New-York-Times-HackChinas Attacke auf die Ahnungslosen

Die "New York Times" ist von Hackern aus China ausspioniert worden. Möglicherweise hat ein Bericht Pekings Machtwechsel 2012 empfindlich gestört. von  und

Reichlich verstimmt dürften einige Topkader in Peking gewesen sein, als die New York Times vergangenes Jahr einfach die Vermögensverhältnisse von ihresgleichen freilegte. Im Oktober hatte der Shanghaier Times-Bürochef David Barboza über den immensen Reichtum der Familie des seinerzeitigen Noch-Premier Wen Jiabao berichtet — immerhin die Nr. 2 im Staat. Und auch andere Medien wie das Wall Street Journal und Bloomberg sind zuletzt mit einer Reihe von Recherchen der Nomenklatura in Peking gehörig auf die Nerven gegangen.

Am spektakulärsten waren mit Sicherheit der Fall über die Verwandten Wen Jiabaos und zuvor am 29. Juni bei Bloomberg jene über die Vermögen der Familie von Xi Jinping, damals noch Vizepräsident, heute Parteichef und damit die Nr. 1 in China. Daher ist es wahrscheinlich kein Zufall, dass chinesische Hacker Rechner der New York Times infiltriert haben und zuvor auch die Rechner von Bloomberg-Mitarbeitern. Die Times hat nun einen recht offenen Bericht über die Rechner-Attacken der vergangenen Monate veröffentlicht. Dass diese Hacks politisch motiviert waren, zeigt die Tatsache, dass laut Times nur nach Informationen im Zusammenhang mit dem Wen-Bericht gesucht wurde, Nutzerdaten seien nicht abgezogen worden.

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Begonnen habe der Rechnerangriff laut New York Times bereits Mitte September, also rund sechs Wochen vor der Veröffentlichung des Artikels. Auftragshacker hätten zu diesem Zeitpunkt Schadsoftware auf den Computern von mehreren Redakteuren platziert und diese ausspioniert. Wie sie das genau geschafft hatten, ist noch nicht bekannt.

Zwei Wochen ungestört im Netzwerk der Zeitung

Wahrscheinlich hätten sie eine Methode angewandt, heißt es im Artikel der Times, die man als spear phishing bezeichnet: Einzelne Redakteure haben offenbar E-Mails bekommen, die sehr genau auf ihre Interessen zugeschnitten waren. In den Anhängen dieser E-Mails war Schadsoftware versteckt. Über sie wurde wiederum Spähsoftware nachgeladen, die von Screenshots bis zu Tastatureingaben so ziemlich alles aufnehmen und zum Server der Angreifer schicken kann.

Mithilfe der Spähsoftware richteten sich die Angreifer mehrere Hintertüren zu den Computern der Redakteure ein. Die abgefangenen Passwörter und andere Hinweise reichten aus, um sich zwei Wochen lang im Netzwerk der Zeitung umzusehen. Dabei entdeckten die Angreifer den sogenannten Domain Controller, das ist der zentrale Rechner, über den sich alle Mitarbeiter eines Firmennetzes anmelden.

Der Domain Controller enthält die Benutzernamen und die zugehörigen Passwörter, Letztere in Form einer Prüfsumme, auch Hash-Wert genannt. Über Massenabfragen könne solche Hashes wieder entschlüsselt werden, sodass die Passwörter im Klartext vorlagen. Um diese Angriffe zu verschleiern, nutzten die Hacker kompromittierte Server mehrerer US-Universitäten. Dieses Vorgehen kennen Sicherheitsspezialisten schon von früheren Hacks, die sie einer chinesischen Gruppe mit Verbindungen zum Militär zuschreiben.

Antivirussoftware hatte nur ein Spionageprogramm entdeckt

Auf diesem Wege bekamen die Angreifer Zugang zu 53 Computern von Times-Angestellten. Für die Rechner des Bürochefs in Shanghai und den des Südostasien-Bürochefs schrieben sie spezielle Spionagesoftware, um den E-Mail-Verkehr der beiden mitlesen zu können. So wollten die Angreifer offenbar herausfinden, wer die Quellen für den Wen-Bericht waren. Insgesamt wurden 45 solcher Programme auf den Computern der Times gefunden, die hauseigene Antivirussoftware der Firma Symantec hatte davon nur eines entdeckt.

Die Zeitung bekam von dem Ganzen deshalb zunächst nichts mit. Erst, als sie von chinesischen Regierungsbeamten erfuhr, dass ihre Recherche zu den Reichtümern der Familie von Wen "Konsequenzen haben" würde, reagierte sie: Am Tag vor der Veröffentlichung des Artikels bat die Times ihren Provider AT&T, nach ungewöhnlichen Aktivitäten im Netzwerk der Zeitung zu suchen.

Leserkommentare
  1. auch in der Schweiz ist und bleibt vorgegaukelte Fiktion, wenn diese nicht täglich gelebt, verteidigt und immer wieder zurückerobert wird. Besonders schlimm ist es dann, wenn das System so pervertiert wird, dass der Unterschied zwischen "fiktiver Demokratie" und Diktatur nichtig wird. Und das ist auch Realität, da gebe ich Ihnen Recht. Solange das System auch nur nominell existiert, dürfen wir aber nicht aufhören zu fordern und zu kämpfen.
    Zugegeben, der galoppierend-invasive-allesregulierende-pädagogisch erziehende Eifer mit welchem sich unserere westliche Gesellschaften in den letzten Jahren auszeichnen ist, zurückhaltend formuliert, leicht ermüdend.
    in dem Sinne. Ein, trotz allem, schönes Wochenende :)

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    • 可为
    • 01. Februar 2013 23:40 Uhr

    Interessanter sehe ich die Entwicklung daraus für die Welt: Wenn jeder hingehen kann, wo er will, so werden Staaten künftig eher ein Interesse daran haben, das Leben in ihrem Land möglichst attraktiv zu gestalten, denn wenn nicht stehen sie langfristig ohne Leute da - Und als umherziehenden ist es mir auch relativ egal, wie diese Lebensumstände zustande kommen. Parlamente, Expertengremien oder "Diktatoren" - alle werden sich mehr nach der Bevölkerung als "Kunde" richten müssen, und wer unterdrückt verliert Kapital und kluge Köpfe; macht also ein schlechtes Geschäft. Es könnte dann also künftig viele Departieus geben, und Freiheit würde sich in einer Form äussern, die Regierungssysteme irrelevant macht. Das mögen noch 50 Jahre hin sein, aber ich glaube auch China beginnt dies bereits in sein Wahrnehmungsfeld zu ziehen, weswegen es dort auch zunehmend liberaler wird.

    Ebenfalls ein schönes Wochenende!

    • 可为
    • 01. Februar 2013 23:39 Uhr

    Ansichten heruntergezogen habe, dennoch möchte ich noch eines hinzufügen, was ich in meinem Umfeld und auch mir selbst erkenne und zunehmend beobachte:

    Flexibilität, was Wohnorte und Arbeitsplätze angeht steigt unheimlich rasant an, ein Großteil meines Umfeldes verbringt immer wieder lange Zeit im Ausland, und auch ich selbst fühle mich völlig frei mein Leben in einem anderen Land der EU, China, oder auch den USA fortzuführen, falls sich dort entsprechende Möglichkeiten auftun - derartiges wird meines Erachtens nach immer mehr, und die Welt im Prinzip immer kleiner, und leichter zugänglich.

    Was heisst das übertragen auf meine China-Sicht: In Anbetracht der Völkerwanderung die in ganz China alljährlich zum Frühlingsfest stattfindet, und auch Chinas Ambitionen künftig verstärkt Zugstrecken durch ganz Asien zu treiben, sowei meine eigenen Erfahrungen mit chinesischen Studenten, sagt mir, dass diese Freiheit auch zunehmend für Chinesen gegeben ist. Desweiteren überträgt sich auch meine pragmatische Sichtweise darauf, denn wenn es schlimm wäre könnte man gehen.

    • 可为
    • 01. Februar 2013 23:40 Uhr
    67. und 2.

    Interessanter sehe ich die Entwicklung daraus für die Welt: Wenn jeder hingehen kann, wo er will, so werden Staaten künftig eher ein Interesse daran haben, das Leben in ihrem Land möglichst attraktiv zu gestalten, denn wenn nicht stehen sie langfristig ohne Leute da - Und als umherziehenden ist es mir auch relativ egal, wie diese Lebensumstände zustande kommen. Parlamente, Expertengremien oder "Diktatoren" - alle werden sich mehr nach der Bevölkerung als "Kunde" richten müssen, und wer unterdrückt verliert Kapital und kluge Köpfe; macht also ein schlechtes Geschäft. Es könnte dann also künftig viele Departieus geben, und Freiheit würde sich in einer Form äussern, die Regierungssysteme irrelevant macht. Das mögen noch 50 Jahre hin sein, aber ich glaube auch China beginnt dies bereits in sein Wahrnehmungsfeld zu ziehen, weswegen es dort auch zunehmend liberaler wird.

    Ebenfalls ein schönes Wochenende!

    Antwort auf "Demokratie"
  2. @ 可为

    „Ehrlich gesagt war das kein Vergleich, sondern (wie auch am daran geantworteten Dialog ersichtlich) lediglich die Verwunderung darüber, dass etwas alltägliches wie Hackerspionage in der Zeit thematisiert wird, während durchaus debatierenswerte, die Pressefreiheit betreffende, Ereignisse im eigenen Land bisher keinerlei Erwähnung fanden.“

    Darum ging es ihnen? Ist mir ehrlich gesagt nicht aufgefallen und wenn ich mir die anderen Kommentare so durchlese scheine ich da nicht der einzige zu sein.
    Kleiner Tipp für die Zukunft: Wenn man in Deutschland irgendwie den Anschein erweckt, man würde eine totalitäre Diktatur verteidigen kommt das in der Regel nicht gut an!

    Ihrer Verwunderung darüber, dass einige Angriffe auf die Pressefreiheit in der Presse manchmal kaum erwähnt werden, schließe ich mich übrigens an.

    Dem folgenden Zitat von Hanns Joachim Friedrichs schließe ich mich zwar an:

    „Einen guten Journalisten erkennt man daran, dass er sich nicht gemein macht mit einer Sache, auch nicht mit einer guten Sache; dass er überall dabei ist, aber nirgendwo dazugehört.“

    Aber ich finde wenn es um Pressefreiheit geht sollten Reporter da eine Ausnahme mache und ich würde es ihnen allemal verzeihen, wenn sie gegen Angreifer der Pressefreiheit eine Medienkampagne starten.

    Antwort auf "Ehrlich gesagt"
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    • 可为
    • 02. Februar 2013 17:04 Uhr

    das dürfte ja aus den restlichen Kommentare klar hervorgegangen sein.
    Allerdings sehe ich auch Pressefreiheit nicht als unerschütterliches Gut - in Staaten, in denen große soziale Spannungen zwischen Volksgruppen herrschen, könnte ich mir manches Berichtsverbot durchaus als sinnvoll eingehen lassen. Das im Übrigen nicht speziell für China, ich denke an Demokratien wie Indien, oder auch Länder wie Südafrika in bestimmten Phasen; wo so etwas durchaus Leben retten könnte.

    Dies mag in gewissen Teilen auch für China gelten, wo es aber sicher nicht gilt ist Augsburg!

    In China ist das im Artikel vorkommende Geschehen klarer Selbstschutz der Partei und - unabhängig von meiner Meinung zur KPCh - wundere ich mich, wenn eine Partei wie die CSU in einer erklärten Demokratie genau so handelt, wie die KP in einer Parteidiktatur!

    • 可为
    • 02. Februar 2013 17:04 Uhr

    das dürfte ja aus den restlichen Kommentare klar hervorgegangen sein.
    Allerdings sehe ich auch Pressefreiheit nicht als unerschütterliches Gut - in Staaten, in denen große soziale Spannungen zwischen Volksgruppen herrschen, könnte ich mir manches Berichtsverbot durchaus als sinnvoll eingehen lassen. Das im Übrigen nicht speziell für China, ich denke an Demokratien wie Indien, oder auch Länder wie Südafrika in bestimmten Phasen; wo so etwas durchaus Leben retten könnte.

    Dies mag in gewissen Teilen auch für China gelten, wo es aber sicher nicht gilt ist Augsburg!

    In China ist das im Artikel vorkommende Geschehen klarer Selbstschutz der Partei und - unabhängig von meiner Meinung zur KPCh - wundere ich mich, wenn eine Partei wie die CSU in einer erklärten Demokratie genau so handelt, wie die KP in einer Parteidiktatur!

    Antwort auf "Missverständnis "
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    Entfernt, da unsachlich. Die Redaktion/ls

  3. 70. [...]

    Entfernt. Der Kommentar, auf den Sie sich beziehen, wurde mittlerweile entfernt. Die Redaktion/ls

    Antwort auf "Wen wundert da?"
  4. in diesem Thread, oder geht das, wenn man sich als "Freigeist" bezeichnet?

    Lesen Sie mal #42: Sein "Mittel der Wahl: Atombomben auf alle Länder dieses Planeten, wo eben diese Despoten und ähnliches Herrschen.
    Denn: Nur das Endergebnis zählt."

    Sowas bleibt stehen? Geil!

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    solcherlei Dinge im Zusammenhang lesen und nicht Kontextverzerrt aus der Masse greifen.

    Ich weiß jetzt zwar nicht, was Sie zuvor geschrieben haben, aber Sie können es ja
    a) nochmal versuchen
    b) direkt an meinen Kontakt schreiben.

    mfg

  5. 72. [...]

    Entfernt. Der Kommentarbereich ist der Diskussion des Artikelthemas vorbehalten. Um Kommentare zu melden, nutzen Sie bitte die "Kommentar als bedenklich melden" Funktion. Danke, die Redaktion/ls

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Bo Xilai | Xi Jinping | Bloomberg | China | China | Domain
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