GeiselnahmeEmpörung über algerische Militäraktion

Die missglückte Geiselbefreiung in Algerien hat international Kritik ausgelöst. Der Einsatz ist noch nicht beendet, viele Menschen sind noch in der Gewalt der Islamisten.

Der Einsatz gegen islamistische Geiselnehmer in Algerien ist noch nicht beendet. Die algerischen Einsatzkräfte haben bisher offensichtlich nur einen Teil der von islamistischen Terroristen erstürmten Gasanlage im Osten des Landes unter ihre Kontrolle bringen können. Die staatliche Nachrichtenagentur APS berichtete am späten Donnerstagabend, nur der Wohnbereich sei bislang befreit.

Die Produktionsstätte befindet sich laut APS immer noch in der Hand der Geiselnehmer. Das Militär habe die bewaffneten Terroristen umstellt. Britische und amerikanische Beamte sagten voraus, die Militäroperation werde bei Tageslicht weitergehen. Bei der Erstürmung waren zahlreiche Menschen umgekommen, sowohl Kidnapper als auch ihre Geiseln. Ebenso wenig gibt es verlässliche Zahlen über die Menschen, die befreit werden konnte.

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Frankreichs Innenminister Manuel Valls sagte dem französischen Sender RTL, zwei französische Geiseln seien heimgekehrt. Dem Sender Europe 1 berichtete ein Franzose, er habe sich fast 40 Stunden vor den Terroristen versteckt. "Ich denke, es gibt noch Menschen, die sich versteckt haben. Sie sind dabei, sie zu zählen", sagte er.

Noch immer ist es schwer, genau festzustellen, was in den vergangenen zwei Tagen in der Gasanlage bei In Amenas geschehen ist. Schuld daran ist auch die algerische Informationspolitik, die von Großbritannien, den USA, Japan und Norwegen kritisiert wird.

Norwegens Ministerpräsident Jens Stoltenberg sagte am Donnerstagabend, man habe noch immer keine sicheren Informationen über das Schicksal der Geiseln. Seine Regierung habe Algerien offiziell um militärische Zurückhaltung zum Schutz der Geiseln gebeten. Er sei dann am Mittag über die bereits laufende Militäraktion informiert worden. Auch die offiziellen Informationen aus Algier nach dem zuerst vermuteten Abschluss des Militäreinsatzes seien unvollständig gewesen.

Japans Regierungssprecher Yoshihide Suga sagte, auch Tokio sei über die Militäroperation nicht informiert worden. Unter den Toten sollen nach ersten Informationen zwei Japaner sein. Das Schicksal von 14 Landsleuten sei noch unklar, drei Japaner seien in Sicherheit.

Der britische Premierminister David Cameron sagte, Großbritannien müsse sich auf weitere schlechte Nachrichten einstellen. Es sei eine "äußerst schwierige Situation". Auch die USA forderten "Klarheit" von Algier.

Die Regierungen in den USA, Frankreich, Norwegen, Großbritannien, Irland und Japan hatten zuvor bestätigt, dass sich Bürger ihrer Länder unter den Geiseln befinden.

Leserkommentare
  1. Sogar in der ZEIT wird das Kriegshorn geblasen: „Das ist auch Europas Krieg“. Gut, die Zeiten ändern sich. Die historischen Erfahrungen verschwimmen und werden erneut durch Mechanismen ersetzt, deren Erfolg zumindest auf Dauer aussichtslos ist. Der Intervention Frankreichs und Europas in Afrika mag auf den ersten Blick noch eine humanistische Komponente anhaften, in Wirklichkeit sind es aber die historischen Restzuckungen ehemaliger Kolonialmächte.

    Was machen eigentlich die Chinesen, die allerorten in Afrika engagiert sind? Offenbar sind sie doch um einiges intelligenter und halten sich aus kriegerischen Konflikten raus, obwohl sie ja auch in den Augen der muslemisch geprägten Akteure Ungläubige sind.

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    Ob ein paar Landsleute mehr oder weniger umkommen.
    Hauptsache die Geschäftsbeziehungen und Gewinne bleiben

    • osna
    • 18. Januar 2013 9:50 Uhr

    Sonst sind die Afrikaner uns ja auch ziemlich egal, was ist denn jetzt los? Nur weil eine ehem. Kolonie von Frankreich scheinbar bedroht ist.

    Die alten Unterdrücker kämpfen gegen die neuen Unterdrücker. Hauptsache Deutschland macht unbedingt mit und ist auch noch involviert, man kann nicht genug Kriege haben.

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  2. Umfrage

    Woher man in solchen momenten nur immer diese Umfragen zaubert.
    Sicher... 2/3 aller Deutschen wollen ihre Kinder nach Mali schicken! Na dann mal los.

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    Entschuldigung Moderator, soviel Ironie muss möglich sein.

    Diesen Kommentar haben wir wieder hergestellt. Danke, die Redaktion/ds

  3. auch bald von den imperialistischen Staaten einverleibt. Der algerische Staatsektor dominiert den weltweit zehngrößten Besitz an Erdöl- und gasvorkommen. Zudem gibt es eine enge Kooperation mit der VR China. Zuviel des Gewinns fließt den Monopolen dadurch in die Hände des algerischen Volkes. Die scheinheilige Kritik der Imperialisten am Vorgehen der algerischen Staaten gegen die "Terroristen" dient der Vorbereitung einer Intervention.

    Quellen:

    "Allerdings hängt der Wohlstand stark von den Öl- und Gasvorräten ab, die für 70 Prozent der Staatseinnahmen sorgen. "die welt 2007

    "Einkommen aus dem Öl- und Gassektor sind nicht nur für das wirtschaftliche Rückgrat des Landes wichtig, sondern dienen auch dem politischen Apparat zur Finanzierung der Wirtschafts- und Sozialprogramme." germany trade invest 2012

    "Sonatrach , staatliche Ölgesellschaft für 30 Prozent des gesamten Bruttoinlandsprodukts von Algerien verantwortlich" Globus Vission 2012

    "OPEC member Algeria ranks as the third-largest holder of oil reserves in Africa and the sixth-largest producer of natural gas in the world, according to the U.S. Energy Information Administration. "reuters 2012

    "Führender Exporteur in das nordafrikanische
    Land ist Frankreich (4,6 Mrd. Euro), gefolgt von China (3,5 Mrd. Euro). China lag noch im Jahr 2001
    an sechster Stelle."

    Trade Invest 2012

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    Antwort auf "[...]"
    • Mortain
    • 18. Januar 2013 10:12 Uhr

    Ich habe gestern mit meinem alten Herrn über das Thema gesprochen. Er hat in den sechziger Jahren dort drei jahre gearbeitet und gesagt, die Region wäre schon immer ein Unruheherd gewesen. Das war zur Kolonialzeit so und auch danach als er für die algerische Regierung dort arbeitete.

    Sein Eindruck ist, dass die Islamisten dort die Unruhe der Tuareg ausnutzen. Diese sind Muslime und was Traditionen und Lebensart angeht konservativ, aber nicht so leicht zu radikalisieren wie Araber.

    Nach seiner Meinung wäre ein Staat für die Tuareg die Lösung für viele Konflikte in der Region, Mali inkllusive. Wäre dieser Staat lebensfähig, bräuchte man keine Islamisten und in dem Fall hätten diese auch weniger Unterstützer.

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  4. Es ist sehr heuchlerisch. Die USA bombardieren mit Ihre Drohnen seit Jahren Afghanistan und Pakistan, 1000 Kilometer entfernt von USA.
    Dabei sterben mehr unschuldige Zivilisten als Terroristen und niemand ist empört sich.
    Wieder so eine Kolonialistische Sicht der Welt.

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  5. Niebel, der das Ressort, dass er mit Wonne ausfüllt, eigentlich abgeschafft haben wollte, ist für mich ein Schwätzer. Manchmal ein gefährlicher obendrein.

    Und die BILD ist ein Hetzblatt, dass nur zu gern Kriegspropaganda weiter gibt.

    Ich komme mir wie in einer Zeitmaschine vor. Und die Zeiger drehen sich immer schneller rückwärts.

    Wir sind dabei die Fehler des vergangen Jahrhunderts zu wiederholen, als gäbe es keine Geschichtsbücher. Das kann doch nicht wahr sein.

    Ob bei der Wirtschaftspolitik (Reichskanzler Brüning lässt Grüßen), oder in der Außenpolitik. Wo Deutschland glaubt, wieder mit den anderen im Sandkasten spielen zu müssen.

    Was ist mit der Nicht-Einmischungs-Politik von Altkanzler Schmidt. Waren wir da isoliert? Ging’s uns da schlecht? Nein!

    6 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Lieber Mitforist..."
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    in längst vergessen geglaubte Zeite....

    http://antiimperialist.blog.de/

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  • Quelle ZEIT ONLINE, AFP, dpa, Reuters, sk
  • Schlagworte BBC | Geiselnahme | David Cameron | Militäraktion | RTL | Algerien
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