Westafrika : Algerien kann großen Druck auf Islamisten in Mali ausüben
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Regionale Sicherheitskooperation ist nötig

ZEIT ONLINE: Diese Woche hat Algerien die Grenzen zu Mali geschlossen. Kann das Land bei dieser Linie bleiben und weitere Hilfen verwehren?

Lacher: Algerien hat sehr große Druckmittel in der Hand. Die bewaffneten Gruppen in Nordmali beziehen ihren Treibstoff fast ausschließlich aus dem Nachbarland. Algerien kann die Handlungsmöglichkeiten dieser bewaffneten Gruppen entscheidend einschränken. Und ich erwarte auch, dass sie das tun. Schließlich muss Algerien fürchten, dass weitere Islamisten in das Land flüchten und sich das Problem teilweise nach Algerien verlagert.

ZEIT ONLINE: Hat Algerien im Kampf gegen die Islamisten zu wenig getan? Schließlich hatte Mali den Algeriern erlaubt, diese Gruppierungen im Land zu verfolgen.

Lacher: Die wirklichen Beweggründe der algerischen Politik gegenüber Nordmali sind schwer zu durchschauen, weil die Entscheidungsträger sich zu diesen Fragen kaum äußern. Man muss davon ausgehen, dass es innerhalb des algerischen Staates mehrere Machtzentren gibt, die nicht immer dieselben Positionen zu Nordmali vertreten. Auch war Algerien bei der Bekämpfung von Islamisten bislang zurückhaltend, da es die algerische Verfassung der Armee untersagt, außerhalb des Landes zu agieren. Das ist eine Doktrin, an der Algerien bislang festgehalten hat.

ZEIT ONLINE: Wenn sich Algerien mittel- und langfristig wieder um eine Konfliktlösung bemühen wird, was wäre die klügste Strategie?

Lacher: Mittelfristig – in den kommenden fünf Jahren – wäre eine regionale Sicherheitskooperation zwischen den vier Kernstaaten Algerien, Mauretanien, Mali und Niger nötig. Langfristig auch die Überwindung der Spannungen zwischen Marokko und Algerien, die derzeit ein Hindernis für eine solche Kooperation darstellen.

ZEIT ONLINE: Algerien hatte in der Vergangenheit ja bereits versucht, im Bereich der Sicherheitspolitik mit anderen Ländern zusammenzuarbeiten. Kann dieser Versuch als gescheitert angesehen werden?

Lacher: Algerien hat mit den Nachbarstaaten ein gemeinsames militärisches Befehlszentrum in Tamanrasset gegründet. Das hat aber nie wirklich etwas getan. Das liegt insbesondere an den Spannungen, die seit Jahren zwischen Algerien und Mali herrschen. Von Mali und Niger wurde dieses Zentrum zudem als Versuch Algeriens gesehen, die regionale Zusammenarbeit zu dominieren.

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