ÄgyptenAusschreitungen am Jahrestag der Revolution

Regierungsgegner haben den Jahrestag des Revolutionsbeginns zu Demonstrationen genutzt. Dabei kam es zu Zusammenstößen mit der Polizei.

Demonstranten am Vorabend des zweiten Jahrestages der Revolution in der Nähe des Tahrir-Platzes in Kairo.

Demonstranten am Vorabend des zweiten Jahrestages der Revolution in der Nähe des Tahrir-Platzes in Kairo.  |  © Mohamed Abd El Ghan/Reuters

Regierungsgegner und Polizei haben sich am zweiten Jahrestag der ägyptischen Revolution Auseinandersetzungen geliefert. Die Sicherheitskräfte setzten Tränengas gegen Hunderte Demonstranten auf dem Tahrir-Platz in der Hauptstadt Kairo ein. Die Demonstranten schleuderten Brandsätze auf die Einsatzkräfte und versuchten, eine zum Schutz von Regierungsgebäuden errichtete Absperrung zu durchbrechen.

16 Menschen wurden nach Angaben des Gesundheitsministeriums bei den morgendlichen Krawallen verletzt. Die ägyptischen Oppositionsparteien haben für später zum Protest gegen die Politik der regierenden Islamisten und gegen die neue Verfassung aufgerufen. Nach dem Freitagsgebet ruft die Opposition zu einem Sternmarsch auf den Tahrir-Platz.

Anzeige

Am 25. Januar 2011 hatten in Ägypten Proteste begonnen, die zum Sturz des damaligen Präsidenten Hosni Mubarak am 11. Februar führten. Die Oppositionellen und die linksliberale Jugendbewegung werfen den Islamisten vor, sie hätten die Ziele der Revolution verraten. Sie machen Präsident Mohammed Mursi für die wirtschaftliche Krise in Ägypten verantwortlich, der ägyptische Pfund sank zuletzt auf ein Rekordtief. Wegen der anhaltenden Unruhen bleiben die Touristen aus – ein wichtiger Wirtschaftsfaktor in Ägypten.

Die Opposition wirft der Regierung außerdem vor, sich nicht um die Situation der Menschen, sondern nur um die eigenen Machtsicherung, zu kümmern. Ihrer Ansicht nach versucht Präsident Mursi zusammen mit den Muslimbrüdern Ägypten auf Kosten der säkularen Kräfte im Land zu dominieren, etwa durch die im vergangenen Monat verabschiedete ägyptische Verfassung.

Die Muslimbrüder weisen die Kritik zurück. Sie sehen sich durch ihren Wahlsieg bestätigt und werfen ihren Gegnern vor, die demokratischen Spielregeln nicht zu respektieren. Um die Situation nicht eskalieren zu lassen, haben sie von einem Aufruf zur Gegendemonstration ihrer Anhänger allerdings abgesehen.

Bereits am Vorabend des Jahrestages war es zu Zusammenstößen zwischen Demonstranten und der Polizei gekommen: Dutzende junge Ägypter versuchten, eine Betonsperre auf einer Zufahrtsstraße zum Tahrir-Platz zu entfernen. Ein Demonstrant sagte, die Betonmauer auf der Straße solle beseitigt werden, damit sich die Menschen dort am Freitag ungehindert versammeln könnten.

Präsident Mursi appellierte am Donnerstagabend an die Demonstranten, den zweiten Jahrestag des Aufstands friedlich zu begehen. Die Regierung sagte zu, dass auf dem Tahrir-Platz in Kairo keine Sicherheitskräfte aufmarschieren würden. Sie würden aber in der Nähe bereitstehen. Der Tahir-Platz war während des Aufstands 2011 Schauplatz von Großdemonstrationen und schweren Unruhen. Im vergangenen Jahr wurden auf mehreren Zufahrtsstraßen Betonsperren errichtet.

Zur Startseite
 
Leserkommentare
  1. -oder Betonsperren für die Demokratie!

  2. "Die Meinungsverschiedenheiten, die Ägypten gerade durchmacht, sind ein zentrales Kennzeichen des Übergangs von einer Diktatur zur Demokratie"

    Wo der Mursched recht hat, hat er recht.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, AFP, Reuters, jam
  • Schlagworte Mohammed Mursi | Gesundheitsministerium | Hosni Mubarak | Jahrestag | Jugendbewegung | Opposition
Service