Geiselnahme : Algerien rechnet mit weiteren Opfern bei Geiselnahme

Die Zahl der Opfer der Geiselnahme von In Amenas muss womöglich nach oben korrigiert werden. Mehrere Länder melden noch Vermisste. Der Tod dreier Briten wurde bestätigt.

Die algerische Regierung rechnet mit einer möglicherweise höheren Zahl von Opfern bei der Geiselnahme von In Amenas. Derzeit durchsuchten Spezialeinheiten der Armee die Gasförderanlage nach weiteren Opfern, sagte Kommunikationsminister Mohamed Said. Er sei sehr besorgt, dass die Zahl der Opfer nach oben korrigiert werden müsse. Mehrere Länder hatten gemeldet, dass sie noch Staatsbürger vermissen. Unklar ist unter anderem der Verbleib von zehn Japanern und fünf Norwegern.

Nach Angaben des britischen Premiers David Cameron seien drei Briten getötet worden. Vermutlich gebe es drei weitere Tote, sagte Cameron im britischen Radio. Zudem gebe es ein Todesopfer, das in Großbritannien gelebt, aber nicht die britische Staatsbürgerschaft gehabt habe. Cameron drückte den Familien der Opfer sein Mitgefühl aus. Sie hätten Schreckliches durchstehen müssen, sagte der Premier.

Die Verantwortung für die Taten liege allein bei den Terroristen, sagte Cameron. Mit Blick auf Kritik an dem Eingreifen des algerischen Militärs in dem Fall sagte er: "Es ist sehr schwierig, auf solche Situationen zu reagieren und alles richtig zu machen." Die Vorfälle seien eine schreckliche Erinnerung an die Bedrohung, die weltweit von Terroristen ausgehe. Diese sei global, aber vor allem in Nordafrika gewachsen. Es müsse eine weltweit koordinierte Reaktion darauf geben, sagte Cameron.

Hollande verteidigt Befreiungsaktion

Insgesamt starben im Laufe der Geiselnahme, die am Samstag beendet wurde, nach vorläufigen algerischen Angaben 21 Geiseln, zwei weitere Menschen und 32 Angreifer. Befreit werden konnten während des Anschlags nach diesen Angaben 685 algerische Beschäftigte und 107 ausländische Mitarbeiter. 

Auch Frankreichs Präsident François Hollande verteidigte die Befreiungsaktion Algeriens. Es seien noch nicht alle Elemente bekannt, doch bei einem Geiseldrama mit so kaltblütigen Terroristen, die zum Töten bereit sind, habe ein Land wie Algerien keine andere Wahl gehabt, sagte Hollande. In seinen Augen habe Algerien die geeignetste Antwort auf das Geiseldrama gefunden, denn Verhandlungen mit den Geiselnehmern seien nicht möglich gewesen. 

Obama sichert Algerien Hilfe zu

US-Präsident Barack Obama sicherte Algerien Unterstützung zu. Die USA seien bereit, jede denkbare Hilfe zu leisten, hieß es in einer Erklärung des Präsidialamtes. Die USA würden auch in den kommenden Tagen in engem Kontakt mit der Führung in Algier bleiben, "um besser zu verstehen, was genau passiert ist, so dass wir zusammenarbeiten können, um Tragödien wie diese künftig zu verhindern", sagte Obama.

Schuld an der Tragödie hätten die Terroristen, die am Mittwoch die Gasförderanlage in dem nordafrikanischen Land gestürmt hatten. "Die Vereinigten Staaten verurteilen die Taten auf das Schärfste", sagte Obama. Es habe gezeigt, welche Bedrohung das internationale Terrornetzwerk Al-Kaida und andere Extremisten-Gruppen in Nordafrika darstellten. 

Islamistische Kämpfer hatten am Mittwoch die Gasanlage In Amenas besetzt und zahlreiche Geiseln genommen. Hunderte algerische Arbeiter wurden bald wieder freigelassen. Das eigentliche Augenmerk der Islamisten galt den westlichen Geiseln. Die Islamisten hatten unter anderem das Ende des von Frankreich angeführten internationalen Militäreinsatzes in Mali verlangt.

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