Diosdado CabelloChávez' Schattenmann, der Pate von Venezuela

Diosdado Cabello ist Parlamentspräsident Venezuelas, Vertrauter des schwerkranken Chávez – und gefürchteter Strippenzieher in Politik, Staat und Wirtschaft. von 

Diosdado Cabello ist intelligent, mächtig – und laut WikiLeaks einer der reichsten und gleichzeitig korruptesten Männer Venezuelas. Für die Opposition ist er ein arroganter Hardliner, einer, der Befehle erteilt und die Konfrontation sucht. Er selbst nennt sich einen treuen Soldaten und engen Freund des schwerkranken Staatschefs Hugo Chávez. Falls sein Mentor Chávez stirbt oder auf Dauer amtsunfähig würde, hätte Cabello die Zügel in der Hand. Als Parlamentssprecher gebührte ihm die Übergangspräsidentschaft und die Anberaumung von Neuwahlen.

Seit er in der Militärakademie ein Schüler des späteren Staatschefs gewesen ist, begleitet Cabello den neun Jahre älteren Chávez und stand dabei immer in dessen Schatten: als Vizepräsident, als Minister in fünf verschiedenen Ressorts, als glückloser Gouverneur sowie als intriganter Parteifunktionär. Stets sah er seine Aufgabe vor allem darin, seinen Mentor gegen Angriffe zu verteidigen. Von gedrungener Statur, hölzern und rhetorisch unbegabt, wird der eiskalte Machtmensch mehr gefürchtet als geliebt.

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Selbst Linksaktivistin und Chávez-Unterstützerin Lina Ron misstraute dem "Mann mit den grünen Augen". Der linke Parlamentarier Luis Tascón verklagte ihn sogar wegen Korruption. Beide sind inzwischen verstorben. In der sozialistischen Einheitspartei (PSUV), deren Vizepräsident Cabello ist, gab es Widerstand gegen seinen autoritären Führungsstil, der ihm den Spitznamen "Stalin" einbrachte. Der Erfinder des "Sozialismus des 21. Jahrhunderts", Heinz Dieterich sieht in Cabello einen Verschwörer und die Speerspitze des rechten, neureichen, antikommunistischen Flügels.

2002 holte er Chávez zurück

Nicht einmal Chávez, der im Zweifelsfall immer seinen Kameraden den Vorzug gibt vor Zivilisten, wollte für Cabello die Hand ins Feuer legen. Kurz vor seiner Abreise zur vierten Krebs-OP nach Kuba ernannte er den ehemaligen Außenminister, Gewerkschafter und aktuellen Vizepräsidenten Nicolás Maduro, zu seinem Nachfolger und Kandidaten bei etwaigen Neuwahlen. Doch Cabello, gerade im Amt des Parlamentsvorsitzenden bestätigt, bleibt unangefochten der Strippenzieher.

Geboren im April 1963 im Bundesstaat Monagas, ging Cabello schon früh zum Militär, wo er eine Ausbildung zum Ingenieur machte. Zusammen mit anderen jungen Offizieren schloss sich der Leutnant der Verschwörergruppe von Chávez an, die 1992 gegen eine schwache, durch Korruption und Misswirtschaft diskreditierte, demokratische Regierung putschte. Als der Umsturz scheiterte und die Anführer im Gefängnis landeten, wurde Cabello aus dem Militär entlassen. Er studierte darauf Management, blieb aber weiterhin an der Seite von Chávez, der bald amnestiert wurde und 1998 die Wahlen gewann. Cabello hatte dann diverse Posten inne, beim Umsturzversuch 2002 war er Vizepräsident und kurzzeitig Staatschef, als Chávez von den Putschisten auf eine Insel vor Venezuela verfrachtet worden war und angeblich zurücktrat. Cabello schickte eine regierungstreue Eliteeinheit zur Befreiung des Präsidenten – und gewann damit endgültig das Vertrauen des kurz danach an die Macht zurückgekehrten Staatschefs.

Rivalisierende Weggenossen verstand Cabello stets aus dem Weg zu räumen, über seine politischen Feinde soll er Geheimdossiers führen. Vor allem aber kontrolliert Cabello wichtige Geschäftszweige des Landes: Er war Infrastrukturminister, stand der Verstaatlichung der Telekommunikation und der Häfen vor und setzte überall Vertrauensleute ein, darunter seinen Bruder José David. Über Strohmänner soll er Import-Export-Firmen, Banken, Versicherungen und die Devisenaufsichtsbehörde kontrollieren.

Informanten der US-Botschaft bezeichnen ihn laut WikiLeaks als "Paten von Venezuela" und beziffern seinen Reichtum auf eine dreistellige Millionenhöhe. Auf einer Schweizer Bank habe er 21 Millionen Dollar liegen, berichteten oppositionelle Medien. In Gerichten und im Wahlrat hat er seine Leute sitzen. Auch in den Drogenhandel soll er zusammen mit anderen Militärs verwickelt sein. Geheimdienstkreise sprechen vom "Kartell der Sterne".

Von 2004 bis 2008 war er Gouverneur des Bundesstaates Miranda. Wegen seiner katastrophalen Amtsführung verlor er 2008 jedoch deutlich gegen den derzeitigen Oppositionsführer Henrique Capriles Radonski. Anschließend strengte Capriles einen Prozess wegen der Veruntreuung von 150 Millionen Dollar gegen Cabello an. Schubkarrenweise lieferte die Opposition Beweismaterial an, doch der Prozess wurde von der regierungstreuen Justiz niedergeschlagen. Seit 2012 ist der vierfache Familienvater Parlamentspräsident und kontrolliert daneben den Apparat der Sozialistischen Staatspartei.

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Leserkommentare
  1. Selbst Chavez scheint vor seiner Abreise Bedenken gehegt zu haben, als er im TV den "Abschiedswunsch" äußerte, das Volk möge Vizepräsident Maduro und nicht Parlamentspräsident Cabello als seinen Nachfolger wählen. Von einer
    "Ernennung" des ehemaligen Busfahrers Maduro kann jedoch keine Rede sein.

    Eine Leserempfehlung
  2. Er mag kein guter Rhetoriker sein...aber hat die Militärs auf seiner Seite und Narco-militärs sind seine Kumpels .... Er weiss warum er sich nicht in der USA sehen lassen kann. In Venezuela sagt man zu so einem: Persona con un caracter despreciable.

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  • Schlagworte Venezuela | Militär | Vizepräsident | WikiLeaks | Drogenhandel | Korruption
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