Ägypten : Mursi schickt Armee nach Port Said

Zwei Tage dauern die erneuten Ausschreitungen in Ägypten an, mehr als 30 Menschen sind dabei gestorben. Jetzt soll das Militär in Port Said für Ruhe sorgen.

Erneut ist es zu Gewalt in Ägypten gekommen. Nun hat Präsident Mohammed Mursi die Armee nach Port Said entsandt, um dort für Ruhe zu sorgen. Seit der Verkündung der Todesurteile im Kairorer Fußball-Prozess halten die Straßenschlachten an. Bis zum späten Abend wurden allein in Port Said 32 Tote und über 350 Verletzte registriert. Auch in Kairo hat es wieder Krawalle gegeben.

Mursi sagte wegen der aktuellen Krise in seinem Land die Teilnahme am Afrika-Gipfel in Äthiopien ab und beriet sich mit seinen Ministern für Verteidigung, Justiz und Information über das weitere Vorgehen. In einer anschließend vom Staatsfernsehen übertragenen Erklärung des Rates zur Verteidigung des Landes hieß es, dass alle verfassungsgemäßen Maßnahmen zur Herstellung der Sicherheit ergriffen werden sollten. Das könne auch Ausgangssperren und die Ausrufung des Notstands bedeuten. In Port Said erklärte der Gouverneur den Sonntag zum arbeitsfreien Tag, um die Behördenmitarbeiter vor weiterer Gewalt zu schützen. 

Auslöser der Gewaltwelle waren Todesurteile gegen 21 Fußballfans, die sich an den schlimmsten Fußballkrawallen in der Geschichte des Landes mit vielen Toten beteiligt hatten. Vor einem Jahr, am 1. Februar 2012, waren im Fußballstadion in Port Said 74 Menschen ums Leben gekommen. Damals hatten Fans der Heimmannschaft Al-Masri unmittelbar nach Abpfiff das Spielfeld gestürmt und waren mit Brechstangen, Messern und Schusswaffen auf die Fans des Kairoer Vereins Al-Ahli losgegangen. Von den Al-Masri-Fans wurden später 61 wegen Mordes angeklagt.

Auch neun Polizisten wurden wegen Nachlässigkeit im Dienst vor Gericht gestellt, weil sie die Fans vor dem Spiel nicht gründlich nach Waffen durchsucht hätten. Aus Sicherheitsgründen war das Verfahren von Port Said nach Kairo verlegt worden. Für die noch nicht verurteilten Angeklagten fällt der Richterspruch am 9. März.

Zum zweiten Jahrestag des Aufstands gegen den gestürzten Präsidenten Husni Mubarak war es bereits am Freitag landesweit zu gewaltsamen Demonstrationen gegen Mubaraks Nachfolger Mohammed Mursi und die Muslimbruderschaft gekommen. Dabei waren neun Menschen ums Leben gekommen.

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Kommentare

6 Kommentare Kommentieren

nur eine Fortsetzung der Diktatur mit anderen Vorzeichen

Die neuen Machthaber haben sich im alten System etabliert und die korrupte Armee gleich mit übernommen. Das Land steht mittlerweile vor dem wirtschaftlichen Bankrott und immer mehr Menschen (ca. 40 % der Bevölkerung) leiden an Hunger.

Und letzte Woche gisst der neue Diktator Mursi auch noch Öl ins Feuer, indem er die Opfer vom Februar 2012 als "Märtyrer" bezeichnet. Dabei deutet vieles darauf hin, dass die Übergriffe letztes Jahr in Port Said von dekadenten Kräften der Machthaber insziniert worden sind.

Die Menschen und die Opfer können einem nur Leid tun. Europa schweigt dazu!

Aber sprechen können die Wehrpflichtigen doch.

Und somit können sie, wie in der Geschichte immer wieder bewährt, ihre Offiziere durch Überreden umerziehen. Oder schreibkundige Kameraden bitten, an Abgeordnete zu schreiben. So kontrollieren Wehrpflichtige üblicherweise Armeen. Nebenbei dachte ich doch eigentlich, dass gerade Analphabeten Berufssoldaten werden und Wehrpflichtige typischerweise eher Intellektuelle sind.

Ironie aus, das war an die Adresse der zumeinst sozialdemokratischen zivile-Kontrolle-durch-Wehrpflichtige-Enthusiasten gerichtet. Mir ist dabei klar, dass Soldaten - und nicht nur Wehrpflichtige - in Deutschland mehr Rechte haben als in Ägypten, doch stellt sich grundsätzlich die Frage, ob ein Zwangssystem von unten kontrollierbar ist. Beschwerderecht allein ist keine Kontrolle von unten; beschweren konnte man sich im alten Preussen und der DDR.