Mali Das ist auch Europas Krieg
Frankreich hat den Mali-Krieg zur Verhinderung einer Al-Kaida-Zone umsichtig vorbereitet. Bitter für Paris ist die fehlende Solidarität Berlins.
© Abacapress/ECPAD/dpa

Französische Soldaten in Bamako bereiten sich auf ihren Einsatz vor
Die Attacke auf das Gasfeld im Südosten Algeriens zeigt, worauf der Terrorismus im Sahel hinaus will: Der Krieg in Mali soll internationalisiert werden. Die um Al-Kaida im Maghreb gruppierten Dschihadisten wissen natürlich, dass sie allein gegen eine multinationale Intervention wenig ausrichten könnten.
Doch eine Eskalation würde beide Seiten ergreifen und aus dem Sahel ein Terrain machen, für das der Dschihadismus weltweit mobilisieren könnte. Auf diese Weise würde die von Afghanistan über Tschetschenien, Irak und Syrien bis zum Sudan reichende Kette um ein weiteres Glied ergänzt werden, das eine Besonderheit aufwiese: Vom Sahel führen viele Wege nach Europa. Hat Frankreich das alles bedacht, als es erst mit seiner Luftwaffe und dann mit Bodentruppen eingriff?
Diese Frage wird jetzt mit kritischem Unterton gestellt. Sie offenbart indes einige Unkenntnis über Frankreichs Sicherheitspolitik. Was es bedeutet, sich durch Intervention einen Konflikt anzueignen, wissen die Franzosen nicht erst seit Afghanistan und Libyen. Und gerade für den Sahel werden in Ministerien und Think Tanks schon seit langer Zeit Szenarien durchgespielt, die gut gefüttert sind mit auf dem Terrain gewonnenen Erkenntnissen – Frankreichs Präsenz in Westafrika und im Maghreb lässt diese Region von Paris aus gesehen sehr viel näher erscheinen als, sagen wir, Afghanistan aus der Sicht Washingtons.
Algerien hat eine Schlüsselrolle im Mali-Krieg
Dass Frankreich sich auf diesen Krieg umsichtig vorbereitet hat, zeigt auch seine Algerien-Diplomatie der vergangenen Monate. Bewältigung der kolonialistischen Vergangenheit, Ausbau wirtschaftlicher Beziehungen, das waren die Themen der Staatsbesuche des Präsidenten François Hollande sowie seines Außenministers Laurent Fabius und vieler weiterer Delegationen – doch dass es stets auch um Mali ging, war allen Beteiligten und Beobachtern klar.
Algerien spielt die Schlüsselrolle im Krieg um Mali. Es ist das größte Land Afrikas, mit der größten und bestausgerüsteten Armee, die noch dazu über langjährige und leider auch frische Kampferfahrungen verfügt. Algerien befindet sich seit dem Ende des Bürgerkriegs in den neunziger Jahren in einem Zustand latenten Guerillakrieges; es ist Operations– und auch Rückzugsraum für den Dschihadismus und die mit ihm verbundene Geisel- und Drogenökonomie des Sahel.
Objektiv gesehen hat Algerien ein großes Interesse an einer sicherheitspolitischen Zusammenarbeit mit Frankreich. Allerdings ist der Kolonialkrieg nicht vergessen, weshalb die algerische Führung einen Schulterschluss nicht vollziehen kann – und teilweise auch gar nicht will. Die öffentliche Meinung sieht die französische Intervention, wie zu hören ist, überwiegend negativ. Und weil sich in der algerischen Führung derzeit wieder einmal ein Machtkampf abspielt, ist niemand bereit, das Risiko einer allzu frankreichfreundlichen Haltung einzunehmen.
Algerien hat jedes Interesse daran, dass ein Terrorstaat in Mali verhindert wird. Freilich auch daran, dass sich die Terroristen nach einer Niederlage nicht in Algerien verschanzen: Ein taktisches Dilemma. Angeblich erlaubt Algerien der französischen Luftwaffe die Benutzung seines Luftraums. Das ist aber ebenso wenig offiziell bestätigt wie die Meldung, Algerien riegele die Grenze zu Mali ab. Fraglich ist ohnehin, ob das geht – sie ist 1.400 Kilometer lang. Sollten dort wirklich 35.000 Algerier stehen, wie gemeldet wurde, dann wären das vier Kilometer pro Kompanie, ein Streifen, der selbst mit Luftunterstützung nicht zu sichern ist. Dass da weniger von "Grenze" als von "Raum" gesprochen werden muss, wurde jetzt noch einmal von der Attacke auf das Gasfeld unterstrichen.
Nicht nur mit Algerien, sondern auch mit anderen Staaten der Region hatte Frankreich vor der Intervention intensive Diplomatie betrieben. Ebenso in Europa. Nur mit vereinten Kräften, hieß es immer wieder aus Paris, und schon gar nicht mit Frankreich an vorderster Front, könne verhindert werden, dass Mali zu einem Al-Kaida-Staat würde. Und dann doch der Alleingang. Warum?
- Datum 17.01.2013 - 15:46 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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Wann ist ein Krieg jemals "umsichtig" vorbereitet worden. Und wenn ich das richtig verstehe, sehen die Franzosen das ähnlich. "Umsichtig", man muss sich dass auf der Zunge zergehen lassen. Dem Kopf der Hydra ist mit Abschlagen nicht beizukommen.
klar erkannt - in syrien sind s rebellen anderswo sind Terroristen
o scheisse .. was soll ich nun wählen ??
Ob "Francafrique" oder "Historische Verantwortung", es ist eine Art von Kolonialismus den Frankreich da weiterhin betreibt.
Warum sprechen denn die Völker in diesen Gebieten nicht wieder endlich ihre eigenen Sprachen, sondern immer noch französisch? Ganz sicher nicht nur, weil es praktisch ist.
Die wirtschaftlichen Interessen Frankreichs hat Herr von Randow ja schon ganz gut dargestellt. Diese müssen sich natürlich nicht mit denen der Bevölkerungen decken und werden deshalb gleich mit den (französichsprechenden!) "Eliten" an ihnen vorbeiverhandelt.
Ob ein fundamentalistischer Gottesstaat in der Wüste entsteht und ob der gefährlich wäre, ist vor allem das Problem der Anrainerstaaten, dann der Afrikaner allgemein und dann der UNO. Aber nicht Europas.
Es gibt keinen Grund die Franzosen bei ihren neokolonialen Einmischungen zu unterstützen. Die Afrikaner sollten empört sein. Sie sollten europäische Ordnungsmächte ablehnen, so wie wir eine amerikanische ablehnen sollten (Balkankrieg).
Europas Sicherheitsinteressen sind solange nicht unmittelbar betroffen, wie es die eigenen Grenzen effektiv kontrolliert, die Migrationspolitik einer kritischen Revision unterwirft und die Parallelgesellschaften eindämmt bzw. abbaut.
Hier geht es ja nicht um Bildung der Leser, sondern um Propaganda. Das Ziel ist die Leute nach und nach Mürbe zu machen und so bei zukünftigen Kriegen endlich mitballern zu dürfen. Bin ziemlich enttäuscht, dass die Zeit so etwas, wenn auch in der ONline-Ausgabe abdruckt.
hier zum haare raufen ...
nehmt euch mal zum Beispiel alle skandinavischen ländern oder auch Luxembourg , Schweiz etc etc ein Beispiel ...
ich danke Gott das ich luxemburger bin ...
wir brauchen keine kriege nicht hier und sonst irgendwo ...
grüsse
Ihr Aufschrei, liebe Joly, ist herzerfrischend. Doch leider muss ich Wasser in Ihren Wein schütten: Im Libyen-Krieg gebärdete sich nicht nur Sarkozy, sondern auch der Nato-Däne (!)
Rasmussen wie ein Wiedergänger Napoleons und meiner Erinnerung nach beeilte sich auch das
sehr ferne und von der Bevölkerung her kleine
Norwegen, am Luftkampf gegen die libyschen Regierungstruppen teilzunehmen ! Und wenn ich sehe, wie der langjährige Regierungschef eines
kleinen "Steuerparadieses", Juncker, sich zum
"Chef" der Euro-Finanzminister aufgeschwungen
hat, meine ich, dass auch Kleinheit nicht vor
Größenwahn schützt...
Ihr Aufschrei, liebe Joly, ist herzerfrischend. Doch leider muss ich Wasser in Ihren Wein schütten: Im Libyen-Krieg gebärdete sich nicht nur Sarkozy, sondern auch der Nato-Däne (!)
Rasmussen wie ein Wiedergänger Napoleons und meiner Erinnerung nach beeilte sich auch das
sehr ferne und von der Bevölkerung her kleine
Norwegen, am Luftkampf gegen die libyschen Regierungstruppen teilzunehmen ! Und wenn ich sehe, wie der langjährige Regierungschef eines
kleinen "Steuerparadieses", Juncker, sich zum
"Chef" der Euro-Finanzminister aufgeschwungen
hat, meine ich, dass auch Kleinheit nicht vor
Größenwahn schützt...
Entfernt. Bitte formulieren Sie Ihre Kritik sachlich und respektvoll. Danke, die Redaktion/au
Und das tut es gut. Und das tut gut. Auch Mali. Für die Zeit übrigens ein bemerkenswert guter Artikel. Nebenbei, auch Deutschland hat Verantwortung in und für Mali. Allein schon wegen wichtiger und guter Entwicklungsprojekte. Auch die Chinesen. Die haben nicht nur Geld investiert, auch Manpower. Die chinesischen Expatriots mussten vor ihrer Entsendung Bambara lernen. Das sollen andere Entwicklungshelfer erstmal nachmachen!
Warum da AlKaida bekämpfen, und nicht in Syrien? Nu... Syrien wird als stragischer Verteidigungsraum Israels verhackstückt, damit es mit dem Iran besser klappt. Die Patriots brauchen nur dann ein Stückchen nach Süden Rücken, und dann wird es im Iran ganz bunt. Ca.im Mai.
... sei das also?
Die Begründungen im Artikel dafür sind weit hergeholt, mittelbar und wenig überzeugend.
Viel eher sieht das nach einer innenpolitisch motivierten Ablenkungsmassnahme der angeschlagenen Hollande-Regierung aus - durchaus erfolgreich, wie man lesen kann.
Manchmal kann es auch von Vorteil sein, ein desolates Militärwesen zu haben, wie wir uns das leisten.
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