Terrorismus : Islamisten aus Mali überfallen BP-Gasfeld

Islamistische Extremisten haben in Algerien ein BP-Gasfeld überfallen und Geiseln genommen. Die Angreifer sind nach eigenen Angaben Al-Kaida-Kämpfer aus Mali.

Eine Gruppe islamistischer Kämpfer hat in Algerien einen Standort des Ölkonzerns BP angegriffen und mehrere Ausländer als Geiseln genommen. Die algerische Nachrichtenagentur APS meldete, bei dem Angriff seien ein Mensch getötet und sieben weitere verletzt worden. Möglicherweise sind mehr als 40 Ausländer als Geiseln genommen worden, wie algerische Zeitungen berichteten. Fünf Geiseln würden in einer Fabrik festgehalten und 36 weitere in einer Unterkunft.

BP sprach in einer Erklärung von einem "Sicherheitsvorfall" auf dem In Amenas Gasfeld im Osten des Landes nahe der Grenze zu Libyen.

BP arbeitet vor Ort mit dem norwegischen Konzern Statoil sowie mit dem algerischen Energieunternehmen Sonatrach zusammen. Statoil bestätigte, dass Terroristen ein ostalgerisches Gasfeld unter ihre Kontrolle gebracht hätten. Die Angreifer hätten das Feld am morgen "relativ schnell" erobert. Von 17 Statoil-Mitarbeitern seien dabei zwei leicht verletzt worden.

Einer der Angreifer sagte, seine Gruppe komme aus dem Nachbarland Mali, wo die französische Armee seit Ende vergangener Woche einen Militäreinsatz gegen Islamisten führt. "Wir sind Mitglieder von Al-Kaida, und wir kamen aus dem Norden Malis", sagte der Kämpfer in einem Telefonat mit der Nachrichtenagentur AFP. "Wir gehören zu der Chaled Abul Abbas Brigade unter ihrem Anführer Mokhtar Belmokhtar." Belmokhtar ist einer der bekanntesten Anführer des nordafrikanischen Al-Kaida-Ablegers Aqmi.

Die Geiselnahme sei eine Reaktion auf die "unverhohlene Einflussnahme Algeriens durch die Gewährung von Überflugrechten für seinen Luftraum für die französische Luftwaffe", wurde der Kämpfer weiter zitiert.

Verlagsangebot

Die Macht der Vorurteile

Vorurteile prägen unseren Alltag. Woher sie kommen. Wem sie nützen. Und warum man sie so schwer loswird. Jetzt in der neuen ZEIT.

Hier lesen

Kommentare

29 Kommentare Seite 1 von 5 Kommentieren

Zu 4: Situation der AQIM wurde verdeutlicht

Sie haben schon zu Beginn des Eingreifens in Mali mit Vergeltungsaktionen in Frankreich gedroht. Tatsächlich blieben ihre Einsätze auf Nordafrika bzw. Sahara begrenzt. Auch jetzt sind es „nur“ wieder Geiselnahmen. Damit haben sie ihr Geld erpresst. Sie sind nur Kriminelle.

Warum haben sie das Gasfeld nicht in Brand geschossen? Was das für ein Chaos bringt, konnte man doch in Irak oder Kuwait sehen.

Es bleibt ebenfalls fraglich, ob sie aus Mali kommen. 40 Geiseln nimmt man nur mit mehreren Geiselnehmern. Der Konvoi wäre aufgefallen. Nach der Geiselnahme wurden sie sofort entdeckt und von der algerischen Armee eingekesselt!

Vieles spricht für eine eingeschränkte Bewegungsfreiheit und leichte Bewaffnung.

Die Geiselnahme könnte ihr Ziel jedoch verfehlen. Sie haben Geiseln aus vielen Industrienationen genommen, die in Mali bislang nicht involviert sind. Diese Staaten könnten sich entschließen, ihre Zurückhaltung aufzugeben. Und sei es nur finanzielle und logistische Unterstützung.

So könnten Mauretanien und Algerien mit internationaler Unterstützung von Norden und Westen vorrücken, um die zu kontrollierende Grenzlinie zu verkürzen. Damit würden die Islamisten in Mali nicht nur eingekesselt sein, sondern müssten an allen Seiten ihre Fronten verteidigen. Dann wäre ihre Kampfkraft zersplittert und die Lücken für die Flucht nach Nordafrika wären kleiner und leichter zu schließen.