Die Bundesregierung hat Überlegungen der US-Regierung für einen vollständigen Truppenabzug aus Afghanistan als unrealistisch bezeichnet. "Was da geäußert wurde, sind ja Optionen fern jeder Realisierung", sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amts. Auch ein Sprecher des Verteidigungsministeriums nannte die Überlegungen hypothetisch.

Der Sicherheitsberater von US-Präsident Barack Obama hatte gesagt, es sei unklar, ob nach dem Ende des internationalen Kampfeinsatzes 2014 noch US-Soldaten im Land bleiben. "Wir wollen keine Optionen ausschließen." Der Präsident orientiere sich nicht an einer bestimmten Truppenstärke, sondern an dem "Kernziel", den Krieg am Hindukusch zu beenden und das Terrornetzwerk Al-Kaida zu besiegen.

Der Sprecher des Auswärtigen Amts machte dagegen deutlich, dass es eine "große Übereinstimmung" gebe, Afghanistan auch nach dem Abzug der internationalen Kampftruppen nicht alleine zu lassen. "Der Stand ist unverändert." Das gemeinsame Bekenntnis zu Afghanistan wird von den amerikanischen Partnern mitgetragen.

Obama und Karsai verhandeln

Die USA und ihre Nato-Verbündeten haben mit der afghanischen Regierung vereinbart, dass alle ausländischen Kampftruppen bis Ende 2014 das Land verlassen. Nach der vollständigen Übergabe an die einheimischen Kräfte sollen einem zwischen Washington und Kabul geschlossenen Partnerschaftsabkommen zufolge US-Soldaten aber weiterhin afghanische Truppen ausbilden und in den Kampf gegen Extremisten eingreifen.

Über die genauen Bedingungen wird derzeit verhandelt. Obama und Präsident Hamid Karsai wollen am Freitag in Washington über den Übergangsprozess und die künftige Stärke der US-Truppen beraten.