen die sich nicht.

    Israel gleicht immer mehr einem Kreuzfahrerstaat aus dem Mittelalter. Die haben sich dort auch nicht dauerhaft etablieren können.

    • 50AE
    • 01.02.2013 um 22:34 Uhr

    Wofür? Das Amar-Dahl ihre Staatsbürgerschaft wegen Israels "Kriegspolitik" weggeworfen hat und nun "Deutsche" sein will?
    Das glaub ich Ihnen nicht.

    Das Apartheidsregime in Südafrika war eine Demokratie.
    Die USA waren zur Zeit der Sklaverei und Seggregation eine Demokratie.
    Die Kolonialmächte England, Frankreich und die Niederlande waren Demokratien. Yugoslavien und Ruanda waren ebenfalls Demokratien.
    Also eine Demokratie ist nicht unbedingt besser geeignet, um solche Probleme zu lösen.

    Für Israel gilt sogar: Rund ~1/3 der Bevölkerung profitiert direkt von der Vertreibung/Ermordung der Palästinenser. Mit jeder neuen Siedlung wird dieser Anteil größer. Ein weiterer Teil profitiert von den billigen Arbeitskräften.

    Wenn man dazu noch die ideologisch Verblendeten hinzunimmt, dürfte es unmöglich sein, gegen so eine starke Masse eine erfolgreiche Politik machen zu wollen. Die Ermordung Rabins ist genau diesem Kontext zuzuordnen. Da mögen ja einige Linke immernoch vom Frieden und Ausgleich mit den Palästinensern und Nachbarn träumen, die notwendigen Konsequenzen zu diskutieren, trauen die sich nicht.

    Israel gleicht immer mehr einem Kreuzfahrerstaat aus dem Mittelalter. Die haben sich dort auch nicht dauerhaft etablieren können.

    • antlew
    • 02.02.2013 um 18:02 Uhr

    "noch anderes gab/gibt wie kultur-zionismus oder zions-liebe ohne nationalstaatsaspirationen "

    der hatte nämlich mit dem moralischen Relativismus, den Sie hier einseitig zulasten Israels vorführen, nichts im Sinne.

    Buber der neben HaAm einer der zentralen Vertreter des Kulturzionismus und Gegner von Herzls Volkszionismus war zu Gandhis Nazi-vergleich:

    "Buber widersprach in seiner scharfen Replik dem Vergleich zwischen der antisemitischen Gewalt mit der Diskriminierung der Inder durch die Briten und Buren. Gandhi kenne die Lage in den deutschen Konzentrationslagern nur unzureichend. Das Ausmaß des nationalsozialistischen Terrors sei ihm nicht bewusst. Buber drückte seine Enttäuschung darüber aus, dass der von ihm geschätzte und verehrte Gandhi oberflächlich urteile, denn die Inder in Südafrika würden diskriminiert, seien aber weder vogelfrei noch würden sie systematisch beraubt oder sogar umgebracht und zu „Geiseln für das erwünschte Verhalten des Auslands“ gemacht. Jahrelanger gewaltloser Widerstand jüdischer Deutscher habe die Nationalsozialisten nicht an ihren Unrechtstaten hindern können, sondern die Gewalt eher verstärkt. Historisch, rechtlich und moralisch sei Gandhis Behauptung falsch, Palästina gehöre ausschließlich den Arabern. Vielmehr stehe Palästina beiden Völkern bzw. allen Völkern zu, die geschichtlich mit diesem Land verbunden seien. Nur ein gemeinsames gewaltfreies Leben miteinander führe zu Frieden und Gerechtigkeit.[3"
    http://de.wikipedia.org/w...

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  3. "Die Menschen, die in Palästina gewohnt haben - und das seit jahrhunderten- sind wohl Palästinenser."

    Erstens gab es eine beträchtliche arabische Einwanderung, die in der ersten Hälfte des XXten Jahrhunderts zeitweise die jüdische Einwanderung übertraf,
    und zweitens haben auch juden "seit Jahrhunderten in Palästina gewohnt" zb in Judäa und Samaria, heute "Westjordanland" genannt, sowie Ostjerusalem, bis dass sie 1948 von den Jordaniern vertrieben wurden.
    Oder in Hebron, wo sie 1928 wohnten, bis zum breits erwähnten Massaker von Hebron.

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    die in judäa&shomron - ausgenommen Hebron - seit jahrhunderten siedelnden juden habe ich ja immer noch nicht gefunden ... wollte ich nur mal einwerfen....

    und wenn wir dann mal auf die ostrakoi von Arad gucken, wen finden wir da? die beduinen! die waren auch schon immer da. womöglich noch viel immerer als alle anderen.

    die in judäa&shomron - ausgenommen Hebron - seit jahrhunderten siedelnden juden habe ich ja immer noch nicht gefunden ... wollte ich nur mal einwerfen....

    und wenn wir dann mal auf die ostrakoi von Arad gucken, wen finden wir da? die beduinen! die waren auch schon immer da. womöglich noch viel immerer als alle anderen.

  4. lag an der ideologischen Nähe zum Totalitarismus.
    Und dem Antsemitismus.
    Daher auch der Antisemitismus der Muslimbrüder, wie neulich noch in der "Affen-und-Schweine-Rede Mursis, und der Hamas, wie in deren Charta artikuliert,
    der Ihre verharmlosende wie ablenkende Erklärung, ala "gemeinsame Gegnerschaft zu den Briten" widerlegt und als Ablenkung entlarvt!.

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    Antwort auf "Zeugen"

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