Geiselnahme : Fünf mutmaßliche Geiselnehmer in Algerien gefasst

Auf der gestürmten Gasförderanlage haben Algeriens Einsatzkräfte fünf Islamisten gefangengenommen, drei sind noch auf der Flucht. Auch 25 weitere Leichen wurden gefunden.
Gasförderanlage in In Amenas, Algerien © Louafi Larbi/Reuters

Die algerischen Einsatzkräfte haben in der tagelang besetzten Erdgasanlage in In Amenas fünf Islamisten festgenommen. Das berichtete der algerische Sender Ennahar. Drei weitere Geiselnehmer seien auf der Flucht. Damit stieg die Zahl der Extremisten, von denen vermutet wird, dass sie an der Geiselnahme beteiligt waren, nach bisherigen Informationen auf mindestens 37.

Auf dem Gelände der Anlage fanden die Einsatzkräfte dem Bericht zufolge auch 25 weitere Tote. Ob es sich dabei um bis dahin unbekannte Opfer handelte, war zunächst unklar. Die Zahl der Toten erhöhte sich dadurch auf insgesamt 80.

Die Anlage In Amenas war am Mittwoch von schwer bewaffneten Islamisten besetzt worden. Mit der Erstürmung der Industrieanlage hatte die algerische Armee am gestrigen Samstag die Geiselnahme beendet. Die Extremisten hatten sich in der Gasförderanlage verschanzt und ein Ende des französischen Militäreinsatzes gegen islamistische Rebellen in Mali gefordert.

15-stündiger Fußmarsch durch die Wüste

Nach bisherigen Angaben der algerischen Regierung beläuft sich die Zahl der Toten offiziell auf 55. Kommunikationsminister Mohamed Said hatte sich aber "sehr besorgt" gezeigt, dass die Zahl der Opfer weiter wachsen könne. Nach einer ersten Bilanz der algerischen Regierung konnten 685 algerische Beschäftigte und 107 ausländische Mitarbeiter während der mehrtägigen Geiselnahme befreit werden oder sich selbst retten. 32 Terroristen wurden nach diesen früheren Angaben getötet. Die Zahl der toten Geiseln lag zu diesem Zeitpunkt bei 23.

Deutsche waren nach offiziellen Angaben nicht unter den Gefangenen. Zwei deutsche Mitarbeiter einer Bohrfirma, die sich mehrere Kilometer von In Amenas entfernt an ihrem Einsatzort befanden, wurden aus Algerien ausgeflogen. Ein Norweger und mehrere andere Geiseln konnten nach einem 15-stündigen Fußmarsch durch die Wüste den Terroristen entkommen.

Nach anfänglicher Kritik am Vorgehen der algerischen Armee gab es nach Abschluss der Aktion viel internationale Unterstützung. US-Präsident Barack Obama sagte: "Die Schuld an dieser Tragödie liegt bei den Terroristen, die sie verursacht haben." Auch der britische Regierungschef David Cameron und Frankreichs Präsident François Hollande verteidigten die Befreiungsaktion.

Mehr Geld für Mali-Einsatz

Die Bundesregierung will mehr Geld für den Kampf gegen islamistische Terroristen in Mali zur Verfügung stellen. Der Einsatz der deutschen Transall-Transportmaschinen zur logistischen Unterstützung französischer und afrikanischer Truppen soll aber zunächst auf die sichere Hauptstadt Bamako beschränkt bleiben. An Kampfeinsätzen gegen Rebellen will sich Deutschland nicht beteiligen.

Der Präsident der Elfenbeinküste und Vorsitzende der westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft Ecowas, Alassane Ouattara, forderte einen größeren deutschen Beitrag in der Mali-Krise. "Deutschland muss sich mehr engagieren. Ich meine, auch mit Truppen", sagte er dem Nachrichtenmagazin Der Spiegel.

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