Nato-Einsatz : USA erwägen kompletten Afghanistan-Abzug

Wer sorgt nach dem Abzug 2014 für Sicherheit in Afghanistan? Tausende US-Soldaten, lautete bisher der Plan. In Washington aber scheint man Alternativen zu suchen.
US-Soldaten auf dem Militärstützpunkt Delaram im Süden Afghanistans © Marko Djurica/Reuters

Die Militärmission der USA in Afghanistan könnte bereits Ende 2014 komplett beendet sein. Nach Angaben des stellvertretenden Nationalen Sicherheitsberaters Ben Rhodes kommt dieses Szenario für die Regierung in Washington durchaus in Betracht – entgegen bisheriger Planungen, wonach auch nach Abzug der Kampftruppen weitere Kontingente am Hindukusch stationiert bleiben sollen. "Wir wollen keine Optionen ausschließen", sagte Rhodes.

Dass sich die internationalen Kampftruppen Ende 2014 aus Afghanistan zurückziehen, ist seit längerem beschlossene Sache. Die USA und ihre Nato-Verbündeten haben darüber mit der afghanischen Regierung entsprechende Vereinbarungen getroffen. Demnach soll die Sicherheitsverantwortung 2015 vollständig an die einheimischen Kräfte übergeben werden. Über die weitere Präsenz ausländischer Truppen am Hindukusch wird derzeit verhandelt.

Dabei haben die USA bereits ein bilaterales Abkommen mit Afghanistan abgeschlossen, das für das Jahrzehnt von 2014 bis 2024 gilt. Präsident Barack Obama hatte es Anfang Mai bei einem Besuch in Kabul mit seinem afghanischen Amtskollegen Hamid Karsai unterzeichnet. Demnach sollen US-Soldaten weiterhin afghanische Truppen ausbilden und in den Kampf gegen Extremisten eingreifen.

Zahlenspiele in Washington

Eine konkrete Stärke der eventuell künftig in Afghanistan stationierten Truppen ist in dem Abkommen aber nicht genannt. In den vergangenen Tagen kursierten in US-Medien aber bereits verschiedene Zahlenspiele.

So berichtete die New York Times kürzlich, der US-Oberkommandierende in Afghanistan, General John Allen, empfehle bis zu 20.000 Soldaten. Als Mindeststärke wolle er auch nach 2014 rund 6000 Mann, schrieb die Zeitung. Je weniger Truppen am Hindukusch blieben, umso größer sei das Sicherheitsrisiko, so laut NYT seine Befürchtungen.

Dem Wall Street Journal zufolge erarbeite das Pentagon auf Wunsch des Weißen Hauses nun weitere Szenarien. Demnach ist neben dem kompletten Abzug auch eine deutlich stärkere Truppenreduzierung als die ursprünglich geplante vorstellbar. Angedacht sind laut Journal 3000, 6000 oder 9000 Soldaten.

Karsai zu Besuch bei Obama

Die Frage dürfte auch Thema sein, wenn Obama am Freitag Afghanistans Präsident im Weißen Haus empfängt. Karsai hatte immer wieder gefordert, die US-Truppen sollten sich aus afghanischen Dörfern in ihre Kasernen zurückziehen.

Die Gespräche – Karsai wird am Donnerstag noch mit Außenministerin Hillary Clinton und Verteidigungsminister Leon Panetta zusammentreffen – drehen sich nach Angaben des Weißen Haus um ökonomische, militärische und politische Details der künftigen Kooperation. "Es geht", so Sprecher Jay Carney, "um unsere gemeinsame Vision einer andauernderen Partnerschaft zwischen den Vereinigten Staaten und Afghanistan". Und dabei auch um "die Ausrüstung und Stärkung der afghanischen Sicherheitstruppen" in der Zeit nach dem Abzug der Nato-Truppen.

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