Gasfeld In AmenasWidersprüchliche Angaben zum Geiseldrama in Algerien

In Algerien sollen noch immer Bürger mehrerer Staaten in der Hand der Islamisten sein. Die Kidnapper sind offenbar 40 Salafisten aus Niger.

© Ramzi Boudina/Reuters

Fast drei Tage nach dem Angriff islamistischer Kämpfer auf eine Gasförderanlage in Algerien befinden sich immer noch Menschen in Geiselhaft. Der algerische Informationsminister Mohamed Said Belaid sagte, dass es noch 30 Geiseln gebe. Die mauretanische Nachrichtenagentur ANI und ein Vertreter der algerischen Sicherheitskräfte sprachen von sieben bis zehn Menschen. Unter den Geiseln sind ANI zufolge drei Belgier, zwei US-Bürger, ein Japaner und ein Brite.

Die Nachrichtenagentur dpa meldete hingegen, dass zwei von acht norwegischen Geiseln befreit wurden. Sichere Informationen über die Anzahl der Geiseln und die Situation auf der Gasförderanlage gibt es derzeit nicht.

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Die Al-Kaida nahestehende Entführergruppe "Die mit Blut unterzeichnen" besteht ANI zufolge aus etwa 40 Salafisten, die aus dem Niger nach Algerien gekommen sind. Zunächst hieß es unter Berufung auf einen Kontaktmann, dass es eine zweite Terrorgruppe gebe, die sich mit westlichen Geiseln verschanzt hat. Später wurden diese Angaben korrigiert, es handele sich lediglich um einen Teil der gleichen Gruppe.

Die Geiselnehmer hatten ein Ende des Einsatzes französischer Truppen in Mali verlangt.

Die algerische Nachrichtenagentur APS meldete unter Berufung auf Sicherheitskreise, seit Beginn des Befreiungseinsatzes der Armee am Donnerstag seien zwölf Geiseln und 18 Kidnapper getötet worden. Nach Angaben des französischen Außenministers Laurent Fabius war unter den toten Geiseln auch ein Franzose, die US-Außenamtssprecherin Victoria Nuland bestätigte den Tod eines US-Bürgers.

US-Außenministerin Hillary Clinton sagte unter Berufung auf den algerischen Regierungschef Abdelmalek Sellal, dass "die Operation immer noch andauert, die Lage instabil ist und noch in mehreren Fällen Geiseln in Gefahr sind". Bei der Erstürmung waren insgesamt etwa 650 Geiseln befreit worden.

UN-Sicherheitsrat spricht von einem abscheulichen Angriff

Der UN-Sicherheitsrat verurteilte die Geiselnahme scharf. In einer Mitteilung sprachen die 15 Mitglieder des Gremiums von einem "abscheulichen" Angriff. Die Täter, die Hintermänner und Geldgeber dieses Terrorakts müssten vor Gericht gebracht werden. Alle Formen des Terrorismus stellten eine der ernsthaftesten Bedrohungen des Friedens und der Sicherheit dar.

Am Mittwoch hatten die islamistischen Kämpfer auf der Gasförderanlage bei In Amenas, etwa 1.300 Kilometer südöstlich von Algier, Hunderte Geiseln genommen. Seit dem gewaltsamen Befreiungsversuch durch die algerische Armee ist die Lage unübersichtlich. Algerien lässt keine Vertreter westlicher Länder in die Nähe der von dem britischen Energieriesen BP gemeinsam mit dem norwegischen Ölkonzern Statoil und dem algerischen Staatsunternehmen Sonatrach betriebenen Anlage.

In Algeriens Nachbarland Mali sind inzwischen 1.800 französische Soldaten im Einsatz, um die dort militärisch vorrückenden Islamisten zurückzudrängen. Die Westafrikanische Wirtschaftsgemeinschaft kündigte an, die Entsendung ihrer Eingreiftruppe zu beschleunigen. Deutschland und andere EU-Staaten wollen logistische Hilfe leisten. Noch am Samstag sollen zwei deutsche Transall-Transportflugzeuge in Malis Hauptstadt Bamako ankommen.

Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) kritisierte in der Saarbrücker Zeitung die deutsche Unterstützung als ungenügend. Die Entsendung zweier Transall-Maschinen reiche nicht aus, sagte er. Er könne sich "auch nicht vorstellen, dass irgendjemand das für den deutschen Beitrag hält."

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Leserkommentare
  1. Die rede ist immer von Terroristen, Islamisten oder Rebellen. In Wirklichkeit ist es die Bevölkerung und das Unterjochte Volk, welche versuchen "Ihr" Land bzw. "Ihre" Bodenschätze zurück zu "Erobern". Die Westlichen Mächte, also wir, versuchen alles, um so "billig" wie möglich an solche "Schätze" zu gelangen, wobei "billig" nur eine frage des Geldes darstellt, was sind da schon ein paar hundert bis tausend Tote Menschen. Das traurige an der ganzen Geschichte ist, das wir soetwas tolerieren, weil uns der "Feind" klar definiert als solches vermittelt wird, aber niemand fragt warum "Sie" unsere Feinde sind oder sein wollen/müssen.
    So und jetzt bitte nicht gleich löschen oder gar Zensieren weil meine Meinung nichts mit dem Thema zu tun hat, denn das hat es.
    Wenn wir nicht so gierig und profitgeil gesinnt wären, ginge es uns allen viel besser.

    6 Leserempfehlungen
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    Terroristen aus dem Niger schlagen in Algerien zu. Sie erklären diese kurzerhand zur lokalen Bevölkerung, welche sich gegen jene, die sie unterjochen nur zur Wehr setzen. [...]
    Eine gewisse geistige Akrobatik kann man Ihnen sicherlich nicht absprechen, wenn Sie zu so einem Urteil kommen. Und das Schöne daran ist: diese Sicht deckt eigentliche die Handlungen jedes Kriminellen, jedes Terroristen und jedes Diktators. Man begeht Verbrechen und schiebt dem Westen den Schwarzen Peter zu. Wie man es gerade braucht.
    Falls es Ihnen entgangen sein sollte: die Rohstoffpreise sind in den letzten zehn Jahren massiv gestiegen. Eine Vielzahl von Staaten ist Dank dieser gestiegenen Preise heute in der Lage einen Großteil ihres Staatshaushaltes aus eben diesen Einnahmen zu bestreiten (z.B. Russland).

    Gekürzt. Bitte bleiben Sie sachlich. Danke, die Redaktion/au

    • bayert
    • 19. Januar 2013 10:14 Uhr

    Areva ist in Mali engagiert.

    2 Leserempfehlungen
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    es müßte doch jeden ein licht aufgehen !

    zum schluß steht immer die Profitgier !

  2. Terroristen aus dem Niger schlagen in Algerien zu. Sie erklären diese kurzerhand zur lokalen Bevölkerung, welche sich gegen jene, die sie unterjochen nur zur Wehr setzen. [...]
    Eine gewisse geistige Akrobatik kann man Ihnen sicherlich nicht absprechen, wenn Sie zu so einem Urteil kommen. Und das Schöne daran ist: diese Sicht deckt eigentliche die Handlungen jedes Kriminellen, jedes Terroristen und jedes Diktators. Man begeht Verbrechen und schiebt dem Westen den Schwarzen Peter zu. Wie man es gerade braucht.
    Falls es Ihnen entgangen sein sollte: die Rohstoffpreise sind in den letzten zehn Jahren massiv gestiegen. Eine Vielzahl von Staaten ist Dank dieser gestiegenen Preise heute in der Lage einen Großteil ihres Staatshaushaltes aus eben diesen Einnahmen zu bestreiten (z.B. Russland).

    Gekürzt. Bitte bleiben Sie sachlich. Danke, die Redaktion/au

    9 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Bitte aufklären ...."
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    • lxththf
    • 19. Januar 2013 11:25 Uhr

    In dieser Region bedeuten Grenzen weniger,als in Europa und wenn man dann zum Beispiel Terroristen aus Niger hat,die hier locker als Salafisten/Islamisten benannt werden, dann lohnt ein kleiner Blick nach Niger.
    Die Zahlen sind bei wiki nachzulesen: 74% Analphabetenquote bei Männern, 90% bei Frauen. Nach Angaben der Weltbank zählt Niger zu den 10 ärmsten Ländern der Welt. Die französische Firma Avera baut Uran ab und das sind 70% des Gesamtexports. Schlechte geographische Lage fördert Hungersnöte.
    Kleiner Blick nach Mali. 90% der Bevölkerung gehören zum Islam und dennoch werden die Aufständigen dauerhaft als Islamisten bezeichnet, was einen gewissen Gegensatz zum Glauben der Bevölkerung suggeriert, den es so nicht gibt.
    Nur die Hälfte aller schulpflichtigen Kinder besucht die Schule und die Analphabetenrate liegt bei 75%. 1/3 der Bevölkerung hat keinen dauerhaften Zugang zu frischen Wasser. Auch Mali ist eines der ärmsten Länder der Welt und daran wird sich nicht viel ändern auf absehbare Zeit.
    Beide Länder haben Rohstoffe, die abgebaut werden, wovon jedoch die Bevölkerung in keinster Weise profitiert und wenn man dem glauben schenken darf, so ist Frankreichs Energieverbrauch unter anderem auch abhängig vom Nigerchen Uran und so schließt sich langsam der Kreis. Die Menschen mögen ungebildet sein, jedoch nicht dumm.
    Und Algerien? Hätte es kein Öl (3.größtest Vorkommen Afrikas) und Gas würde sich auch kaum jemand darum kümmern. Kolonien sind es noch immer, aber politisch frei

    • lxththf
    • 19. Januar 2013 11:32 Uhr

    aber man muss auch nicht die Lebensrealität in NordwestAfrika völlig ignorieren und gelegentlich lohnt eben ein Blick. http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Tuareg_Karte.jpg
    Als kleines weiteres Beispiel. Diese drei Länder sind enger miteinander verbunden, als manchem bewußt zu sein scheint.
    Und das ausgerechnet Frankreich in diesem Konflikt ganz vorne mitmischt verwundert nicht. Sie schützen ihre wirtschaftlichen Interessen. Man stelle sich vor, die Rebellen hätten erfolg und würden dann den Export für Frankreich und weitere Firmen in Mali und Niger verteuern. Frankreich ist auf das Uran angewiesen und die Goldvorkommen sind ebenfalls nicht uninteressant für diverse Konzerne.
    Terrorismus ist kein Chavaliersdelikt und man muss klar sagen, dass es die Probleme nicht löst, aber man muss die Frage nach der Motivation stellen und da ist "religiöse Fanatiker" ein bisschen sehr platt.

    • M_P
    • 19. Januar 2013 13:05 Uhr

    ...von WahrheitsgehaltNULL so deute, dass das Verhalten der "westlichen Welt" ab Kolonialismus bis heute als Hauptursache für den derzeitigen Terrorismus anzusehen ist, dann muss ich ihm recht geben...Und ihr Verweis auf die Rohstoffpreise ist ziemlich dürftig, der Großteil der Bevölkerung bspw. des Niger hat nichts von dem Geld, dafür umso mehr von Umweltverschmutzung und daraus resultierenden Krankheiten sowie Gewalt durch von Rohstoffriesen engagierten Schlägern...

  3. [...] Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf Anfeindungen und bleiben Sie sachlich. Danke, die Redaktion/au

    4 Leserempfehlungen
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    dass solche Kommentare hier auftauchen.
    [...]

    Gekürzt. Bitte bleiben Sie sachlich. Danke, die Redaktion/au

    Hier ein kleiner Chart zur Entwicklung des Gaspreises: http://www.indexmundi.com/commodities/?commodity=natural-gas

    Rohstoffe, für welche viele Länder herzlich wenig Bedarf haben, werden von den Industrienationen gekauft. Sie werden nicht gestohlen. Wenn die Rohstoffländer klug sind, dann investieren sie die Einnahmen so, dass es der eigenen Bevölkerung besser geht (Norwegen, Botswana), wenn sie nicht ganz so klug sind, schütten sie einen Teil der Einnahmen ans Volk aus (Russland etc.) und wenn sie korrupt sind, landen die Einnahmen in den Taschen weniger. Der Preis für das Gut ist aber überall gleich.

  4. es müßte doch jeden ein licht aufgehen !

    zum schluß steht immer die Profitgier !

    Eine Leserempfehlung
  5. 6. [...]

    Der Kommentar, auf den Sie Bezug nehmen, wurde mittlerweile gekürzt. Danke, die Redaktion/au

  6. ...und deren Partnern anderswo vermutlich ziemlich egal sein - hier geht es nur um Geld und damit auch um die Aufrechterhaltung innenpolitischer Macht. Für sonstige Befindlichkeiten ist in solchen Gesellschaften kaum Platz.

    • lxththf
    • 19. Januar 2013 11:25 Uhr

    In dieser Region bedeuten Grenzen weniger,als in Europa und wenn man dann zum Beispiel Terroristen aus Niger hat,die hier locker als Salafisten/Islamisten benannt werden, dann lohnt ein kleiner Blick nach Niger.
    Die Zahlen sind bei wiki nachzulesen: 74% Analphabetenquote bei Männern, 90% bei Frauen. Nach Angaben der Weltbank zählt Niger zu den 10 ärmsten Ländern der Welt. Die französische Firma Avera baut Uran ab und das sind 70% des Gesamtexports. Schlechte geographische Lage fördert Hungersnöte.
    Kleiner Blick nach Mali. 90% der Bevölkerung gehören zum Islam und dennoch werden die Aufständigen dauerhaft als Islamisten bezeichnet, was einen gewissen Gegensatz zum Glauben der Bevölkerung suggeriert, den es so nicht gibt.
    Nur die Hälfte aller schulpflichtigen Kinder besucht die Schule und die Analphabetenrate liegt bei 75%. 1/3 der Bevölkerung hat keinen dauerhaften Zugang zu frischen Wasser. Auch Mali ist eines der ärmsten Länder der Welt und daran wird sich nicht viel ändern auf absehbare Zeit.
    Beide Länder haben Rohstoffe, die abgebaut werden, wovon jedoch die Bevölkerung in keinster Weise profitiert und wenn man dem glauben schenken darf, so ist Frankreichs Energieverbrauch unter anderem auch abhängig vom Nigerchen Uran und so schließt sich langsam der Kreis. Die Menschen mögen ungebildet sein, jedoch nicht dumm.
    Und Algerien? Hätte es kein Öl (3.größtest Vorkommen Afrikas) und Gas würde sich auch kaum jemand darum kümmern. Kolonien sind es noch immer, aber politisch frei

    7 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Alles Chorknaben?"
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    Es geht hier nicht nur um den Uran, sondern auch um Gold. Diesbezüglich schließt sich Dt. an.

    ...früher hieß es immer, die Tuareg sind durch den schwarzen Süden in ihrere Exstenz bedroht - heue ist das alt eingesessene Karawanen-Volk plötzlich eine Niederlassung der Al Kaida.

    Wie man es eben gerade braucht...

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  • Quelle ZEIT ONLINE, AFP, nf
  • Schlagworte Algerien | CDU | Hillary Clinton | UN-Sicherheitsrat | Norbert Lammert | BP
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