RegierungsgegnerGewalt prägt Jahrestag der Revolution in Ägypten

Hunderte Menschen sind bei Protesten in Kairo und anderen Orten verletzt worden. In der Stadt Ismailia ging ein Büro der Muslimbruderschaft in Flammen auf.

Frauen auf dem Tahrir-Platz in Kairo

Frauen auf dem Tahrir-Platz in Kairo  |  © Khaled Desouki/AFP/Getty Images

In Ägypten ist am zweiten Jahrestag der Revolution die Gewalt zwischen Regierungsgegnern und Polizei eskaliert. Das Gesundheitsministerium berichtete von mehr als 250 Verletzten nach Zusammenstößen in Kairo, Alexandria, Suez und Ismailia. Fünf Menschen sollen während der Ausschreitungen getötet worden sein. Nach Angaben aus Sicherheitskreisen handelt es sich um junge Männer, die vor dem Gouverneursgebäude in Suez von Schüssen getroffen wurden.

Vor dem Präsidentenpalast in Kairo setzte die Polizei Tränengas gegen Demonstranten ein, die versuchten, auf das Gelände zu gelangen. Im Laufe des Tages waren Tausende Menschen auf den Tahrir-Platz in Kairo geströmt, um gegen die Politik von Präsident Mohammed Mursi und den Einfluss der islamischen Muslimbruderschaft zu protestieren. Während der Revolution war der Platz zentraler Schauplatz des Aufstands gegen Machthaber Hosni Mubarak.

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In mehreren Großstädten kam es zu Straßenschlachten. Demonstranten schleuderten Brandsätze und Feuerwerkskörper auf die Polizei, die ihrerseits Tränengas einsetze. In Ismailia am Suez-Kanal stürmten Hunderte Menschen ein Gebäude der Provinzregierung. Ein Parteibüro der Muslimbruderschaft ging in Flammen auf.

"Nein zum Staat der Muslim-Bruderschafts"

"Die Revolution geht weiter", sagte der linke Oppositionspolitiker Hamdin Sabahi auf seinem Weg zum Tahrir-Platz. "Wir weisen die Beherrschung des Staats durch eine Partei zurück. Wir sagen Nein zum Staat der Muslim-Bruderschaft." Der liberale Politiker Amr Hamsaui warf dem Präsidenten zudem vor, die Forderungen nach sozialer Gerechtigkeit zu ignorieren.

Präsident Mursi und die Muslimbrüder wiesen die Kritik zurück. Sie sehen sich durch ihren Wahlsieg bestätigt und werfen ihren Gegnern vor, die demokratischen Spielregeln nicht zu respektieren und wichtige Reformen zu erschweren.

"Die Meinungsverschiedenheiten, die Ägypten gerade durchmacht, sind ein zentrales Kennzeichen des Übergangs von einer Diktatur zur Demokratie", schrieb der Anführer der Bruderschaft, Mohammed Badie, in der staatlichen Zeitung Al-Ahram. "Sie zeigen deutlich die Vielfalt der ägyptischen Kultur."

Mursi kommt nach Deutschland

Die Muslimbrüder hatten unter Hinweis auf drohende Gewalt auf einen Aufruf zu einer Gegendemonstration verzichtet. Sie begingen den Jahrestag des Beginns der Revolution mit einer landesweiten Wohltätigkeitskampagne. Etwa eine Million Ägypter soll dabei Medikamente und Grundnahrungsmittel erhalten.

Mursi wird kommende Woche in Deutschland erwartet. Der Präsident war kürzlich in die Kritik geraten, als verächtliche Kommentare über Juden aus dem Jahr 2010 bekannt wurden. Damals hatte er Zionisten unter anderem als Blutsauger sowie "Nachfahren von Affen und Schweinen" verunglimpft. Mursi war zu der Zeit eine führende Figur in der Muslimbruderschaft. Die ägyptische Regierung teilte mit, die Zitate seien aus dem Zusammenhang gerissen worden.

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Leserkommentare
  1. Ich hoffe, dass die Revolution weitergeht!

    3 Leserempfehlungen
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    Denn eine perpetuierte Revolution hat noch nie Freiheit und Gerechtigkeit gebracht, nur Blutvergießen und Unterdrückung. Mursis selbst ernannte liberale Gegner müssen selbst demokratisch werden und der Gewalt abschwören. wenn sie den Protest auf legitime Weise fortführen wollen. Nur wenn sie die Muslimbrüder als friedliche, demokratische Opposition Zugeständnisse abtotzen, hat Ägypten die Chance auf einen echten und nachhaltigen demokratischen Wandel.

  2. ich hoffe dass die Ägypter die Lektion gelernt haben Islamisten können eben keine wirtschaftlich erfolgreiche Regierung führen nun ja vllt müssen sie es einfach vier Jahre durchziehen und das nächste Mal eine liberale Partei wählen.

    2 Leserempfehlungen
    • P229
    • 26. Januar 2013 2:53 Uhr

    "Nein zum Staat der Muslim-Bruderschafts"
    Die jungen Leute in Ägypten, die für freiheitlichen Staat demonstrieren haben meine ganze Sympathie.
    Doch ich befürchte, der Zug ist abgefahren.
    Die Islamisten werden sich die Macht, die sie sich im Grunde erschlichen haben, nicht wieder aus der Hand nehmen lassen.
    Die wirtschaftliche Situation der Ägypter ist zwar mittlerweile katastrophal schlecht und befeuert zusätzlich den Unmut der Menschen, doch sie werden nicht nocheinmal die Kraft haben ein Regime zu stürzen.
    Der Westen hat sich offensichtlich schon mit Mursi und seinen islamistischen Brüdern abgefunden. Die USA hat bereits 5 Mrd. Dollar für das neue Regime gespendet. In deutschen Zeitungen ließt man mittlerweile Beschwichtigungsartikel. War wohl nix mit dem Demokratieexport. Ägypten geht in Richtung failed state, da die Wirtschaft nicht wieder auf die Beine kommen wird.

    2 Leserempfehlungen
  3. Wann endlich kommt Ägypten einmal zur Ruhe? Man würde es ihnen so wünschen, vor allem, daß der Tourismus baldmöglichst wieder in Schwung kommt - nur schrecken solche Bilder natürlich ab. Man kann nur hoffen, daß die Kanzlerin bei Mursi`s Besuch ihn darauf anspricht - aber ich schätze mal, daß nicht viel dabei herauskommen wird.

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    • snoek
    • 25. Januar 2013 20:22 Uhr
    3. .....

    Das Bild ist sicher etwas älter. Die Frauen waren natürlich ein wichtiger Bestandteil des arabischen Frühlings. Aber sie sind längst verdrängt worden. Nach dem Sturz des Diktators wurden Frauen, auch verschleierte, unsinntlich berührt. Sie wurden so in der Öffentlichkeit gedemütigt, entehrt, und aus den Demonstrationen entfernt.

    Es ist mir unbegreiflich, wie die letzte Wahl in Ägypten eine schlechte Wahlbeteiligung hatte. Gerade in Zeiten des Umbruchs sollte man doch meinen, dass die Menschen die Möglichkeit einer Wahl als Chance begreifen. Dem war aber nicht so und nun gibt es in Ägapten eine schariabasierte Verfassung. Es ist so schade, dass die Diktatur von einem anderen relativ undemokratischen, aber doch gewähltem Regime abgelöst wurde.

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  4. Denn eine perpetuierte Revolution hat noch nie Freiheit und Gerechtigkeit gebracht, nur Blutvergießen und Unterdrückung. Mursis selbst ernannte liberale Gegner müssen selbst demokratisch werden und der Gewalt abschwören. wenn sie den Protest auf legitime Weise fortführen wollen. Nur wenn sie die Muslimbrüder als friedliche, demokratische Opposition Zugeständnisse abtotzen, hat Ägypten die Chance auf einen echten und nachhaltigen demokratischen Wandel.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, Reuters, dpa, AFP, zz
  • Schlagworte Mohammed Mursi | Gesundheitsministerium | Affe | Bruderschaft | Gewalt | Hosni Mubarak
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