Westafrika : Algerien kann großen Druck auf Islamisten in Mali ausüben

Bislang hat Algerien einen Militäreinsatz in Mali kategorisch ausgeschlossen. Doch der Einsatz der Franzosen hat ein Umdenken bewirkt, sagt Afrika-Forscher W. Lacher.

Malis Nachbarland Algerien ist eine der größten Militärmächte in der Region, hat sich dem Kampf gegen den Terrorismus verschrieben und teilt nicht zuletzt eine über 1.300 Kilometer lange Grenze mit Mali. Schon deshalb wird sich das Land nicht aus dem Konflikt heraushalten können. Denn Flüchtlinge und islamistische Extremisten fliehen vor den Kämpfen in das Nachbarland. Und die ersten Al-Kaida-Kämpfer haben die Grenze bereits passiert.

ZEIT ONLINE: Herr Lacher, islamistische Extremisten haben in Algerien ein Ölfeld von BP überfallen und Geiseln genommen. Nach eigenen Angaben waren es Kämpfer aus Mali. Was bedeutet dieser Angriff auf das Nachbarland?

Wolfram Lacher: Der Angriff auf das Ölfördergebiet in Amenas und die Geiselnahme sind ein schwerer Schlag für die Algerier. Die Ölfördergebiete stehen unter schwerer Sicherheit, und einen solchen Angriff gab es dort seit Mitte der neunziger Jahre nicht mehr. Ich glaube allerdings nicht, dass es der Vorbote einer Ausweitung des Konflikts in Mali auf den Süden Algeriens ist. Die Erfahrung der vergangenen zwanzig Jahre hat gezeigt, dass terroristische Gruppen sich dort nicht lange halten können.

Wolfram Lacher

forscht an der Stiftung Wissenschaft und Politik in Berlin  zu den Themen Sudan, zum Horn von Afrika und zur Sicherheitsproblematik in der Sahara/Sahelzone.

ZEIT ONLINE: Algerien hat immer für eine politische Lösung in Mali geworben. Jetzt unterstützt es die militärische Intervention im Norden Malis, indem es den Luftraum für französische Jets geöffnet hat. Hat die Intervention in Mali ein Umdenken bei der algerischen Regierung eingeläutet?

Lacher: Die Unterstützung der französischen Intervention ist eine wichtige Kehrtwende in der algerischen Politik. Ich bin lange davon ausgegangen, dass es eines der wichtigsten Ziele Algeriens ist, die Franzosen aus Nordmali herauszuhalten, weil es diese Region als seinen strategischen Hinterhof ansieht. Was hinter der jetzigen Unterstützung der Franzosen steckt, ist im Moment schwer zu sagen.

ZEIT ONLINE: Frankreich hat erklärt, es rechne jetzt doch mit einem langen Einsatz in Mali. Später sollen 3.300 Soldaten aus Staaten des westafrikanischen Ecowas-Blocks die Führung übernehmen. Ist noch mit einer militärischen Unterstützung Algeriens zu rechnen?

Lacher: Ich erwarte nicht, dass sich Algerien direkt an der Intervention beteiligen wird. Aber ich gehe davon aus, dass die Algerier versuchen werden, sich zu einem späteren Zeitpunkt wieder in den Konflikt einzuschalten. Regionale Akteure und Frankreich brauchen eine konstruktive, algerische Haltung, um in Nordmali Fortschritte zu machen.

ZEIT ONLINE: Also könnte Algerien eine Führungsrolle übernehmen?

Lacher: Bislang hat Algerien immer darauf bestanden, die Probleme in Mail politisch zu regeln. Der Glaube, man könne die Probleme einzig und allein durch Verhandlungen lösen, war natürlich kein realistischer Ansatz. Auch waren die algerischen Vermittlungsversuche wenig glaubwürdig. Einerseits gab und gibt es keine malische Regierung, die ein fähiger Verhandlungspartner gewesen wäre. Gleichzeitig unterstützt Algerien die Gruppierung Ansar Dine als Verhandlungspartei, eine der drei bewaffneten Gruppen, die derzeit den Norden beherrschen.

ZEIT ONLINE: Es ist auch zu hören, Algerien unterstütze die Islamisten der Ansar Dine direkt.

Lacher: Es gibt in diesem Zusammenhang alle möglichen Anschuldigungen vonseiten malischer Akteure. So soll Algerien Ansar Dine etwa direkt mit Benzin oder Geldmitteln finanzieren. Was an diesen Aussagen dran ist, kann ich nicht sagen. Wenn ich von Unterstützung spreche, dann meine, dass sich Algerien für Ansar Dine am Verhandlungstisch und eine gemeinsame Position der Tuareg-Gruppen stark gemacht hat.

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