Gasfeld In Amenas : Islamistische Geiselnehmer stellen neue Bedingungen

Die Dschihadisten haben neue Forderungen veröffentlicht, unter anderem einen Gefangenenaustausch. Die USA aber lehnen jegliche Verhandlungen mit den Geiselnehmern ab.
Mokhtar Belmokhtar, Anführer der für die Geiselnahme verantwortlichen Islamistengruppe © Belmokhtar Brigade/Reuters

Die Islamistengruppe, die für die Geiselnahme auf dem Gasfeld verantwortlich ist, hat Verhandlungen vorgeschlagen. Mokhtar Belmokhtar, Chef der Gruppe, forderte in einem Video, dass Frankreich und Algerien über ein Ende des Mali-Einsatzes verhandeln sollten, berichtete die mauretanische Nachrichtenagentur ANI.

Zudem schlägt er darin vor, die von seiner Gruppe festgehaltenen US-Geiseln im Gegenzug für zwei in den USA inhaftierten Islamisten freizulassen: den Ägypter Scheich Omar Abdel-Rahman und die Pakistanerin Aafia Siddiqui. Abdel-Rahman war 1995 in den USA wegen Plänen zu Angriffen auf Ziele in New York sowie zum Mord an dem damaligen ägyptischen Staatschef Hosni Mubarak zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Die Pakistanerin, eine Wissenschaftlerin, sitzt ebenfalls wegen Terrorvorwürfen in den USA in Haft. Sie soll versucht haben, 2008 in Afghanistan auf US-Soldaten geschossen zu haben.

Verwirrung über Geisel-Zahlen

Die US-Regierung wies die Forderungen der Geiselnehmer umgehend zurück. "Die Vereinigten Staaten verhandeln nicht mit Terroristen", teilte das Außenministerium mit. US-Außenministerin Hillary Clinton telefonierte mit dem algerischen Regierungschef Abdelmalek Sellal über das Geiseldrama. Die Situation vor Ort sei weiter "sehr unübersichtlich", sagte ihre Sprecherin Victoria Nuland.

Zuvor hatte eine Meldung der staatlichen Nachrichtenagentur APS für Verwirrung gesorgt. Darin hieß es unter Berufung auf algerische Sicherheitskreise, dass Hunderte Geiseln befreit worden seien. Später stellte sich heraus, dass es sich offenkundig um eine Gesamtbilanz der seit Mittwoch andauernden Geiselnahme handelt. Demnach hat die algerische Armee insgesamt etwa 650 Menschen befreit.

Auch mehr als die Hälfte der 132 ausländischen Geiseln sei nicht mehr in der Hand der Islamisten, hieß es. Der Verbleib der restlichen 60 entführten Ausländer sei unklar. Manche von ihnen könnten noch in der Gewalt der Entführer sein, andere könnten bei Gefechten mit der algerischen Armee gestorben sein. Die Nachrichtenagentur AP berichtete dagegen, dass knapp 100 der 132 Ausländer in Freiheit seien.

APS berichtete bereits am Donnerstag darüber, dass rund 600 algerische Geiseln befreit worden seien. Bei dieser Gelegenheit wurde jedoch nichts über möglicherweise befreite ausländische Geiseln bekannt.

Die Lage auf dem Gasfeld ist sehr unübersichtlich. Die nun von APS veröffentlichten Geiselzahlen sind deutlich höher als die bisher bekannten. Die algerische Armee hatte bereits am Donnerstag eine Befreiungsaktion in der Anlage nahe der libyschen Grenze gestartet, nachdem islamistische Kämpfer dort am Mittwoch Hunderte Geiseln genommen hatten.

Die Belagerung der Gasförderanlage bei In Amenas, rund 1.300 Kilometer südöstlich von Algier, dauerte an. Mehrere ausländische Beschäftigte des Unternehmens hätten sich laut APS an verschiedenen Stellen vor den Geiselnehmern versteckt, hieß es.

Die Gasförderung wurde der Nachrichtenagentur zufolge gestoppt. Damit solle der Gefahr von Explosionen vorgebeugt werden. Die Gasanlage wird von dem britischen Konzern BP und der norwegischen Statoil in Zusammenarbeit mit dem algerischen Unternehmen Sonatrach betrieben.

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