Auch gegen Yousri al-Badri von der oppositionellen Al-Masry Al-Youm gibt es jetzt ein Verfahren der Staatsanwaltschaft. Er soll unter anderem falsche Nachrichten verbreitet haben, die die öffentliche Ordnung und die Sicherheit gestört hätten. Auf den Internetseiten der Zeitung hatte er geschrieben, Mohammed Mursi habe das Militärkrankenhaus in Kairo besucht. Jenes Krankenhaus, in dem Hosni Mubarak sich derzeit befindet. Später hieß es, dass es die Ehefrau von Mursi war, die einen Verwandten im Krankenhaus besuchte. Doch für ein Verfahren reichte die Behauptung aus.

"Das alles beweist mir, dass die regierenden Islamisten die Feinde des Journalismus und der Meinungsfreiheit sind", sagt Blogger und Journalist Mohammed Maree. "Sie versuchen uns einzuschüchtern", spricht der 27-Jährige weiter. "Es wird ihnen nicht gelingen. Der Kampf um die Meinungsfreiheit steht für uns immer noch an erster Stelle." Auch sein Kollege Mohamed Abdelfattah will nicht aufgeben: "Wir werden niemals aufhören sie zu kritisieren." Er fotografierte, wie Anhänger der Muslimbruderschaft Demonstranten von der Opposition verprügelten und mit Gummigeschossen feuerten. Auch der Fotojournalist Al-Hussainy Abu Deif befand sich am 5. Dezember 2012 vor dem Präsidentenpalast, als es im Streit um den Verfassungsentwurf zu schweren Auseinandersetzungen zwischen Gegnern und Anhängern der Regierung kam.

Deif wurde von Gummigeschossen am Kopf getroffen. Er lag eine Woche im Koma. Der 33-jährige starb am 12. Dezember. Sein Bruder Salem sagte auf einer Pressekonferenz, dass die Attacke auf Abu Deif vorsätzlich war. Zahlreiche Mitglieder des ägyptischen Journalistenverbandes machen nun die regierende Freiheits- und Gerechtigkeitspartei, den politischen Arm der Muslimbruderschaft, für den Tod Deifs verantwortlich. Der Verband hat den 12. Dezember jetzt zum Gedenktag erklärt – zum Tag der Pressefreiheit.