Ganze Gebiete sind der staatlichen Kontrolle entglitten, Tonnen von Waffen wandern durch die Region, über alle Grenzen hinweg blüht der Schmuggel, während die staatlichen Sicherheitskräfte desorganisiert und demotiviert agieren. Und so zieht sich jetzt quer durch Nordafrika ein Netz von Dschihadisten, Schmuggelbanden und kriminellen Stammeskriegern.

In Libyens Bengasi ermordeten Radikale den US-amerikanischen Botschafter, diese Woche alarmierten die Europäer ihre Bürger, wegen einer Terrordrohung sofort aus der einstigen Heldenstadt abzureisen. In Tunis starben vier Menschen beim Angriff eines salafistischen Mobs auf die US-Botschaft. Und auf dem Sinai starben bei mehreren Kommandounternehmen von Extremisten zwei Dutzend ägyptische Grenzer sowie zahlreiche Israelis.

Neue Strategien im Umgang mit diesen Bedrohungen sind notwendig, auch wenn keine schnellen Erfolge zu erwarten sind. Denn ähnlich wie in Mali wurzelt auch in Tunesien, Libyen und Ägypten die anhaltende Staatskrise in vertrackten und lange aufgestauten Problemen – Armut und Arbeitslosigkeit, einem überbordenden Bevölkerungswachstum sowie ethnischen Konflikten. In den letzten beiden Jahren hat die Euro-Krise 90 Prozent der außenpolitischen Energie Europas verbraucht.

Und die Länder des Arabischen Frühlings sind viel zu weit aus dem Blick geraten. Sie brauchen entschiedenere Unterstützung als bisher, sie brauchen neue langfristige Partnerschaften und vor allem neue wirtschaftliche Perspektiven. Dann werden sie auch ihren Weg finden zu mehr Stabilität und weniger Radikalität.